Für seine Verdienste um den Landeskontrollverband wurde der langjährige Geschäftsführer des LKV, Dr. Lothar Döring (l.), zum Ehrenmitglied ernannt. Vorsitzender Carsten Behrens (r). und Dörings Amtsnachfolger, Dr. Hans-Jörg Rösler, gratulierten als Erste. (c) Detlef Finger

Top-Leistungen in einer schwierigen Situation

Aktuelle Zahlen zur Milchviehhaltung legte der Landeskontrollverband auf seiner Hauptversammlung in Cobbelsdorf vor. Geradezu beängstigend ist die weitere Abnahme der Zahl der Betriebe und des Kuhbestandes.

Von Detlef Finger

Ungewöhnlich spät, aber am gewohnten Ort, fand die diesjährige Hauptversammlung des Landeskontrollverbandes für Leistungs- und Qualitätsprüfung (LKV) statt. Coronabedingt wurde statt im Februar erst Anfang Oktober in Cobbelsdorf Bilanz für das Vorjahr gezogen.

LKV-Vorsitzender Carsten Behrens skizzierte zunächst die anhaltend schwierige Situation der Milcherzeugung. Viele Betriebe sähen darin keine Zukunft mehr. Neue Impulse für die Landwirtschaft erhofft sich der Verbandschef nach den Wahlen auf Landes- und Bundesebene. Die Branche brauche verlässliche Rahmenbedingungen, Zukunftsinvestitionen und auskömmliche Preise.

Förderung fortsetzen

Der LKV wolle seinen Mitgliedern und der Politik für deren Entscheidungen auch künftig objektive Daten an die Hand geben. Insofern appellierte Behrens für eine Fortsetzung der Förderung der seit 2014 laufenden Erhebung von Daten zur Gesundheit und Robustheit (GERO) bei den Nutztieren.

Agrarstaatssekretär Gert Zender sagte, das Land werde den Betrieben diese zur Flankierung und Unterstützung anbieten – neben der Agrarinvestitions- und der Beratungsförderung. Ein wichtiges Anliegen sei dem Wirtschafts- und Agrarministerium zudem der weitere Ausbau des Zentrums für Tierhaltung und Technik der LLG in Iden zum Kompetenzzentrum.

Nach dem vorjährigen personellen Wechsel in der Geschäftsführung trug erstmals Dr. Hans-Jörg Rösler den Geschäftsbericht vor. Er bezifferte die Zahl der Mitglieder in der 2020er-Milchkontrolle (MLP) auf 288 (- 24 zu 2019), in den Kontroll- und Beratungsringen (KBR) auf 151 (+ 6 zu 2019).

Im Jahr 1998 seien es noch 816 MLP- bzw. 87 KBR-Betriebe gewesen. Die Tendenz gehe in Richtung weiterer Betriebsaufgaben in der Milchproduktion. Zum Ende des Prüfjahrs 2019/2020 standen hierzulande noch 98.768 Kühe in der Leistungsprüfung, das waren 5,3 % weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Betriebe war sogar um acht Prozent rückläufig – doppelt soviel wie im Bundesschnitt.

Plus für 2021 erwartet

Die mittlere Herdengröße pro Betrieb lag zuletzt bei 347 Kühen. Die durchschnittliche Milchleistung in konventioneller Haltung betrug 2020 hierzulande 10.030 kg. In den Ökobetrieben (2.161 Kühe) waren es 7.554 kg Milch pro Tier.

Sachsen-Anhalt liege damit im bundesweiten Ranking auf Platz drei – nur knapp hinter Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Auch 2021 werde hierzulande ein Plus bei der Milchleistung zu Buche stehen, abschließende Zahlen lägen allerdings noch nicht vor, sagte der LKV-Geschäftsführer. Unter Verweis auf die im Land erhobenen GERO-Daten konnte Rösler für die hiesigen Kühe für 2020 eine mittlere Nutzungsdauer von 35,5 Monaten und eine Lebensleistung der gemerzten Tiere von 28.931 kg Milch konstatieren. Zur Eutergesundheit sagte er, 57,5 % der Kühe weisen weniger als 100.000 somatische Zellen pro ml Rohmilch auf, weitere 17,5 % bleiben unter 200.000 Zellen/ml.

Bei den Mitgliederzahlen der Kontroll- und Beratungsringe vermeldete Rösler einen beständigen Zuwachs für den KBR Schaf- und Ziegenhaltung (auf 104), Konstanz beim KBR Rindermast (34; Rück-gang Mastbullenhaltung, Einbindung Mutterkuhhalter) und einen Rückgang beim KBR Schwein (13) durch Aufgabe dieser Tierhaltung.

Hoftorschilder für die besten Betriebe
Als beste LKV-Betriebe mit einem Hoftorschild geehrt wurden für das Jahr 2020 in dieser Reihenfolge: die LLG Iden (403 Kühe), die Güldenpfennig & Wollert GbR, Gohre (131), Hans-Ulrich Salomon, Orpensdorf (108), die Heideagrar Söllichau GmbH (236), die Räcke GbR, Räckendorf (105), die Francke GbR, Bösdorf (96), die MP Meyendorf KG (790), die Güldenpfennig & Herrmann GbR, Dahrenstedt (406), und die Seydaland Rinderzucht GmbH (2.625). Basis hierfür ist ein nach einem Kriterienkatalog ermittelter Index.

LKV: Vorstand neu gewählt

Diskutiert wurde über die neue Rohmilchgüteverordnung. Unterschiedliche Hemmstofftests in Betrieben, Molkereien und LKV-Laboren bergen ein erhöhtes Schadenrisiko für die Landwirte, machte Katrin Seeger, Geschäftsführerin der Erzeugergemeinschaft für Milchproduzenten, Haldensleben, deutlich (mehr dazu demnächst).

Bei turnusmäßig anstehenden Wahlen zum Vorstand wurden Jürgen Riemschneider, Rainer Schulze und Christian Wolff wiedergewählt. Für Björn Stahr, der nicht wieder kandidierte und mit gebührendem Dank verabschiedet wurde, vertritt künftig Jörg Franz die KBR im Vorstand des LKV.

Eine besondere Auszeichnung wurde Dr. Lothar Döring zuteil. Der Geschäftsführer, der den LKV vor 31 Jahren mitbegründete und dessen Geschicke bis zum vorigen Herbst lenkte, wurde für seine großen Verdienste um den Verband zum Ehrenmitglied ernannt. Vorsitzender Behrens stellte in der Laudatio u. a. Dörings sehr diplomatische, erfolgreiche „Außenpolitik“ sowie dessen fachkompetente Mitarbeit in nationalen und internationalen Gremien heraus, die sowohl ihm als auch dem LKV große Anerkennung bescherten.

Die Tagung rundete ein Vortrag von Bernd Lührmann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ab, der einen kurzweiligen, interessanten Ausblick auf die Milcherzeugung in der Zukunft gab.

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