Das Saarmunder Helle gibt es erst im Frühjahr 2023 wieder. Der Hopfen für das Winterbier wächst noch. © agro Saarmund

Selbstgebrautes als Türöffner: agro Saarmund braut eigenes Bier

Was anfangs belächelt wurde, hat sich vielversprechend entwickelt: Die Agrargenossenschaft agro Saarmund braut ihr eigenes Bier. Doch wie viel „agro Saarmund“ steckt in dem Selbstgebrauten und lohnt sich das Biergeschäft?

Von Annelie Neumann

„Wie kann ein Bauer sein Getreide am besten veredeln? Indem er Bier braut“, ist sich Ulrich Benedix sicher. Für die Idee, ein eigenes, regionales Bier zu brauen, wurde der agro Saarmund-Geschäftsführer anfangs durchaus belächelt. Inzwischen haben jedoch auch die Zweifler Geschmack an dem naturtrüben Gebräu gefunden. Mit dem „Saarmunder Bernstein“ und dem „Saarmunder Hell“ sind es mittlerweile schon zwei Biersorten „made in Saarmund“, die begeistert Absatz finden.

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Mit Bier regionale Identität entwickeln

Mit seinem Einstieg vor drei Jahren entstand die Bier-Idee. Benedix wollte das Image der agro Saarmund in relativ kurzer Zeit stärken und zugleich Einwohner und Agrargenossenschaft näherbringen. Ein Blick in die Ortschronik brachte die naheliegende Idee: „In Saarmund gab es in 500 Jahren fünf Brauereien. Mit einem agro-Saarmund-Bier schließen wir an die alte Tradition an. Es ist ein Versuch, eine regionale Identität zwischen der Gemeinde, der Agrargenossenschaft und unseren Produkten zu entwickeln. Und da ist Bier natürlich der Türöffner schlechthin.“

In Zusammenarbeit mit dem Burgbräuhaus Bad Belzig entstand vor zwei Jahren das erste „Saarmunder Bernstein“ – ein naturbelassenes Bier, naturtrüb, ohne Konservierungsstoffe, vier Wochen haltbar. Zur Grillsaison gab es in diesem Frühjahr erstmals das leichte, spritzig-fruchtige „Saarmunder Hell“.

Wie lukrativ ist das handgemachte Bier?

Nur je zwei Monate im Jahr sind die Biersorten erhältlich. Auch ist die Menge mit ca. 2.000 Flaschen pro Brauvorgang überschaubar. „Alles ist handgemacht. Acht Wochen lang bekleben wir freitags 20 Kästen Bier, Qualitätskontrolle inklusive“, gibt Benedix augenzwinkernd Einblick.

Die Biermenge aufzustocken, kommt für ihn nicht infrage. „Es ist nichts, womit wir Geld verdienen wollen. Das tun wir mit Ackerbau, Viehzucht und der Fleischerei. Für uns ist es vielmehr ein Produkt, mit dem wir uns identifizieren können, mit dem man ins Gespräch kommt.“ Sicherlich bleibe der ein oder andere Euro hängen, dennoch ist das Saarmunder Bier ein Bier im Hochpreissegment. „Mit 2,50 Euro pro Flasche ist es nichts, was man einfach mal so eben wegspült.“ In einkommensschwachen Regionen könnte der Preis durchaus eine Hemmschwelle sein. Anders sieht es da um Saarmund aus. „Hier im suburbanen Raum mit einer relativ hohen Dichte an einkommensstarken Menschen sind die Leute bereit dafür zu zahlen. Sie schätzen das regionale Produkt, wissen, wo es herkommt und dass in jeder Flasche ein Stück agro drin ist.“

Wie viel „agro“ steckt im Saarmunder Bier?

Von Vorteil für den Direktvermarkter ist auch seine vorhandene Distributionskette. So werden die Biere nicht nur über den Nahkauf im Ort vertrieben, sondern auch über die eigenen Filialen und den Verkaufswagen. Dort bekommt man übrigens auch die Bierbratwurst. Diese passt nicht nur wunderbar zum Bier, sondern ist auch eine gute Möglichkeit, übriggebliebenes Bier in der betriebseigenen Fleischerei zu verwerten.

Das Bier wird in Potsdam-Mittelmark gebraut. Das Wasser und die Rohstoffe sind von hier. Doch wie viel „agro“ steckt eigentlich im Saarmunder Bier? „Natürlich ist nicht alles zu 100 Prozent von uns. Das geht auch gar nicht. Aber es steckt eine Portion Champagnerroggen von uns drin.“ Braugerste zu produzieren, ist alles andere als einfach. Obwohl man es auf dem bestem Acker versuchte, ist es der Agrargenossenschaft nicht gelungen, marktfähige Braugerste zu erzeugen. Für das eigene Bier bildet sie jedoch – verschnitten mit anderen Gersten – bereits die Grundlage.

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Hofladen-Team: Karsten Wolter, Johannes Zahnwetzer, Mariana Lengauer, Sven Troschke und Christian Waßmann. (c) Janice Zahnwetzer

„Saarmunder Bernstein“ mit echtem Saarmunder Brauhopfen

In wenigen Monaten wird wieder das jährliche Winterbier, das „Saarmunder Bernstein“, gebraut. Dann soll erstmals auch echter Saarmunder Brauhopfen dabei sein. Nachdem der Anbau im vergangenen Jahr scheiterte und der Hopfen wortwörtlich verloren war, setzt Benedix diesmal auf die grünen Daumen der Saarmunder. So wachsen bis September zwei Pflanzen im Betrieb und fünf Gewächse in den Gärten des Dorfes.

Wenn alles gelingt, wandern 1,5 kg Hopfen in das Saarmunder Gebräu. Dann ist auch Ulrich Benedix, der persönlich viel Leidenschaft und Zeit in das Bierbrauen steckt, wieder aktiv dabei, um das Getreide zu wässern, mitzukeimen und die Maische anzusetzen. Bis dahin ist der Geschäftsführer allerdings nicht untätig. Die nächste Idee steckt schon in den Startlöchern. Was es ist, verrät er noch nicht. Nur so viel: Es hat mit Getreide zu tun, wird einige Zeit brauchen und wieder die agro Saarmund über die Dorfgrenzen hinaus ins Gespräch bringen.


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