Beim Grasschnitt warnt eine auf dem Frontmähwerk installierte Schallkanone (gelber Kasten) das Wild. (c) Detlef Finger

Kitzrettung: Raus aus der Wiese

Vor und bei der Grasmahd setzt der Ökohof Salzfurtkapelle technische Hilfsmittel zur Wildvergrämung ein. Zudem unterstützen freiwillige Helfer vom Tierschutzverein Zörbig die Landwirte bei der Kitzrettung.

Von Detlef Finger

Vor der Wiesenmahd setzt der Ökohof Salzfurtkapelle in diesem Jahr versuchsweise ein weiteres technisches Hilfsmittel zur Rettung von Rehkitzen ein. Dabei handelt es sich um ein Kombigerät eines süddeutschen Herstellers, mit dem auch Wild von landwirtschaftlichen Kulturflächen vergrämt werden kann.

Andreas  Hänsch
Andreas Hänsch (c) Detlef Finger

Wie schon im Vorjahr kommt bei der Mahd zudem eine Schallkanone zum Einsatz (Bauernzeitung 23/2020, S. 14). Dieses akustische System ist auf der Schutzhaube des Frontmähwerks installiert, das zur Mähwerkskombination an dem Schlepper des beauftragten Lohnunternehmens gehört.

Kitzrettung: Doppelte Warnsignale

Die Ökohof GmbH, eine Tochtergesellschaft der Agrargenossenschaft Löberitz, bewirtschaftet rund 300 ha Wiesen und Weiden in der Fuhneaue im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Von etwa der Hälfte dieser Fläche wird – je nach Silofüllung – der Aufwuchs siliert. Die übrigen Areale dienen der Heugewinnung bzw. als Weideland für die Fleckviehrinder.

Ende Mai stand der erste Schnitt auf dem natürlichen Dauergrünland in der Flussniederung an. Am Abend vor der Mahd, kurz vor Eintritt der Dunkelheit, stellte Produktionsleiter Andreas Hänsch die Geräte auf den zur Ernte anstehenden Flächen auf. Vier Geräte samt Aufsteckpfahl zum Setpreis von rund 130 Euro hat der Betrieb angeschafft. Zusammen mit dem Stab, an dem es aufgehängt ist, erinnert das Gerät in seiner Form an eine Silvesterrakete.

Ihre Aufgabe erledigen die Geräte mittels kombinierter akustischer und optischer Signale. Bei Dämmerung schalten sie sich automatisch ein und senden variable Licht- und Tonsignale aus, die das Wild von gefährdeten Flächen fernhalten sollen.

Mit dem Kreiselzettwender breitet Schlepperfahrer Dominik Hänsch das  Gras nach der Mahd zum Anwelken auf der Fläche aus.
Mit dem Kreiselzettwender breitet Schlepperfahrer Dominik Hänsch das Gras nach der Mahd zum Anwelken auf der Fläche aus. (c) Detlef Finger

Ein Mikrochip im Gerät sorgt dafür, dass diese Signale in willkürlichen Zeitabständen und mit unterschiedlicher Dauer abgegeben werden. Durch das Zufallsprinzip soll eine Gewöhnung des Wildes an die Signale ausgeschlossen werden. Über vier Programme kann das Gerät auf die unterschiedlichen Anwendungen wie Rehkitz-Rettung bzw. Wildvergrämung eingestellt werden.

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Durch ihre 360-Grad-Bauweise erreichen die Geräte eine in alle Richtungen gleichmäßige Vergrämungswirkung in einem Umkreis von mindestens 100 m. Das entspricht einer Fläche von etwas mehr als 3 ha pro Gerät. Der zeitliche Aufwand für das Aufstellen ist minimal. Aufgrund seines geringen Stromverbrauchs und des leistungsstarken externen Akkus soll das Gerät bis zu 35 Tage mit einer Aufladung funktionieren.

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Einfach zu handhaben

Offensichtlich verrichten die Wildretter ihre Aufgabe auch auf den weitläufigen Wiesen an der Fuhne erfolgreich. Wie Andreas Hänsch gegenüber der Bauernzeitung berichtete, waren alle Flächen, auf denen die Warngeräte standen, frei von Kitzen. Das hätten Kontrollen mittels einer Drohne ergeben.

Andreas Hänsch ist auch von der einfachen Handhabung der Warngeräte angetan. Der Einsatz von Drohnen zur Kitzrettung sei hingegen kostenintensiv und personalaufwendig, sagt der Landwirt. Zudem lauerten auch hier bürokratische Hindernisse, etwa in Form erforderlicher Bedienberechtigungen oder luftfahrtbehördlicher Erlaubnisse.

Hilfreiche Unterstützung bei der Kitzrettung bekam der Ökohof übrigens von Mitgliedern des Tierschutzvereins Zörbig um dessen Vorsitzende, Rebecca Hübsch. Zusammen mit weiteren freiwilligen Helfer/innen suchten sie das Grünland vor der Mahd nach Rehkitzen ab. „Das könnten wir als Betrieb personell gar nicht leisten“, sagt Andreas Hänsch. Als Landwirt und passionierter Jäger sowie ehrenamtlicher Hegeringleiter für das Niederwild in der Kreisjägerschaft Bitterfeld liegt es auch in seinem Interesse, das Wild zu schützen. Insofern ist er für jegliches Engagement dabei dankbar.

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