Im Stand Abbunkern kostet wertvolle Zeit und damit Leistung. In kurzen Erntefenstern sollte nur parallel während des Dreschens überladen werden. (c) Sabine Rübensaat

Getreide retten: Tipps zur Ernte

Aufgrund der anhaltenden Niederschläge droht die Ernte 2023 mit sinkenden Qualitäten und Preisverfall sowie hohen Energiekosten zu einer der teuersten Ernten zu werden. Die Landwirte sind hochnervös. Was kann man jetzt noch mit der richtigen Maschineneinstellung und optimalen Logistik retten?

Von Dr. Andrea Feiffer und Franz Klüßendorf, feiffer consult, Sondershausen

In Extremjahren sind die Organisation der Ernte und das Zeitmanagement besonders wichtig. In jeder nutzbaren Stunde muss das Dreschwerk laufen, Stillstandzeiten müssen minimiert werden. Nachfolgend einige Tipps, wie das erreicht werden kann.

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Getreideernte retten – Hilfreiche Tipps

Abschüttflächen einrichten

Nach einer langen Zwangspause dreschen alle – der Handel wird überrannt. Das kann zu langen Rundenzeiten führen. Wer bei sich auf dem Hof abschütten kann, spart viel Zeit und die spätere Wiederaufnahme lohnt sich. Auf einer sauberen Fläche kann auch kurz im Freien zwischengelagert werden. Wenn es auf den Stapel regnet, quellen die oberen Körner auf und bilden eine Art Dach. Die zusätzliche Befeuchtung der oberen Schicht geht beim Aufladen und Durchmischen wieder unter. Wer selbst einlagert und trocknen kann, ist klar im Vorteil.

Getreideernte
Das Getreide auf dem Hof zwischenzulagern ist besser, als in der Schlange beim Landhandel zu stehen. (c) Sabine Rübensaat

Hochschnitt

Wenn man das Schneidwerk aus den unteren 20 bis 25 cm des Getreidebestandes heraushält, ist der Mähdrescher leistungsfähiger und man kann vormittags eher anfangen und abends länger dreschen. Die Abscheidung ist höher, die Verluste und die Wiederbefeuchtung sind geringer. Anschließend muss jedoch gemulcht werden. Man kann im Hochschnitt beginnen und dann das Schneidwerk entsprechend der zunehmenden Abtrocknung bei Wetterbesserung wieder absenken.

Feuchteübergang vom Stroh ins Getreide
Abbildung 1: Feuchteübergang vom Stroh ins Getreide

Abfuhrlogistik

Nicht jeder arbeitet mit paralleler Kornübergabe beim Abbunkern. Doch wann immer es die Bodenverhältnisse zulassen, sollte parallel überladen werden. Das bringt Leistungszuwachs von etwa 20 %. Anhänger irgendwo am Feldrand zu postieren, kann man sich nur in Erntejahren wie 2022 erlauben. Muss der Mähdrescher längere Strecken zum Anhänger zurücklegen, fehlen schnell 35 % Leistung.

Fit für die Rallye

Bereiten Sie den Erntestart nach der Regenphase gut vor. Reparaturen, wenn es losgeht, kann keiner gebrauchen. Steht alles parat, weiß jeder Bescheid? Den Mähdrescher am besten noch einmal durchsehen und überprüfen, ob alle Abstände, Toleranzen und Maße stimmen. Die am Monitor angezeigten Werte müssen mit den tatsächlichen Einstellpositionen übereinstimmen, sonst geht jede Einstellung schief. Ist der Korbein- und -auslauf in der richtigen Grundposition und in paralleler Stellung? Öffnen die Siebe so, wie es angezeigt wird? Sind die Häckslermesser scharf? Sind die Mähklingen und Finger einwandfrei? Sind die Ährenheber intakt und in Flucht (Ährenspitzen 1,5 cm vom Boden entfernt)? Bei Lager zahlt sich jede Investition am Schneidwerk aus.

Verlustvorgabe

Wer mehr Leistung braucht, kann bei den Druschverlusten zulegen und statt 0,5 auch 1,5 % zulassen. Besser 2,5 €/t mehr in Verlust investiert, wenn man dadurch 50 €/t Qualität retten kann. Bei 1,5 % Verlust (75 dt/ha Ertrag, TKG 45 g) liegen etwa 80 Körner in der Prüfschale bzw. 280 Verlustkörner auf dem Quadratmeter. Danach wird es natürlich grün. Darauf muss das Auge vorbereitet sein.

