Wenn das Wasser fehlt

Trotz der Trockenheit läuft überall die Frühjahrsbestellung. Auch auf den Flächen der Oehnaland Agrargesellschaft steht kein Rad still. Die Kreisregner mussten auf leichten Standorten bereits aktiviert werden. Besondere Zeiten, nicht nur wegen Corona.

Die Fragen stellten Sabine Rübensaat und Erik Pilgermann

Wie geht es Ihnen in diesen Coronazeiten?
Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Hier im Betrieb gibt es keine Einschränkungen. Die Krise ist natürlich allgegenwärtig, in den Nachrichten, Zeitungen, um uns herum. Aber wir arbeiten weiter, die Produktion läuft wie geplant.

… und die Mitarbeiter?
Alle Mitarbeiter geben ihr Bestes, die vorgeschriebenen Verhaltensregeln einzuhalten. Wir fordern dazu auf, Abstand zueinander zu halten, regelmäßig Hände zu waschen, und haben dafür auch die Voraussetzungen. Wasser, Seife und Einweghandtücher sind überall vorhanden. Bisher hat es noch keinen Mitarbeiter erwischt, alle stehen zur Verfügung und sind bei der Frühjahrsbestellung. Darüber sind wir sehr froh. Auch in der Werkstatt läuft alles wie geplant.

Das Wichtigste ist aber die Versorgung der Tiere, und die ist sichergestellt. In der Milchviehanlage arbeiten die Kollegen in zwei Schichten. Der Schichtwechsel findet ohne direkten Kontakt statt. Einige Mitarbeiter bleiben mit Minusstunden vorsorglich zu Hause. Falls der schlimmste Fall eintreten sollte, könnten sie dann einspringen. Unser IT-Dienstleister hat auch vier Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet, sodass im Ernstfall auch die Buchhaltung und Verwaltung gewährleistet blieben. Die Kinderbetreuung ist gesichert.


Video (c) Sabine Rübensaat

Wie haben Sie das organisiert?
Wir haben zwei junge Kolleginnen im Leitungs- und Verwaltungsbereich, die Kinder im Kitaalter haben. Diese beiden arbeiten jetzt im Homeoffice, um so nicht nur die Arbeit, sondern auch die Kinderbetreuung zu gewährleisten. Im Produktionsbereich haben wir zwei junge Väter. Hier sind aber gerade die Mütter der Kinder im Babyjahr und können sich so um die Kinder kümmern.

Wie laufen die Frühjahrsarbeiten?
Auch wir sind jetzt in der Hochphase der Frühjahrsbestellung. Auf Hochtouren läuft das Pflanzen der Kartoffeln. Das ist ein Schwerpunkt bei uns. Wir bauen über 600 Hektar Kartoffeln an, etwa zwei Drittel davon sind schon gepflanzt. Nächste Woche wollen wir fertig werden. Vor acht Tagen haben wir mit dem Maislegen angefangen. Das ist bei uns immer mit einem erheblichen Flächen und Arbeitsumfang verbunden. Unsere Rinder brauchen die Maissilage, und die Biogasanlage will auch gefüttert werden.

Beim Maislegen nutzen wir schon seit ein paar Jahren Applikationskarten für die Dosierung des Saatgutes je nach Ertragsfähigkeit der Flächen. Basis für die Applikationskarten sind mehrjährige Ertragskarten und Daten zur Wasserführung der Schläge. So ernten wir nicht nur, was die Flächen hergeben, sondern bestellen auch entsprechend. Wir erstellen die Applikationskarten im Büro und laden sie dann auf die Terminals der Maisleger. Wir haben vor ein paar Jahren unsere Legemaschine mit der nötigen Technik aufgerüstet, und seitdem funktioniert das System verlässlich.

Wie trifft Sie die verschärfte Düngeverordung?
Rote Gebiete liegen zum Glück nicht in unseren Flächen. Aber wir müssen immer wieder rechnen, wie viel Stickstoff und wie viel Phosphor wir ausbringen dürfen. Die Novelle der Düngeverordnung ist ja im Bundesrat beschlossen worden.

Zum Teil greift sie erst 2021, zum Teil aber eben schon jetzt. Zu bestimmten Herbstfrüchten, Zwischenfrüchten ist dann keine organische Düngung mehr möglich. Das ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir fühlen uns alle über einen Kamm geschoren, denn auf unseren leichten Standorten mit 0,5 Großvieheinheiten pro Hektar wäre die Ausbringung organischer Substanz im Herbst zu Feld- und Zwischenfrüchten eine nachhaltige Ausnutzung der Nährstoffe. Dennoch müssen wir ein zusätzliches und teures Lager finanzieren.

Info zum Betrieb
Die Oehnaland Agrargesellschaft mbH befindet sich circa
70 km südlich von Berlin im Landkreis Teltow-Fläming. Der
Betrieb bewirtschafte circa 4.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, hält Milchrinder, Sauen und Mastschweine. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt etwa 500 mm. Die vorherrschende Bodenart auf den Nutzflächen ist schwach lehmiger Sand. Angebaut werden Getreide, Körner- und Silomais, Luzerne, Feldgras, Erbsen und Kartoffeln. Auch die Technik und Instandhaltung sind im Unternehmen integriert. Als Tochterunternehmen werden eine KfZ-Werkstatt, eine Biogasanlage und eine Kompostieranlage betrieben.


Das Interview in voller Länge mit mehr Infos zur Beregnung und der darauf angepassten Fruchtfolge im ePaper der Bauernzeitung Ausgabe 18/2020.


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