Eine Kernforderung von "Land schafft Verbindung: "Redet mit uns, nicht über uns." (c) Imago Images / Müller-Stauffenberg

Um der Schlagzeile willen …

Die Behauptung einer “Spiegel”-Journalistin, Landwirte hätten mit einem Versorgungsboykott gedroht, ist nicht nur ärgerlich – in der aktuellen Notsituation ist ein derartiges Vorgehen schlicht verantwortungslos.

Es kommentiert Karsten Bär

Da hat „Der Spiegel“ wirklich ganze Arbeit geleistet. Das Nachrichtenmagazin verkündet in seiner Onlineausgabe, eine „Lobbyorganisation“ der Landwirte namens „Land schafft Verbindung“ drohe in der Coronakrise mit Versorgungsengpässen, um das Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung zu verhindern – und wenig später tobte in den sozialen Medien die Wut auf den angeblichen Erpressungsversuch dreister Bauern. Wenn das keine Schlagzeilen sind!

Die Frage ist nur: Was genau hat der Hinweis, dass verschärfte Düngeregeln zu Betriebsaufgaben führen könnten, mit einer Erpressung zu tun? Richtig: Nichts. Im Gegenteil, denn in besagtem Brief versichert der Vorstand von LsV Deutschland, dass die Landwirte alles tun werden, um die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen, sie aber befürchten, dass mittelfristig Betriebe das Handtuch werfen.


Ein Traktor mit Pflug fährt über einen Acker.

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„Der Spiegel“ dreht das Rad aber noch etwas weiter, spielt Landwirte gegen Ärzte und Pflegpersonal aus, die in der Krise klaglos ihre Arbeit leisteten, kreidet der Landwirtschaft an, dass die Strafzahlungen wegen der Nitratüberschüsse zur Bekämpfung der Coronakrise fehlen würden, schwadroniert von verzweifelten Wasserversorgern. Da kommt einiges zusammen an Reizwörtern und -themen, um in der aktuell herrschenden Ausnahmesituation ausreichend Aufregung beim Leser – und Klicks im Internet –, zu erzeugen. Es trifft halt so schön den Zeitgeist, bedient die gängigen Vorurteile.

Man muss den Ton von „Endzeitstimmung“ nicht mögen, der in dem Brief von LsV durchklingt. Man kann einiges kritisieren, manches anders sehen. Aber dem LsV eine Drohung anzudichten, den Versuch, eine Notsituation schamlos auszunutzen, ist objektiv falsch und damit unredlich. Wie „Der Spiegel“ mit den LsV-Aussagen umgeht, hat nichts mehr mit Zuspitzung zu tun, es ist Verzerrung, ein Verkehren ins Gegenteil. Es ist schlicht verantwortungslos.

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