Prof. Dr. Armin Willingmann hat Spekulationen über Talsperre Kelbra dementiert. (c) IMAGO / Jürgen Heinrich

Hochwasser in Sachsen-Anhalt: Spekulationen um Talsperre Kelbra dementiert

Vielerorts ist Entspannung in den Hochwassergebieten eingetreten. Umweltminister Armin Willingmann (SPD) zieht eine Zwischenbilanz. Hat der Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt den Härtetest bestanden?

Von Detlef Finger

In den Hochwassergebieten hat sich die Lage zuletzt weiter leicht entspannt, vielerorts sinken die Flusspegel. Der Landkreis Mansfeld-Südharz hob vorigen Freitag (12.1.) den am 30. Dezember ausgerufenen Katastrophenfall auf. Umweltminister Armin Willingmann (SPD) zog bereits vorigen Dienstag (9.1.) Zwischenbilanz. Danach habe der Hochwasserschutz im Land den Härtetest bestanden, nahezu alle Deiche waren unterschiedlich stark betroffen. Insbesondere die nach den Fluten 2013 und 2017 neu gebauten und sanierten Anlagen hätten ihre Bewährungsprobe gemeistert.

Das Besondere am diesjährigen Winterhochwasser sei gewesen, dass alle Regionen des Landes gleichzeitig von überdurchschnittlich starken Regenfällen und steigenden Flusspegeln betroffen waren. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen im Dezember mit 114 mm Niederschlag knapp 63 % mehr als im langjährigen Durchschnitt (70 mm). Im Harz gab es Spitzenwerte von 300 mm.

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Hochwasser in Sachsen-Anhalt: Talsperre Kelbra an der Belastungsgrenze

Der Minister hob vor allem die Schutzfunktion der Talsperre Kelbra im Südharz hervor. In diese seien zwischen Weihnachten und Neujahr etwa 50 Mio. m3 Wasser geflossen, 40 Mio. m3 hätten in der für 33 Mio. m3 ausgelegten Anlage zurückgehalten werden können. Das habe die Unterlieger vor den verheerendsten Überschwemmungen seit 1946 bewahrt.

Willingmann trat außerdem Spekulationen entgegen, wonach die Talsperre nicht rechtzeitig zum Winter entleert gewesen sei. In der zweiten Dezemberwoche 2023 habe der Füllstand lediglich 1,8 Mio. m3 oder 5 % betragen, betonte er. Es seien die extremen Niederschläge in den Folgewochen gewesen, die die Talsperre bis an ihre Belastungsgrenze gebracht hätten: „Der Hochwasserschutz hatte im Betriebskonzept der Talsperre stets oberste Priorität und er wird es auch in Zukunft haben“, betonte Willingmann. Es gebe keinen Einstau aus naturschutzfachlichen oder auch touristischen Erwägungen.

Der Minister dankte Einsatzkräften, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie kommunalen Krisenstäben für ihr großes Engagement. Auch Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) lobte die beeindruckende Solidarität vor Ort und die großartige Gemeinschaftsleistung im Land. Ihr zufolge waren neben unzähligen ehrenamtlichen Helfern fast 800 kreiseigene Kräfte, 1.750 Feuerwehrleute sowie gut 120 Kräfte von Hilfsorganisationen, 560 vom THW und 235 von der Bundeswehr im Südharzer Hochwassergebiet im Einsatz.

Willingmann: Analyse zum Hochwasser wird erstellt

Umweltminister Willingmann kündigte an, sein Ressort werde eine Analyse zum Hochwasser er stellen lassen. Die Ergebnisse sollen anschließend in die Hochwasserstrategie des Landes einfließen. Zudem forderte er weiterhin konsequente Investitionen in den Hochwasserschutz. 8 % der Deiche im Land seien noch sanierungsbedürftig. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels und von Extremwetterlagen müsse den Flüssen mehr Raum gegeben und müssten Retentionsflächen und Speicherkapazitäten geschaffen werden. Den Investitionsbedarf laut Landeshochwasserstrategie bezifferte er auf über 600 Mio. €.

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