Blick von der Magdeburger Börde über Magdeburg (c) imago images / Christian Schroedter

Modellprojekt für kooperativen Naturschutz

In der Magdeburger Börde setzen Landwirte gemeinsam mit einer Stiftung Agrarumweltmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen um. Diese Form des kooperativen Naturschutzes bietet viele Vorteile – und könnte bundesweit Schule machen.

Von Detlef Finger

Sachsen-Anhalt beschreitet beim Agrarnaturschutz einen neuen Weg: In der Magdeburger Börde startet ein Modellvorhaben, bei dem Agrarumweltmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen umgesetzt werden. Bundesweit sucht es seinesgleichen. Landwirte werden die Maßnahmen unter dem Dach der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, die vom Landesbauernverband und seinen Kreisvereinen getragen wird, gebündelt realisieren. Und das freiwillig, produktionsintegriert, mit ausreichender Flexibilität und wichtig: finanziellem Ausgleich.

Magdeburger Börde als Modellregion

Das Neue an diesem Modell ist, dass nicht jeder Landwirt einzeln Fördermittel beantragt. Dies übernimmt die Stiftung als Träger der naturschutzfachlich relevanten Maßnahmen für die Betriebe. Für Letztere minimiert sich der bürokratische Aufwand. Die beteiligten Bauern werden zudem einbezogen, wenn es darum geht, einen integrierten territorialen Ansatz für Umweltleistungen zu entwickeln. Und das geht so: Zusammen mit der Stiftung suchen die Praktiker erfolgversprechende Maßnahmen aus und bieten Flächen für deren Umsetzung an. Gemeinsam mit der Naturschutzbehörde werden dann die geeignetsten Areale für die jeweiligen Maßnahmen ausgewählt.

In der Börde zu Hause: der Rotmilan (c) imago images

Der kooperative Ansatz dürfte die Bereitschaft der Landwirte erhöhen, längerfristige Agrarumweltverpflichtungen einzugehen, wenn sie ihre eigenen lokalen Bewirtschaftungserfordernisse berücksichtigt sehen. Auch können koordinierte, gemeinschaftliche Vorhaben eine größere ökologische Wirkung entfalten. Dass ausgerechnet die Börde zur Modellregion wird, ist ein interessanter Aspekt. Die dortigen Schwarzerden mit Ackerzahlen bis 100 zählen zu den besten Böden und sind für eine intensive Produktion von Weizen, Raps und Rüben geradezu prädestiniert. Andererseits sind die Gunststandorte eben auch Lebensraum bedrohter und geschützter Arten wie Feldlerche, Feldhamster oder Rotmilan.

Sachsen-Anhalt: Vorreiterrolle beim kooperativen Naturschutz

Detlef Finger, Landesredakteur Sachsen-Anhalt
Detlef Finger, Landesredakteur Sachsen-Anhalt (c) Sabine Rübensaat

Es bedarf aber nicht einmal aufwendiger, komplizierter Maßnahmen, um diese Arten zu fördern. So sollen in der Anfangsphase etwa Lerchenfenster in großen Getreideschlägen Brutplätze für diese typischen Vögel der Agrarlandschaft, aber auch Lebensräume für Hase, Rebhuhn und Fasan schaffen.  Weite Reihenabstände auf im Wintergetreide angelegten, extensiv geführten Streifen erleichtern – bei gleichzeitigem Verzicht auf Insektizide, Herbizide und Rodentizide – Insekten, Feldhamstern und Rotmilanen das Leben in der Feldflur. Und auch der Sommergetreideanbau kann sowohl die Flora und Fauna fördern als auch der Biodiversität auf den Äckern zuträglich sein.

Der Ehrlichkeit halber sei gesagt, dass der hier beschriebene kooperative Naturschutz in der Landwirtschaft keine neue Erfindung ist. Vordenker waren die Niederlande, wo bereits seit Ende der 1990er-Jahre landwirtschaftliche Naturverbände tätig sind. Unsere Nachbarn reichen die Gelder im Agrarumweltbereich schon seit dem Jahr 2016 ausschließlich über das bei ihnen bewährte Kooperationsmodell aus.

Für Deutschland übernimmt nun Sachsen-Anhalt mit dem Projekt in der Magdeburger Börde die Vorreiterrolle. Das aus Landesmitteln geförderte Pilotvorhaben „Kollektiver Naturschutz in der Landwirtschaft“ hat durchaus Charme, bietet es doch die Chance, Landwirte und Naturschützer an einen Tisch zu holen und beide Seiten in einen beispielgebenden Dialogprozess zu führen. Außerdem kann das Projekt dazu beitragen, eine Debatte über neue Formen der Landbewirtschaftung anzustoßen. Im Erfolgsfall wartet in der neuen EU-Förderperiode die Überführung in die Praxis. Damit könnte es auch zu einem Zukunftsprojekt für die neue GAP werden.

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