Die Population des Wolfes in Sachsen-Anhalt umfasst derzeit 134 Tiere. (c) Margit Völtz_pixelio.de

Wolf kostet das Land Millionen von Euro

Seit 2008 ist der Wolf zurück in Sachsen-Anhalt. Das Land hat das bislang mehr als 3,5 Millionen Euro gekostet. Und über 1.000 Weidetiere ihr Leben.

Von Detlef Finger

Das Land Sachsen-Anhalt hat seit dem Jahr 2008 insgesamt über 3,5 Millionen Euro für den Wolf aufgewendet. Nach der Bauernzeitung vorliegenden Informationen entfällt der größte Teil dieser Summe auf das Wolfskompetenzzentrum des Landes in Iden. Die Einrichtung besteht seit 2017. Sie ist dem Landesamt für Umweltschutz nachgeordnet. Die Personal- und Sachkosten des Wolfskompetenzzentrums belaufen sich demnach seither auf mehr als 1,7 Millionen Euro. Das ist nahezu die Hälfte des Gesamtaufwandes für den Wolf. Darin eingeschlossen sind auch die Ausgaben für Dienstleistungen an Dritte.

Die Förderung wolfsabweisender Elektrozäune zum Schutz von Nutzviehherden vor Wolfsübergriffen schlug seit Ende 2013 insgesamt mit weiteren fast 1,7 Millionen Euro zu Buche. Das sind etwa 47 Prozent der Gesamtaufwendungen. Verschwindend gering waren demgegenüber die Entschädigungszahlungen an die Tierhalter. Diese erhielten als Ausgleich für durch Wölfe gerissenes Nutzvieh seit dem Jahr 2008 zusammen rund 150.000 Euro. Damit entfallen auf diese „Kostenstelle“ lediglich vier Prozent der Gesamtkosten für den Wolf in Sachsen-Anhalt.

Offiziell mehr als 150 Wölfe im Land

Diese Zahlen legte das Magdeburger Umwelt- und Agrarministerium Anfang Februar dem Umweltausschuss des Landtages schriftlich vor. Aus dem Gremium heraus war das Ministerium gebeten worden, die dem Land bislang durch den Wolf entstandenen Kosten offenzulegen.

Im Jahr 2008 hatte es einen ersten Nachweis für die Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen-Anhalt gegeben. Seither ist die Raubtierpopulation stetig angewachsen. Aktuell leben auf sachsen-anhaltischem Territorium insgesamt 134 Wölfe aller Altersklassen in 19 Rudeln sowie zwei Paaren. Hinzu kommen vier grenzübergreifende Rudel mit weiteren 20 Wölfen. Deren Territorien liegen zum Teil in Niedersachsen und Brandenburg. Das geht aus dem Wolfsmonitoringbericht 2019/2020 des Landesamtes für Umweltschutz hervor. Der Bericht wird vom Wolfskompetenzzentrum Iden erstellt.


Das Präpaprat eines erlegten Wolf-Hund-Mischlings steht im Museum.

Der Wolf hat einen hohen Preis

Die Kosten für das Wolfsmanagement in Thüringen belaufen sich bislang auf fast eine Millionen Euro. Darüber hinaus sind erhebliche Projektgelder eingeplant. mehr


Gut 300 Übergriffe auf Nutzvieh

In den zurückliegenden fünf Jahren (2016-2020) hat es in Sachsen-Anhalt knapp 300 Übergriffe von Wölfen auf Nutzvieh gegeben. Bei diesen konnte der Großräuber als Verursacher nachgewiesen oder aber zumindest nicht ausgeschlossen werden. Bei den Übergriffen wurden rund 1.050 Nutztiere, vor allem Schafe, aber auch Ziegen, Rinder, Pferde und Gatterwild, getötet. Weitere etwa 180 Nutztiere trugen bei den Attacken Verletzungen davon. Diese Zahlen sind der Nutztierrissstatistik des Wolfskompetenzzentrums auf der Internetseite des Landesumweltamtes zu entnehmen.

Die CDU-Landtagsfraktion hat auf die dem Umweltausschuss vom Ministerium vorgelegten Zahlen reagiert. Umgerechnet auf die hiesige Population des Rauntieres betrügen die vom Land bislang aufgewendeten Kosten im Durchschnitt etwa 26.600 Euro je Wolf, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Die hohen Ausgaben für den Wolf seien angesichts steigender Übergriffszahlen auf Nutztiere im Land kaum mehr zu vermitteln – weder den Weidetierhaltern, noch der Bevölkerung im ländlichen Raum.

Das erklärten der Umweltsprecher der CDU-Fraktion, Andreas Schumann, und der Vorsitzende des Agrarausschusses des Landtages, Bernhard Daldrup (CDU). Die CDU-Abgeordneten betonten, dass die Weidetierhalter aufgrund der steigenden Gefahr durch Rissschäden immer höhere finanzielle Mittel zum Schutz ihrer Herden aufwenden. Im Ernstfall warteten sie aktuell aber monatelang auf Ausgleichszahlungen oder blieben sogar auf ihren Kosten sitzen.

Bestandsobergrenze für den Wolf?

„Wir können nicht weiterhin zusehen, wie sich der Interessenskonflikt zwischen Wolfsbesiedlung und Weidetierhaltung weiterentwickelt. Hier ist maß- und verantwortungsvolles Handeln gefragt“, erklärten Schumann und Daldrup. Detlef Gürth, Mitglied der Arbeitsgruppe Umwelt der CDU-Fraktion und federführend mit der Thematik Wolf befasst, ergänzte: „Neben dem effizienten Herdenschutz und der Entschädigung der Betroffenen ist hier vor allem ein praxisorientiertes Wolfsmanagement auf Landesebene gefragt.“

Nach Ansicht des Abgeordneten müsse dem Agrar- und Umweltministerium endlich klarwerden, „dass Geld und urbane Wolfsromantik die Probleme mit dem Wolf nicht lösen werden“. Unter Beteiligung der Wissenschaft und der Fachverbände müsse die Frage beantworten werden, wann ein ‚günstiger Erhaltungszustand´ erreicht sei beziehungsweise wie viele Wölfe im Bundesland langfristig tolerierbar seien. Diese und weitere Fragen gelte es in der kommenden Wahlperiode zu beantworten.