Gute Schläge, schlechte Schläge

Bei unserem Praxispartner, dem Familienbetrieb Hildebrandt in Letschin, nutzt man die letzten Wintertage für Instandhaltung und Öffentlichkeitsarbeit – und um sich um einen Schlag Wintergerste auf einem besonders schweren Boden zu kümmern.

Von Heike Mildner

Bei Hildebrandts in der Küche riecht es nach Kaffee und Eiserkuchen, eine westfälische Spezialität, die an märkischen Klemmkuchen erinnert. Sebastian Hildebrandt sitzt dort und repariert die Steckverbindung für die Rücklichter des Düngerstreuers. Noch ein Menschenleben früher hätte es im Haus eines kleinen Oderbruchbauern vielleicht nach Wagenschmiere, geschnittenen Weidenruten und nassem Hund gerochen. War doch der Bauer im Winter früher mit Korbflechten, Säckeflicken, Sattlerarbeiten und Ähnlichem beschäftigt, bevor er im Märzen die Rösslein einspannte.

Familienausflug zum Gerstenschlag, der auf fettestem Oderbruchboden prächtig gedeiht. Sebastian, Maximilian, Klaus und Karin Hildebrandt nach der Bonitur. (c) Heike Mildner

Die Rösslein der Hildebrandts sind schon auf Vordermann gebracht. Elektrik prüfen, Roststellen ausbessern, schmieren, fetten und pflegen, damit die Technik läuft: Für all das fühlt sich vor allem Sebastian Hildebrandt zuständig. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Maximilian nutzt er die semesterfreie Zeit, um zu Hause zu helfen. Aber noch ist der Boden zu nass, das Wetter zu unbeständig. Außerdem ist jetzt die Zeit der Tagungen, Versammlungen und des agrarpolitischen Engagements.

Video (c) Heike Mildner

Maximilian und Sebastian folgten beispielsweise am 13. Februar dem Aufruf von Johanna Mandelkow von Land schafft Verbindung und fuhren zum Agrarmuseum Wandlitz, um die Bauernschaft bei der RBB-Sendung „Wir müssen reden“ zu vertreten. Für die jungen Leute gehört auch das zur Praxis der Praxispartner. 

Machen Hildebrandts jetzt Öko?

Über die eigentliche Praxis in den vergangenen Tagen reden Hildebrandts nur ungern. Aber auch das gehört dazu: Die Vermehrung von Rübsen – ein Versuch, auf 17 ha eine Rapsalternative in der Fruchtfolge auszuprobieren – ist gescheitert. Im trockenen Herbst waren die Rübsen ungleichmäßig aufgelaufen. Der Raps, der vor sieben Jahren hier zuletzt gestanden hatte, nutzte die Chance und lief den viel zu milden Winter über kontinuierlich auf. Die ganze Familie rückte mit Hacken aus, sodass sich die Nachbarn schon wunderten: Machen Hildebrandts jetzt Öko? Machen sie nicht. Sie versuchten nur zu retten, was zu retten ist.


Praxispartner Brandenburg

Familienbetrieb Hildebrandt in Letschin

Familie Hildebrandt ist der Praxispartner der Bauernzeitung in Brandenburg. Der Betrieb bewirtschaftet im mittleren Oderbruch 350 ha Ackerland. Landwirt Klaus Hildebrandt setzt dabei auf pfluglose Bodenbearbeitung und eine siebengliedrige Fruchtfolge. Unterstützt wird er von seiner Frau und den beiden Söhnen.

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Stattdessen fahren wir gemeinsam, aber ohne Hacke, zu einem Schlag mit Wintergerste. Es ist der schwerste Boden, den Hildebrandts bearbeiten: „65 Bodenpunkte, über 60 % Tongehalt, gründig bis 1,20 m A-Horizont – ein echter Minutenboden“, fasst Klaus Hildebrandt zusammen. Die Gerste wurde erst am 7. Oktober gedrillt und steht prächtig. Die Bonitur zeigt: Ramularia, Mehltau und Braunrost machen sich schwach bemerkbar.

In den nächsten Tagen wird hier auf bewährte Weise ökologisch gespritzt, um die Pflanzen widerstandsfähiger zu machen: Milchsäure, Elementarschwefel und Mikronährstoffe wie Mangan, Molybdän, Kupfer und Zink sowie luftstickstoffbindende Bakterien, zwei Wochen später zudem mineralischer Stickstoff. Außerdem steht der Glyphosateinsatz bei den Zwischenfrüchten an, Hafer und Peluschken wollen in den Boden, und dann auch noch die Zuckerrüben und der Mais. Für Sebastian und Maximilian hat dann schon wieder die Vorlesungszeit begonnen. Gerade, wenn am meisten zu tun wäre.

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