Grünland

22.11.2012

 

 

Sachsen will in der neuen Förderperiode eine erfolgsorientierte Honorierung der Pflege artenreichen Grünlands als Agrarumweltmaßnahme (AUM) einführen. Die derzeit in Entwicklung befindliche sächsische Förderrichtlinie für die neue Förderperiode der EU von 2014 bis 2020 sieht eine solche Maßnahme vor, die den Landnutzern mehr Entscheidungsfreiheit lässt, ihnen zugleich aber auch mehr Verantwortung überträgt.

Während des 19. Sächsischen Schaftages vergangene Woche in Polkenberg gab Dr. Jochen Göbel  vom Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand der Förderrichtlinie und die darin vorgesehenen Agrarumweltmaßnahmen. Vorgabe der Europäischen Kommission sei es, dass AUM künftig zielorientiert und auf Umweltprobleme ausgerichtet sein müssen. Zur Überprüfung der Maßnahmen müssen Indikatoren benannt sein. Die Förderung solle dazu dienen, Ertragsausfälle und Mehraufwendungen abzudecken, die über bestehende Anforderungen, wie sie sich beispielsweise aus dem Greening oder Cross-Compliance ergeben, hinausgehen.

Sachsen plane, etwa 30 % der ELER-Mittel für Agrarumweltmaßnahmen einzusetzen, womit die Forderung der EU, hierfür mindestens 25 % der Mittel zu verwenden, übererfüllt werde. Anders als noch in der 2013 endenden Förderperiode wird der Beteiligungssatz der EU auf 50 % (bisher 80 %) sinken. Der andere Teil muss aus Mitteln des Landes oder der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) aufgebracht werden.


Jochen Göbel konstatierte für den Zeitpunkt einen guten Fortschritt bei der Erarbeitung der Förderrichtlinie. Jedoch fehlen seitens der EU noch die entscheidenden Aussagen zum Finanzvolumen – bislang ist der Haushalt der Union noch nicht beschlossen. Demzufolge stehe noch nicht fest, wie viel Geld der Agrarhaushalt erhalte. „Je weiter sich die Entscheidung verschiebt, umso unwahrscheinlicher wird ein pünktlicher Start der neuen Richtlinie“, verdeutlichte Göbel.


In der neuen Förderperiode soll sich die Zahl der Maßnahmen sowohl für Acker- wie auch für Grünland reduzieren. Wo es zweckmäßig ist, sollen Förderkulissen für einzelne Maßnahmen eingeführt werden. Verbindliche Fördervoraussetzung wird für alle Ackerland-Maßnahmen eine „feldlerchengerechte Bewirtschaftungskomponente“ auf mindestens 5 ha, wenn die betriebliche Ackerfläche größer als 80 ha ist. Dies bedeutet, dass auf Schlägen, die größer als 5 ha sind, mindestens zwei Lerchenfenster von 20 Quadratmeter Fläche auf einem Hektar vorgesehen werden müssen oder die Fahrspurbreite nicht größer als zwölf Meter sein darf.


Landnutzer kann selbst entscheiden


Zu den Grünlandmaßnahmen sollen künftig die Biotoppflegemahd – abgestuft nach jeweiliger Erschwernis –, die Anlage von Brachflächen und -streifen innerhalb bestimmter Förderkulissen (ohne Nutzung und Düngung sowie mit Pflegeschnitt) und die Hütehaltung und Beweidung mit Schafen und Ziegen beziehungsweise mit großen Pflanzenfressern innerhalb bestimmter Förderkulissen nach Weideplan gehören. Darüber hinaus wird die artenschutzgerechte Grünlandnutzung in speziellen Förderkulissen gefördert. Hier reicht die Bandbreite der Vorgaben von der ein- bis mehrfachen Mahd vor oder nach bestimmten Terminen. Neu integriert ist die Staffelmahd, bei der zunächst die Hälfte der Fläche gemäht wird und zwei Wochen später die andere Hälfte folgt.


