Halbzeit bei den Azubis

Jessica und Jonas absolvieren bei der TZG Ernstroda eine Ausbildung zum Landwirt. Die Hälfte ist fast rum, bereut haben die beiden ihre Entscheidung nicht – ganz im Gegenteil.

In Kürze können Jessica und Jonas Halbzeit feiern. Im August 2018 begannen sie ihre Lehrausbildung zu Landwirten in der TZG Ernstroda. Beide geben zu verstehen, dass sie wohl eher keine Party machen werden. Denn im Februar stehen die theoretischen Zwischenprüfungen in den Berufsschulfächern Pflanzenbau und Tierproduktion sowie Wirtschaft/ Soziales an. Danach absolvieren sie noch die praktischen Prüfungsteile. 

An Motivation mangelt es nicht

Während Jessica in einem anderen Betrieb zunächst eine Ausbildung zur Tierwirtin begann, aus der sie aus „verschiedenen Gründen“ aber ausstieg, machte Jonas zunächst Abitur. Vor dem Lehrbeginn arbeiteten beide einige Zeit in der TZG. Jessica vor allem im Kälberstall und Jonas als Schlepperfahrer. Er hatte nach dem Abitur auf eigene Faust die Pkw-Fahrerlaubnis samt T-Schein gemacht. Jessica holte dies Anfang 2019 nach – die TZG stellte ihr dafür den Traktor zur Verfügung. 

Beide sagen, mit der Lehre und ihrem Ausbildungsbetrieb die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie gehören zum Team um TZG-Pflanzenbauleiter Dirk Grigutsch. An Motivation mangelt es ihnen nicht.

Rund ein Viertel der Mitschüler Weiblich

In der Berufsschule wechselten Jessica und Jonas mit Beginn des zweiten Lehrjahres mit zwei Dutzend ihrer Azubi-Kollegen als Jahrgangsbeste in die Leistungsklasse. Im Unterricht gehe es in diesem Klassenverband sehr konzentriert zu, was beiden entgegenkommen würde. Und nein, sagt, Jessica: In ihrer Landwirtklasse sei sie nicht „allein“ – gut ein Viertel der Mitschüler sind junge Frauen. 

Die „Land schafft Verbindung“- Bewegung der letzten Monate haben beide mitverfolgt. Jessica mehr über Medienberichte und Soziale Medien. Als die Thüringer und Bayern mit ihren Schleppern am 25. November von Arnstadt aus nach Berlin aufbrachen, stand Jonas zwischen dem Erfurter Kreuz und Weimar auf einer Brücke über der A4 und grüßte die Landwirte. Das habe ihn schon tief beeindruckt. Einige Azubi- Kumpel aus der Berufsschule waren in Berlin – hier bekam er über Facebook nahezu „live“ aktuelle Impressionen. 

Diskussion mit Familie und Freunden 

Im persönlichen Umfeld – beide kommen zwar vom Land, haben aber keinen landwirtschaftlichen Familienhintergrund – wird freilich über Landwirtschaft diskutiert. Jessica erzählt, dass das bei ihr überwiegend in der Familie, mit den Geschwistern stattfinde, die ihr Wissen aus dem Fernsehen oder der Tageszeitung beziehen. Und weil diese kaum eine Ahnung hätten, stehe das Erklären im Mittelpunkt. 



Wenn Jonas diskutiert, dann am Wochenende mit seinen alten Abi- Freunden, die jetzt in Großstädten studieren. Deren Sicht auf Landwirtschaft verändere sich, so seine Einschätzung. Mit Argumenten aus der Praxis wolle er vor allem aufklären – und wenn es sein muss, natürlich auch die Landwirtschaft verteidigen. Da merkt man, dass Jonas längst als Landwirt agiert. Die Diskussion in der Familie oder unter Freunden, das sei klar, ende niemals im Streit. fh

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