Feuerbrand

18.07.2013

© Sabine Rübensaat

 

 

Nachdem Mitte Juni bei Kontrollen im Erwerbsobstbau im Landkreis Mansfeld-Südharz ein erster Befall von Apfelbäumen mit Feuerbrand festgestellt und die meldepflichtige Krankheit auch an Weißdorn in der Feldflur nachgewiesen wurde, breitete sich der Erreger, ein Bakterium, zuletzt aufgrund der feuchtwarmen Witterung rasant aus. Betroffen ist vor allem das Obstanbaugebiet um den Süßen See im Mansfelder Land; im Saalekreis gibt es einen bestätigten Fall in einem Betrieb in Querfurt.


Bei der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau hieß es, einen so großen Ausbruch von Feuerbrand habe man in Sachsen-Anhalt zuletzt vor 30 Jahren erlebt. Kreisübergreifend ist ein Areal von insgesamt 600 ha Fläche betroffen. Inzwischen würden weniger Fälle gemeldet, von Entwarnung könne aber nicht die Rede sein, verlautete zu Wochenbeginn aus der Sangerhäuser Kreisverwaltung.


Der Landesverband Sächsisches Obst e. V., der auch die Interessen von Erwerbsobstbauern hierzulande vertritt, schätzte am Dienstag ein, dass aus jetziger Sicht die etwa 100 ha betroffenen Obstanlagen in bislang drei Betrieben im Wesentlichen zu retten sind und es nur auf einer kleinen Fläche eine Totalrodung geben werde.

Die Obstbauern kämpfen seit dem Ausbruch der Krankheit vor Ort zusammen mit weiteren Kräften unermüdlich gegen eine weitläufige Ausbreitung der Krankheit, die vor allem Kernobstarten wie Apfel, Birne und Quitte befällt, aber auch Zier- und Wildgehölze aus der Familie der Rosengewächse wie Weiß- und Rotdorn (siehe auch BauernZeitung, Ausgabe 29, Seite 16).


Einzig praktikable Maßnahme zum Eindämmen des Befalls ist ein radikaler Rückschnitt bzw. die Rodung befallener Gehölze und das anschließende Verbrennen des Pflanzenmaterials. Ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel gegen den Feuerbranderreger gibt es nicht. Die Obstbauern gingen ihre Anlagen deshalb Reihe für Reihe ab, um befallene Bäume zu finden. Doch sie stießen bald an personelle Grenzen, zumal die Kirschenernte in vollem Gange ist.


Landrat Dirk Schatz rief angesichts der schnellen Ausbreitung der Krankheit, die von den regionalen Kräfte nicht mehr in den Griff zu bekommen war, am Montag voriger Woche den Katastrophenfall aus. Zudem weitete er am Sonntag die Allgemeinverfügung zum Verbrennen befallener Gehölze auf den gesamten Landkreis Mansfeld-Südharz aus. Zuvor ist dazu die Krankheit allerdings beim amtlichen Pflanzenschutzdienst zu melden und nachzuweisen!


Das Agrar- und Umweltministerium schickte vorigen Donnerstag auf Bitte des Landkreises rund 100 Forstarbeiter des Landes in die Region. Sie unterstützen die Bekämpfungsaktionen vor Ort. Dabei geht es vor allem darum, in einer 500-Meter-Zone um Obstplantagen herum wild wachsende Wirtspflanzen des Feuerbrandes wie den Weißdorn in teils unwegsamem Gelände zu beseitigen. Kameraden der Feuerwehren helfen bei dieser Arbeit und sichern den Brandschutz ab. Die Forstfachleute werden voraussichtlich mehrere Wochen zu tun haben.


Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat Imker in den betroffenen Gebieten aufgerufen, ihre Bienenvölker umzusetzen, um eine weitere Verbreitung der Krankheit durch die Insekten zu verhindern. In der am stärksten betroffenen Gemeinde Seegebiet Mansfelder Land wurden Privathaushalte in Postwurfsendungen über den Umgang mit der meldepflichtigen Krankheit aufgeklärt. Das Umweltamt des Kreises informierte Kleingartenvereine über die notwendigen Bekämpfungsmaßnahmen. Nicht organisierte Gartenbesitzer sind verpflichtet, sich selbstständig über die gesetzlichen Regelungen zu informieren. Landwirte sind ebenfalls angehalten, Feldgehölze oder Streuobstwiesen auf einen etwaigen Befall mit Feuerbrand zu kontrollieren.


Laut Obstbauverband sind insbesondere die meist wild wachsenden oder gar in Hecken angepflanzten Wirtspflanzen wie Weiß- oder Rotdorn extrem vom Feuerbrand betroffen. Sie seien auch das eigentliche Problem, da sie im Gegensatz zu den Obstanlagen nicht regelmäßig auf einen Befall kontrolliert werden. Von ihnen geht ein starker Infektionsdruck auf die Obstgehölze aus. Die betroffenen Obstbauern müssen durch den

starken Rückschnitt befallener Bäume bis tief ins gesunde Holz in diesem Jahr und auch in den nächsten Jahren Ertragsausfälle verkraften. In Abhängigkeit vom Grad der Betroffenheit können die Folgen im Einzelfall für Betriebe existenzbedrohend sein.


Die Obstbauern erwarten wegen des langen Winters und der strengen Fröste in diesem Jahr ohnehin schon eine deutlich niedrigere Ernte, zum Beispiel bei den Kirschen. Bei Aprikosen gibt es sogar einen Totalausfall. Und beim Apfel, hierzulande

die Hauptbaumobstart, bereitet nun der Feuerbrand zusätzliche Probleme. Der Landesverband Obst betonte abschließend, dass die aus der Region stammenden Äpfel gesund sind, da alle befallenen Bäume zurückgeschnitten oder ganz gerodet werden.


Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) registrierte bislang fünf Fälle von Feuerbrand im Freistaat (Altenburger Land, Unstrut-Hainich, Sömmerda) – alle im Weißdorn. Die aktuelle Befallslage bewege sich damit im Normalbereich. Als Vorsichtsmaßnahme stünden in der Nähe der Fundstellen befindliche Obstplantagen unter spezieller Beobachtung. BZ

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr