Für das Monitoring wurden Ährenproben von Winterweizen auf Praxisschlägen gezogen. (c) Detlef Finger

Winterweizen-Monitoring: Das Korn ist gesund

Gute Nachrichten aus Sachsen-Anhalt: Im Winterweizen aus der diesjährigen Ernte dürften Mykotoxine kein Problem darstellen. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen Monitorings.

Von Christian Wolff, LLG, Dezernat Pflanzenschutz

Die Belastung des Winterweizens mit dem durch Fusariumpilze gebildeten Mykotoxin Deoxynivalenol (DON) dürfte in Sachsen-Anhalt auch 2020 überwiegend kein Problem darstellen. Das ist kurz gefasst Ergebnis des Vorerntemonitorings von amtlichen Pflanzenschutzdienst und Bauernverband Sachsen-Anhalt. Dafür waren in der vergangenen Woche 72 Ährenproben von Winterweizen auf Praxisschlägen in allen Teilen des Landes gezogen worden. Die Proben wurden anschließend im Labor der Phytopathologischen Diagnostik (Dezernat 41) der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) Sachsen-Anhalt in Bernburg untersucht.

Drei Proben vom Weizen über der Nachweisgrenze

Lediglich drei dieser Proben wiesen DON-Gehalte an bzw. oberhalb der Nachweisgrenze des Labortests (≥ 0,222 mg/kg) auf. Deren Werte lagen zwischen 0,222 bis 0,256 mg/kg. Der aktuelle EU-Grenzwert für den DON-Gehalt in unverarbeitetem Getreide (Lebensmittel) von 1,25 mg/kg wurde in keinem Fall überschritten. Die Belastung der untersuchten Proben vom Winterweizen liegt damit auch 2020 insgesamt auf sehr niedrigem Niveau. In die anonymisierte Untersuchung einbezogen wurden ausschließlich Proben von praxisüblich mit Fungiziden behandelten Schlägen, darunter sowohl Risikoflächen als auch Gesundlagen.

Das Ausgangsinokulum für Fusariuminfektionen auf Mais- und Getreidestoppelresten war auf vielen Schlägen aufgrund engerer Fruchtfolgen grundsätzlich vorhanden. Die Dauerkörper des Pilzes konnten sich aber nur dort gut entwickeln, wo im Mai ausreichend Feuchtigkeit im Bestand vorhanden war. Das traf auf einige Regionen zu, sodass das Infektionsrisiko hier etwas höher war. Der Zeitpunkt der Blüte vom Weizen variierte etwas weniger stark, er lag überwiegend in der ersten Junidekade. Nennenswerte Niederschläge fielen großräumig jedoch erst Mitte der zweiten Junidekade. Auf vielen Schlägen war die empfindliche Blühphase zu diesem Zeitpunkt bereits beendet. Die Trockenheit im April – und meist auch im Mai – führte zu einem geringen Befallsdruck durch pilzliche Krankheitserreger und damit auch zu einem insgesamt sehr verhaltenen Fungizideinsatz.

Fusariuminfizierte Ähren beim Weizen sehr selten

Bei umfangreichen Laborbonituren von Proben von Praxisschlägen, die im Rahmen der Schaderregerüberwachung des Pflanzenschutzdienstes während der Milchreife (BBCH 75) vom Weizen durchgeführt wurden, und bei Beobachtungen auf sonstigen Praxisschlägen wurden in dieser Saison nahezu keine mit Fusarium infizierten Ähren festgestellt.
Nicht ganz auszuschließen ist jedoch, dass die Partien einzelner, nicht untersuchter Schläge erhöhte Werte aufweisen können.

Die Weizenproben werden im Labor der LLG untersucht. (c) Detlef Finger

Bedeutsam für die Belastung zum Zeitpunkt der Druschreife ist u. a. der weitere Witterungsverlauf. Ein aufgrund feucht-kühlen Wetters verspäteter Erntetermin beim Weizen kann den Mykotoxingehalt erhöhen. Aufgrund der Witterung und mit Blick auf die begonnene Weizenernte wird damit in diesem Jahr jedoch nicht mehr gerechnet.
Ist auf Einzelschlägen dennoch höherer Fusariumbefall zu erwarten, sind die technischen Möglichkeiten der Mähdreschereinstellung zu nutzen, um mit Fusariumpilzen befallene Körner (Kümmerkorn) bei der Ernte auszureinigen und so die Partie zu entlasten. Da Kornausbildung und -füllung wegen des Witterungsverlaufs (Frost und/oder Trockenstress) häufig gestört waren, kann der Anteil schlecht ausgebildeter Körner allein deshalb höher sein als sonst. Daher ist in Verdachtsfällen eine Beprobung der Erntepartie samt folgender DON-Analyse sinnvoll.

Anhaltend positiver Trend setzt sich fort

Die 2020er-Ergebnisse bestätigen einen seit Jahren anhaltenden positiven Trend. Nur selten kam es noch zur Überschreitung des EU-Grenzwertes für DON im Getreide. Die Gründe hierfür sind in verbesserter Feldhygiene, Wahl weniger anfälliger Sorten und gezieltem, termingerechtem und risikobasiertem Einsatz wirksamer Fungizide während der Infektionsphase zu suchen. Landwirte sollten auch zukünftig die vorbeugenden Maßnahmen konsequent nutzen.

Für den reibungslosen Ablauf des Monitorings gilt allen daran Beteiligten ein besonderer Dank. Teilnehmende Landwirtschaftsbetriebe werden über die Ergebnisse ihrer Proben durch den Bauernverband bzw. die Sachgebiete Pflanzenschutz der Ämter informiert. Der Pflanzenschutzdienst wird nach Abschluss der Getreideernte Ernteproben aller Wintergetreidearten auf ihren DON-Gehalt untersuchen und gegebenenfalls über abweichende Ergebnisse berichten.

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