Robuste Mutterkuhherde auf einer Weide (c) Heike Mildner

Pasteurellose: Rinderseuche in MV und Sachsen

Wie der Vogtlandkreis im Südwesten Sachsens am Dienstag mitteilte, ist die Pasteurellose in mehreren Mutterkuhherden im Kreisgebiet ausgebrochen. Das Geschehen sei dramatisch, heißt es aus dem Veterinäramt der Landkreisverwaltung in Plauen. Die Rinder verendeten nach Auftreten der Symptome in kürzester Zeit.

Es handelt sich hierbei um die sogenannte Pasteurellose des Rindes, auch bezeichnet als Wild- und Rinderseuche oder Hämorrhagische Septikämie des Rindes. Es ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die bei Rindern durch den Erreger Pasteurella multocida eines bestimmten Kapseltyps hervorgerufen wird. Die Erkrankung ist in Deutschland weder anzeige- noch meldepflichtig. Es erkranken überwiegend Rinder unter zwei Jahren daran.

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, nahe Wokuhl-Dabelow, ist die seltene Wild- und Rinderseuche Pasteurellose ebenfalls nachgewiesen worden. Ein Revierförster stieß bei Holzrückearbeiten im Wald auf mehrere tote Damhirsche. In der Pathologie des zuständigen Landesamtes in Rostock wurden die Kadaver untersucht und das Bakterium Pasteurella multocida nachgewiesen. Dieses führte bei den Hirschen zum raschen Tod durch eine hochgradige Brustfell- und Darmentzündung. Aufgrund der unklaren Eintragsquelle kontaktierte das Kreisveterinäramt die Rinderhalter der Gegend und forderte sie auf, ihre Herden aufmerksam zu beobachten.

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Übertragen Wölfe die Pasteurellose?

Spekulationen gibt es über die Eintragsquelle für diese Krankheit, die seit vielen Jahren als ausgerottet galt, nun aber wieder auftritt. Auffällig sei laut einer Studie von Dr. Peter Kutzer, Fachtierarzt für Mikrobiologie im Landeslabor Berlin-Brandenburg in Frankfurt (Oder), dass häufig, wenn sich in bestimmten Regionen ein Wolfsrudel etabliert habe, dort die Wild- und Rinderseuche Pasteurellose ausgebrochen sei. Das Bakterium Pasteurella multocida sei Kutzer zufolge auch bei speziell untersuchten und nach Unfällen verendeten Wölfen nachgewiesen worden.

Wölfe könnten das Bakterium laut der Studie in ihrer Maulflora über sehr lange Entfernungen transportieren. Sie selbst erkranken dabei nicht. Andere Tiere könnten beispielsweise durch versuchte, aber nicht vollendete Risse infiziert werden. Auch eine Infektion über Tränkstellen ist nicht auszuschließen. Beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems hielt man sich auf Anfrage der Bauernzeitung hin noch mit einer Bewertung zurück. Derzeit reiche die Datenlage nicht für ein fundiertes Urteil aus, hieß es seitens des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit.

Seuche in Asien und Afrika endemisch

Charakteristisch für die Seuche seien einzelne Ausbrüche mit regional beschränktem Charakter, heißt es in der Presseinformation aus dem Vogtlandkreis. Im 18. Jahrhundert habe es in Europa noch ausgedehnte Seuchenzüge gegeben. Und weiter: „Die Pasteurellose des Rindes tritt endemisch in Regionen Südostasiens, des Nahen und Mittleren Ostens und in Afrika auf. Ansonsten galt sie weltweit weitestgehend als getilgt. Im Jahr 2013 trat die Seuche in Spanien auf. Inzwischen habe es Berichte über Ausbrüche in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bayern und Sachsen (Landkreis Görlitz) gegeben, fasst das Veterinäramt zusammen. Im November 2021 sei bereits die Jungrinderherde eines vogtländischen Milchviehbetriebs mit erheblichen Verlusten betroffen gewesen. „Dem aktuellen Geschehen gingen Ausbrüche im westlichen Erzgebirgskreis voraus. Die Mitarbeiter der beiden Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter sowie die bestandsbetreuenden Tierärzte der beiden Landkreisen arbeiten hier eng zusammen“, heißt es in der Presseinformation.

Für Menschen ist Krankheit ungefährlich

Empfängliche Tierarten für die Pasteurellose sind den veterinären zufolge alle Haus- und Wildwiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen, Büffel, Zebus, Bisons, Reh-, Rot-, Sika- und Damwild), Haus- und Wildschweine. Wildwiederkäuer und die anderen genannten Tierarten erkranken jedoch seltener und weniger schwer als Rinder. Für den Menschen ist die Erkrankung ungefährlich. Der Erreger kann in feuchtem Boden und Wasser mehrere Tage überleben. Eine Erregerausbreitung und Ansteckung erfolgt aerogen durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder auch indirekt über kontaminiertes Futter und Wasserstellen. Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage. Die Erkrankung verläuft meist perakut oder akut. Die Tiere zeigen plötzliche Niedergeschlagenheit, Bewegungs- und Fressunlust, haben hohes Fieber und starkes Speicheln. Blutiger Durchfall, blutiger Nasenausfluss, Unterhautödeme, Husten und Atemnot können hinzukommen und führen schließlich meist innerhalb von 24 – 48 Stunden zum Tod. Langsamere Verläufe oder Spontanheilungen sind selten.

Kein Nachweis bei Wildtieren im Vogtlandkreis

Die Rinder der vogtländischen Betriebe standen zum Zeitpunkt der Infektion auf der Weide. Ein Erregernachweis bei Wildtieren im Einzugsgebiet der Weiden konnte noch nicht geführt werden, da es bisher keine entsprechenden Totfunde gab. „Therapeutisch kommen Antibiotika oder eine Impfung in Frage. Die Herstellung eines stallspezifischen Impfstoffes läuft. Die Betriebe unternehmen derzeit mit Unterstützung durch den Rindergesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse alle Anstrengungen, um eine Ausbreitung zu verhindern und das Geschehen einzudämmen“, schreiben die Veterinäre aus Sachsen. (red)


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