Mähdreschereinstellung

Höhere Feuchten verlangen intensivere Mähdreschereinstellungen beim Dreschwerk und bei der Reinigung, jedenfalls in den ersten Tagen. Wer die App Feiffer Combine nutzt, kann bei den unter „Feucht“ angezeigten Einstellwerten durchaus noch 15 % drauflegen. Also Trommel-/Rotordrehzahlen höher, Siebweiten größer, den Korb nicht zu eng, sodass nicht zu viel Feuchtigkeit aus dem Stroh gepresst wird und das Korn im Dreschwerk wieder befeuchtet.

Gibt es eine längere Gutwetterphase, trocknen die Bestände gut durch und werden mürbe. Das kann relativ schnell gehen und man bekommt ein Kurzstrohproblem. Dann geht man genau andersherum vor und stellt den Mähdrescher sanfter ein. Das entlastet die Siebe und Schüttler bzw. Rotoren.

Tabelle Verlustabhilfe
Abbildung 2 Mähdreschereinstellung

Hilfe vereinbaren

Nach so einer langen Regenphase hat erst einmal niemand Kapazität übrig. Dennoch lohnt es sich, jetzt nach unterstützenden Kapazitäten (Lohnunternehmer, Nachbarlandwirte) zu suchen.

Trocknungskosten im Blick behalten

Im Moment sind viele Bestände noch klatschnass und gehen, auch wenn man wollte, nicht durch den Mähdrescher. Die Trocknungskosten sind bei den jetzigen Energiepreisen zu hoch. Wenn man den Wetterdaten trauen kann, deuten sich ab Mitte der Woche trockene Tage mit höheren Temperaturen an. Durch den verlangsamten Jetstream halten Wetterlagen länger an, sodass ein Umschwung zu einer längeren guten Erntephase möglich erscheint. Aber die Landwirte sind nervös und wollen los. Wenn der Gutwettertrend anhält, lohnt sich eine Materialschlacht mit hohen Erntefeuchten nicht. Reparaturen mit Stillstandszeiten fallen dann in die bessere Erntezeit, die Schäden der Bodenstruktur bleiben lange bestehen.

Die Trocknungskosten sind bei den derzeitigen Energiepreisen extrem hoch. Würde man mit 20 % beim Handel anliefern, legt man etwa 38€/t hin, bei 17 % „nur“ noch etwa 20 €/t. Mehrere Tausend Liter Wasser werden durch den Mähdrescher gezogen. Bei der natürlichen Trocknung auf dem Halm rechnet man in normalen Jahren mit einem Zwischentag nach ergiebigem Regen, vorausgesetzt es herrscht keine Windstille und der Tag hat Temperaturen über 20 Grad. Unter den jetzigen Bedingungen könnte die Wartezeit knapp doppelt so lange sein, weil bei der Verdunstung die Bodenfeuchte mit aufsteigt. Einen Durum, bei dem die Fallzahlen noch stimmen, kann man auch mit 18 % ernten, weil die Qualitätsabzüge deutlich höher sind.

Erntereihenfolge den Qualitäten anpassen

Am besten rettet man zunächst die Bestände, die noch gute Qualitäten erwarten lassen und stellt die Bestände zurück, die nur noch Futterqualität haben. Dazwischen liegen etwa 40 bis 50€/t Preisdifferenz. Die frühen Sorten schwächeln in der Fallzahl, die späteren halten noch zum Teil.

Auch bei Lagergetreide kann man eine ähnliche Strategie überlegen. Normalerweise erntet man Lagergetreide, wenn es knistert, also an den heißen, trockenen Tagen. Lager ernten kostet mitunter doppelte Zeit und die Gefahr von Stillstand durch Schäden. Diese Zeit lässt sich besser für den Drusch von stehendem Qualitätsgetreide verwenden. Die Keimung wird bei lagerndem Getreide mit Feuchte von oben und unten stark stimuliert, sodass viele Lagerbestände die Fallzahlen nicht mehr erreichen. Und generell gilt: Gefährdetes Qualitätsgetreide vor Raps dreschen.

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Qualitativ hochwertige Bestände sollten zuerst gedroschen werden. (c) Sabine Rübensaat

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