Ein Wolf hat im Südharz Schafe gerissen. (c) Detlef Finger

Wolf attackiert Schafherde im Südharz

In Martinsrieth, einem Ort bei Sangerhausen, hat ein Wolf Ende März Schafe gerissen. Ein DNA-Test bestätigte jetzt den ersten Fall in dieser Region.

Von Detlef Finger

Landwirte und private Halter von Weidetieren im Südharz und in der Goldenen Aue sollten künftig dem Schutz ihrer Herden noch mehr Aufmerksamkeit widmen. Denn eine Attacke auf Schafe, die am 20. März 2020 im Wallhäuser Ortsteil Martinsrieth passierte, verübte zweifelsfrei ein Wolf. Das ergab die Untersuchung von genetischem Material im Referenzlabor Senckenberg im hessischen Gelnhausen. Das Landesamt für Umweltschutz (LAU) Sachsen-Anhalt in Halle/Saale bestätigte das Ergebnis des DNA-Tests gegenüber der Bauernzeitung.

Bei dem Übergriff tötete der Wolf ein Schaf und fraß es bis auf die Knochen auf. Zwei weitere Tiere verletzte er. Eines davon musste der Züchter wegen der schweren Verletzungen nottöten. Außerdem seien zwei Lämmer aus der Herde verschwunden, berichtete der Schafhalter. Er hatte das zuständige Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) in der östlichen Altmark über den Rissvorfall informiert. Dessen Fachleute nahmen vor Ort im Südharz DNA-Proben und begutachteten die Rissbilder.

Eintrag in der Rissstatistik für Wolf aktualisiert

Inzwischen ist auch der Eintrag über diesen Schadensfall in der Nutztierrissstatistik für Sachsen-Anhalt aktualisiert. Diese führt ebenfalls das Wolfskompetenzzentrum Iden. Das über das Internet zugängliche Register listet seit 2017 detailliert alle gemeldeten Rissvorfälle im Land auf. Ebenso die Zahl der dabei getöteten bzw. verletzten Nutztiere, jeweils nach Tierarten. Aufgeführt ist für jeden einzelnen Fall, ob ein Wolf als Verursacher bestätigt ist (DNA-Nachweis) oder zumindest nicht ausgeschlossen werden kann. Vermerkt ist auch, wenn eine andere Ursache vorliegt oder diese nicht ermittelbar ist.


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Für den Landkreis Mansfeld-Südharz gibt es seitdem acht Einträge in dieser Rissstatistik, welche die Gemeinden Südharz, Eisleben, Arnstein, Gerbstedt und Mansfeld betreffen. Getötet wurden bei diesen Übergriffen insgesamt sieben Schafe und drei Ziegen. Außerdem vier Stücken Gatterwild und zwei Minischweine. Der Verursacher war in zwei Fällen nicht ermittelbar, zwei Mal gab es eine „andere Ursache“. Drei Mal waren Hunde beteiligt, wie DNA-Abgleiche bzw. Videos nachgewiesen haben sollen. Noch in Bearbeitung befindlich ist ein Fall mit vier getöteten Schafen in Mansfeld. Dieser datiert von Anfang Januar 2020. Der jetzige Wolfsübergriff ist mithin der erste seit Jahren in der Südharzregion.

Wird Südharz Lebensraum für den Wolf?

Laut dem Wolfsmonitoringbericht 2018/2019 für Sachsen-Anhalt habe im Landkreis Mansfeld-Südharz bislang noch keine „territoriale Ansiedlung“ eines Wolfes nachgewiesen werden können. Wohl gebe es aber vereinzelte Hinweise auf durchziehende Raubtiere. Sichtungen von Wölfen gab es demnach zum Beispiel in Breitenstein, Wippra, Bodenschwende oder Wimmelburg. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass sich der Wolf künftig in weiteren Gebieten in Sachsen-Anhalt ansiedeln wird. Die Region Mansfeld-Südharz könnte eines dieser Areale sein. Schließlich eigneten sich Waldgebiete vom Habitat her auch für Wölfe.

Einen Nutztierriss durch einen Wolf hat es unlängst auch jenseits der Landesgrenze in Thüringen gegeben. In der Landgemeinde Harztor im Landkreis Nordhausen wurden am 10. Mai vier Schafe getötet. Im Ergebnis einer genetischen Untersuchung wurde ein Wolf als Angreifer amtlich bestätigt. Da geht aus der Thüringer Nutztierrissstatistik des Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz des Freistaates hervor.

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