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„Es gibt keine gute oder schlechte Gentechnik“

Einige Mitglieder der Grünen fordern ihre Partei zum Umdenken bei der Gentechnik auf. Nicht die Technologie, sondern deren Ergebnis sollte die Bewertung bestimmen.        

Die Grünen brauchen ein neues Verhältnis zur Gentechnik. Statt totaler Ablehnung sei es „unsere Aufgabe als ökologisch-soziale Partei, Anwendungen der Biotechnologie differenziert nach ihrem Potenzial und möglichen Risiken für eine nachhaltige und gerechte Gesellschaft zu bewerten – sowohl lokal als auch global“. Dies formulieren gut zwei Dutzend Parteimitglieder, darunter EU- und Bundestagsabgeordnete, mit Theresia Bauer und  Katharina Fegebank auch zwei Grünen-Länderministerinnen für Wissenschaft oder der Professor für Agrarökonomie an der Universität Rostock, Sebastian Lakner, in einem Thesenpapier. Anstoßen wollen die Grünen-Mitglieder einen Diskussionsprozess in ihrer Partei. Denn in diesem Herbst will sich Bündnis 90/Die Grünen nach zuletzt 2002 ein neues Grundsatzprogramm geben.

Chance für Landwirtschaft

In sechs Thesen begründen die Autoren, warum sich die Grünen von ihren bisherigen Positionen verabschieden müssten. Da wären die Folgen des Klimawandels, die „auch immer rasantere Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft notwendig machen“ würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei dies nicht alleine durch Veränderungen in Anbau und Saatauswahl zu leisten. Wenn man durch neue Methoden und Verfahren wie Crispr/Cas leichter und schneller vorankäme, „liegt darin eine große Chance für eine nachhaltige Landwirtschaft“, so die Verfasser, die anerkennen, dass die Zahl der Beispiele für gentechnische Erfolge in den letzten Jahren deutlich angestiegen sei.

Gentechnik-Recht neu regeln

Einsetzten wolle man sich für eine „Neuregelung des Rechtsrahmens“, damit sowohl öffentliche Forschungseinrichtungen als auch kleine mittelständische Unternehmen Chancen erhalten, „sich an der ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft von morgen“ zu beteiligen. Ernstnehmen sollte man Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die europaweit für eine Überarbeitung der derzeitigen Rechtslage plädieren.

Alltag in der Medizin

Klarstellen die Grünen-Mitglieder, dass es „keine gute oder schlechte Gentechnik“ gebe. „Wir als Gesellschaft müssen Anwendungsbereiche anhand von Risiken und Chancen diskutieren und definieren.“ Dabei wird auf die „Rote Gentechnik“ verwiesen. In Deutschland seien aktuell rund 280 Arzneimittel mit 232 Wirkstoffen zugelassen, die gentechnisch hergestellt wurden. Ein klares Verständnis der Grünen-Partei davon, „welche Belege für Risiken allgemein anerkannt werden können“, würde das Vorsorgeprinzip stärken.

Risiken zeitgemäß bewerten

Wegkommen müssten die Grünen bei ihrer Bewertung der Gentechnik-Risiken „allein aufgrund der Technologie“. Entscheidend seien „vielmehr die Eigenschaften des Organismus und deren Folgen für Mensch und Umwelt“. Denn die Risiken liefen „nicht mehr entlang der Technologien, sondern entlang ihrer Anwendungen: In der Landwirtschaft kann die Biodiversität auch mit Bio-Produkten genauso geschädigt werden wie mit Gentechnik“.

Die Grünen sind derzeit an 11 von 16 Landesregierungen beteiligt. Über den Bundesrat kann die Partei Einfluss auf die Bundespolitik nehmen. Agrarpolitisch zeigt sich dies aktuell bei der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, wo sich die Grünen-Ländervertreter bislang einem Kompromiss zur Sauenhaltung verweigern. red


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