(c) Sabine Rübensaat

Dem Feldhasen auf der Spur

Auf der Roten Liste erscheint er als „gefährdet“: Der Feldhase hat in Sachsen in den vergangenen Jahrzehnten einen starken Rückgang erlebt. In der Agrarlandschaft trifft man „Meister Lampe“ nur noch selten an.

Von Karsten Bär

Verlässliche Hinweise auf die Feldhasenpopulation in Deutschland liefert das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD), ein bundesweites Projekt des Deutschen Jagdverbandes und seiner Landesverbände. In dessen Rahmen finden regelmäßige Hasenzählungen in Referenzrevieren statt – wobei es im Falle Sachsens heißen muss: Sie finden wieder statt. Denn erst im vergangenen Herbst waren nach einer mehrjährigen Pause wieder freiwillige Revierinhaber unterwegs, um die Langohren nach festen Vorgaben zu zählen und somit eine verlässliche und wissenschaftlich anwendbare Datengrundlage zu schaffen.

hoffnung auf frühjahrszäghhlungen

Andree Friedrich, Niederwildobmann beim Landesjagdverband Sachsen, koordiniert seit vorigem Sommer die Feldhasen-Erfassung im Rahmen des WILD-Monitorings. Die Pause bei der Erhebung habe sicher auch mit den zeitweiligen Querelen im Landesverband zu tun, ebenso wie mit der Coronakrise, sagt er. Freilich macht die Suche nach den Hasen auch etwas Mühe. Allerdings wird der Fahrtaufwand im Rahmen des geförderten Projektes ersetzt. Dass es im Herbst lediglich drei Reviere waren, die an der Hasen-Erfassung teilnahmen, schmälere natürlich die Aussagekraft für den gesamten Freistaat deutlich, bedauert Friedrich. Doch er hoffe, dass sich mit den derzeit stattfindenden Frühjahrszählungen die Zahl der Beteiligten erhöht.

In seiner Heimatregion im Bereich des Erzgebirgskamms werden Anfang bis Mitte April die Frühjahrserfassungen beginnen. Gezählt wird auf einem Gebiet definierter Größe in der Dunkelheit mithilfe eines Scheinwerfers, der vom Projekt gestellt wird. Die Vorgehensweise, die sogenannte Scheinwerfertaxation, gehört zu den Vorgaben, die einheitlich angewandt werden müssen, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Anhand der erfassten Individuen im Referenzgebiet wird die Häufigkeit der Art hochgerechnet.

gute chancen für „meister Lampe“ im Erzgebirge

Und was sagen die aktuell ermittelten Zahlen? Vorerst noch nichts, wie der gelernte Berufsjäger und studierte Jagdwirt einräumen muss. Die Auswertung stehe noch aus. Doch die Beobachtungen zeigten, dass es zumindest im
Erzgebirge – hier fanden alle Taxationen im Herbst statt – gar nicht so schlecht um „Meister Lampe“ steht.

Friedrich erklärt dies mit dem hohen Grünlandanteil und dem geringeren Anteil intensiv genutzter Ackerfläche im Gebirge. Und im Wald ginge es dem Hasen ohnehin besser als in der Agrarlandschaft. Die Art sei unter anderem auf das Vorhandensein vieler Wildkräuter angewiesen, die auf intensiv genutzten Agrarflächen kaum noch zu finden seien. Friedrich will den Landwirten, die von ihrer Arbeit ja auch leben wollen, dafür keinen Vorwurf machen. Blühstreifen, Brachflächen, Hecken und Begleitstreifen entlang von Wegen seien als Nahrungsquelle und als Rückzugsraum in jedem Fall für den Feldhasen förderlich. Und nicht nur für ihn, sondern auch für etliche andere Arten, wie der Experte betont. Es sei klar, dass dies auch finanziell gefördert werden müsse.


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Milde Jahre kommen feldhasen entgegen

Nach seinen Erfahrungen seien die Landwirte bereit, sich für den Artenschutz einzusetzen, wenn die Rahmenbedingungen es erlauben. Eine Rolle für den Bestand spielten indes auch Beutegreifer, wobei invasive Arten das größere Problem darstellten. Mit dem Fuchs könne der Feldhase besser umgehen als mit dem Waschbär, der eine ganz andere Strategie verfolge.

Einfluss hat aber auch die Witterung: Milde Jahre kommen dem Hasen entgegen. Das letzte verfügbare Ergebnis des WILD-Monitorings für den Feldhasen in Sachsen stammt aus dem Jahr 2016 und weist eine Dichte von 3,4 Feldhasen je 100 ha Taxationsfläche aus. Das war zwar der zweithöchste Wert innerhalb von zehn Jahren – lag aber im Vergleich der Bundesländer am untersten Ende. Ob sich daran etwas verändert hat, wird sich erst zeigen, wenn wieder in ausreichendem Umfang Taxationsergebnisse vorliegen.

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