Ohne einschränkende Vorgaben kommt die neu geschaffene Maßnahme „Artenreiches Grünland“ (GL1) aus. Honoriert wird ausschließlich der Erfolg, der am Vorhandensein bestimmter Kennarten gemessen wird. Dabei wird im Vorfeld durch den Antragsteller entschieden, ob es vier, sechs oder acht Kennarten sind und welche Förderstufe er demnach beantragen will. Es liege im Ermessen des  Landnutzers, wie er die Fläche bewirtschaftet und den vorhandenen Zustand erhält.


Detaillierte Erklärungen zur ergebnisorientierten Honorierung beim artenreichen Grünland gab Dr. Gerhard Riehl, Leiter des Referats Grünland, Feldfutterbau beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Die ergebnisorientierte Honorierung knüpfe die Zahlung an ein ökologisches Gut und lasse dem Nutzer freie Hand, wie dieses Gut zu erhalten ist. Riehl verwies darauf, dass das Schutzgut Wirtschaftsgründland mit einer bestimmten Artenvielfalt sei, das durch landwirtschaftliche Nutzung entstanden ist und diese Nutzung auch benötigt. Insofern zeige das Vorhandensein von Kennarten, dass die bisherige Nutzungsweise zu diesem ökologischen Zustand geführt habe.


Voraussetzungen zur Teilnahme an der Maßnahme „Artenreiches Grünland“ sind nach derzeitigem Stand die Nutzung durch Mahd oder Beweidung, die schlagbezogene Aufzeichnung, der Verzicht auf Umbruch und der Nachweis von Kennarten aus einem Katalog von 35 Arten- oder Artengruppen.


Erfasst werden die Kennarten bei einer Begehung entlang der längsten Diagonale des Schlages mit jeweils zehn Meter Abstand zum Rand. Diese wird in drei gleich lange Abschnitte (sogenannte Transekte) unterteilt. In jedem Abschnitt muss mindestens ein Individuum  von vier verschiedenen Kennarten zu finden sein, um Förderstufe eins zu erreichen. Die Arten müssen in einem Erfassungsbogen dokumentiert werden, eine Skizze der begangenen Transekte ist anzufertigen. Nicht maßgeblich ist, ob in jedem Abschnitt die gleichen Kennarten gefunden werden – allein die Zahl ist entscheidend. Dies gilt auch für spätere Kontrollen. Finden sich bei einer Kontrolle vier (bzw. je nach Förderstufe sechs oder acht) andere Kennarten als noch bei Antragstellung, gilt das Förderziel dennoch als erreicht.


Thüringen hat gute Erfahrungen gemacht


Wie Riehl erklärte, sollen die Antragsteller Bestimmungshilfen zur Hand bekommen, um die Kennarten leichter erkennen zu können. Die Arten selbst sind weit verbreitet und relativ häufig, seien aber Indikatoren für artenreiche Gründlandgesellschaften. Der Referatsleiter betonte, dass ein Beibehalt der gewohnten Bewirtschaftung in der Regel den Erhalt der Artenzusammensetzung erwarten lasse. Über Jahre hinweg fördere ein variabler Schnittzeitpunkt die Artenvielfalt. Vier Kennarten nachzuweisen sei auf Flächen, die mit Schafen beweidet werden, unproblematisch.


Über gute Erfahrungen mit erfolgsorientierten Grünlandmaßnahmen berichtete Maik Schwabe von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL). Aus Verwaltungssicht habe sich diese Maßnahme bewährt. Sie sei gut prüfbar, unkompliziert in der Antragstellung  und -bearbeitung und führe kaum zu Verstößen. Jedoch sei der Zeitaufwand für das Erfassen und Kontrollieren der Arten. Zudem seien in Thüringen einige weitere Fördervoraussetzungen, wie etwa ein Mindestviehbesatz, zu prüfen. Gezeigt habe sich auch, dass das Verschwinden von Kennarten bei Beibehalt der Bewirtschaftungsweise unwahrscheinlich ist.


Karsten Bär

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