Mit dem Insektenschutzgesetz kommen spürbare Restriktionen im Pflanzenschutz. (c) Sabine Rübensaat

Düngungstagung: Erhebliche Auswirkungen

Die Regeln für das Düngen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verschärfen sich stetig. Antworten suchten Praktiker in Erfurt.

Von Frank Hartmann

„Die Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit, Biodiversität, Tierwohl, Klima- und Umweltschutz seitens der Gesellschaft münden in starkem politischen Druck auf die Landwirtschaft. Und in immer mehr gesetzlichen Auflagen und Verboten.“ Dies stellte der Präsident des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR), Peter Ritschel, der 30. Thüringer Düngungs- und Pflanzenschutztagung voran. Nahezu 300 Interessierte verfolgten die Tagung im Congress Centre der Messe Erfurt und digital.

Druck verteuert die Produktion

Immer neue gesellschaftliche Forderungen verteuerten die Produktion, so Ritschel: „Leider wählt die Gesellschaft aktuell eher einen paternalistischen Weg. Sicher auch deswegen, weil mit Freiwilligkeit und Förderung die Ziele nicht schnell genug und nachhaltig erreicht wurden.“

Düngeverordnung bereitet einigen noch Probleme

Mit der Düngeverordnung stieg Fabian Hildebrandt (TLLLR) mit einem Thema in die Tagung ein, das aus Sicht der Landwirte wenig mit Freiwilligkeit zu tun hat. Die Umsetzung der Bundes- und Landesverordnung bereite einigen Betrieben im Land noch immer erhebliche Probleme, so sein Resümee. Die Evaluierung der Stoffstrombilanzverordnung stehe kurz vor ihrem Ende. Im Ergebnis zeichne sich eine „deutliche Absenkung“ des zulässigen Bilanzwertes auf unter 175 kg N/ha ab. Für kleinere Betriebe könne die Pflicht zur Stoffstrombilanz schon 2022 kommen.

Organische Dünger als günstige Alternative

Düngungsexperte Dr. Wilfried Zorn (Milda) lenkte angesichts massiv steigender Preise und womöglich knapper Verfügbarkeit von Mineralstickstoffdüngern den Blick auf das Potenzial organischer Dünger. Prof. Dr. Jan Petersen (TH Bingen) diskutierte Alternativen zum Glyphosateinsatz im konservierenden Ackerbau. Chemischer Ersatz sei nicht in Sicht. Eine intensivere Bodenbearbeitung erhöhe den Druck auf die Kosten und die Umwelt. Der Zwischenfruchtanbau in Kombinationen mit flacher Bodenbearbeitung könnte eine Antwort auf ein Glyphosatverbot sein. Dies gelte auch für die Samenzerstörung (von Unkräutern) bei der Ernte und Direktsaat oder neue physikalische Verfahren zur Unkrautbekämpfung.

Ist das Ende von Glyphosat schon besiegelt?

Weder Petersen noch Reinhard Götz (TLLLR) halten ein Glyphosatverbot auf EU-Ebene für ausgemachte Sache. Götz ermunterte die Landwirte, nochmals Vorschläge zu unterbreiten, wie man den Glyphosateinsatz wirksam drosseln kann. Ausführlich ordnete der TLLLR-Fachmann die Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung mit ihren komplexen Regeln ein. Er riet, zur Klärung von Einzelfällen die zuständigen Behörden in den Bereichen Naturschutz, Wasserwirtschaft oder Pflanzenschutz im Rahmen der Fachberatung zu kontaktieren.


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Wust an Regelungen digital bändigen

Damit Landwirte den Wust an Regelungen, Dokumentationen, Anträgen oder Düngeberechnungen noch überblicken können, wird derzeit das BESyD modernisiert. Spätestens 2023, so berichteten Dr. Christiane Peter (LfULG Sachsen) und Joseph Donauer (TU München), steht die Vollversion des webbasierten BESyD zur Verfügung. Es biete unter anderem Schnittstellen zu vielen, von Landwirten genutzten anderen Anwendungen. Das neue Agrarportal Portia, das das Thüringer Agrarministerium (TMIL) gerade aufbaut, zählt dazu. Zur Kulap-Antragstellung im nächsten Jahr erlebt es seine Premiere, so Dr. Gero Barmeier (TMIL).

Auf großes Interesse der Praktikertagung stießen die Ergebnisse des Projektes „Mechanische Unkrautbekämpfung“ beim Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut (TLPVG) in Buttelstedt und der Versuche des TLLLR zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz.


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