Gratulation zum Sieg in der Kategorie Milchkühe: SLB-Vizepräsident Tobias Pelz, Annett Bugner vom Agrarministerium, MKH-Geschäftsführer Tobias Kockert, Milchkönigin Sandra II. und MKH-Geschäftsführer Benno Mroß (v. l.). © SLB

Tierwohl plus: Das sind die Gewinner des Landeswettbewerbs

Betriebe, die mit Rindern oder Schafen und Ziegen Milch erzeugen, standen beim Landeswettbewerb „Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung“ im Mittelpunkt. Die beiden Sieger erhielten jetzt ihre Auszeichnung.

Von Karsten Bär

Den kritischen Augen der Bewertungskommission stellten sich insgesamt 13 Betriebe: Experten aus der Agrarverwaltung, Landwirtschaftsverbänden und dem Tierschutz haben im Landeswettbewerb „Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung 2021/2022 in Sachsen“ die Bewerber im Hinblick auf Tierbetreuung und Tiergesundheit unter die Lupe genommen sowie ihre baulichen Voraussetzungen und Haltungskonzepte bewertet. Jetzt gab es die verdiente Ehrung für den jeweils besten Betrieb in den Kategorien „Milchkühe“ und „Milchschafe und -ziegen“. Die beiden Gewinner bieten ihren Tieren Bedingungen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.

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MKH Agrar-Produkte GmbH Wittichenau: Luft, Licht und weiche Matratzen

Längst kein Unbekannter mehr ist die MKH Agrar-Produkte GmbH Wittichenau mit ihrer Milchwelt Krabat in Kotten, die in der Kategorie Milchkühe unter insgesamt zehn Bewerbern die beste Bewertung erhielt. Der Betrieb wirtschaftet auf rund 2.400 ha rund um Wittichenau in der Lausitz auf überwiegend leichten und meist niederschlagsarmen Standorten. Der Landwirtschaftsbetrieb fühlt sich dem Kreislauf Boden-Pflanze-Tier besonders verpflichtet und demonstriert dies mit der „Krabat Milchwelt“ in Kotten anschaulich und für jedermann zugänglich. Mit der Schaukäserei, in der ein Teil der selbsterzeugten Milch verarbeitet wird, setzt die MKH Agrar-Produkte GmbH auf die Direktvermarktung regionaler Produkte und sucht zugleich den engen Kontakt zum Verbraucher.

Den Bau eines neuen und besonders am Tierwohl orientierten Milchviehstalls hat der Betrieb zum Anlass genommen, sich am Landeswettbewerb zu beteiligen. Seit April dieses Jahres steht der moderne Offenstall den rund 240 Milchkühen zur Verfügung. Licht und Luft durchfluten ihn, die Kühe haben darüber hinaus Zugang zur Weide. Tiefliegeboxen mit Kalk-Stroh-Matratzen bieten zusätzlichen Kuhkomfort. Die Fütterung und der Melkvorgang werden von Robotern übernommen. Der Stall ist mit Mitteln der EU und des Freistaates Sachsen gefördert worden.

Ziegenhof Lauterbach: Gewinner in der Kategorie Milchschafe und -ziegen

Mit einfachen baulichen Maßnahmen wie Klettertreppen im Stall und einem durchdachten Laufwegekonzept, durch das Rangkämpfe vermieden werden, sowie durch Weidehaltung sorgt der Gewinner in der Kategorie Milchschafe und -ziegen, der Ziegenhof Lauterbauch in Stolpen, für das Wohlbefinden seiner Tiere. Der Bioland-zertifizierte Betrieb von Doreen und Rolf Seim existiert seit 18 Jahren und hält rund 110 Milchziegen der Rasse Bunte Deutsche Edelziege sowie vier Zuchtböcke und 15 weibliche Lämmer zur Nachzucht. Bewirtschaftet werden rund 56 ha Land.

Der Landeswettbewerb biete auch die Chance, den Blick auf eine Tierart zu lenken, die sonst nicht so sehr im Fokus steht, sagte Rolf Seim. Doch gerade Ziegen hätten mehr Aufmerksamkeit verdient: Sie vertrügen Hitze gut und seien robust bei der Futteraufnahme. Eigenschaften, die angesichts der klimatischen Veränderungen zunehmend gebraucht würden, so der Schäfermeister.

Struktureller Vorteil durch Regionalität

Die auf dem Betrieb erzeugte Ziegenmilch (Leistung im Stalldurchschnitt 2,6 – 3,9 l/Tag) wird komplett in der hofeigenen Molkerei verarbeitet und direktvermarktet. Rund ein Viertel der Menge verkauft der Ziegenhof im eigenen Hofladen. Drei Viertel werden an Gastronomie, Käsefachgeschäfte, Bioläden und Verbrauchergemeinschaften ausgeliefert. Die Bocklämmer werden lebend oder geschlachtet ab Hof verkauft. Umsatzrückgänge, wie sie im Handel derzeit vermehrt beklagt werden, habe der Ziegenhof bisher nicht, so Rolf Seim. Er sieht auch weiterhin Potenzial in regionalen Produkten – gerade im Hinblick auf immer teurer werdende Energie- und damit auch Transportkosten. Dies verschaffe dem Hof einen strukturellen Vorteil.

Mit Stalltafel und Urkunde: Doreen und Rolf Seim vom Ziegenhof Lauterbach. Der Betrieb hält 110 Milchziegen.
Mit Stalltafel und Urkunde: Doreen und Rolf Seim vom Ziegenhof Lauterbach. Der Betrieb hält 110 Milchziegen. © Karsten Bär

„Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung“: Tierhaltung braucht Umsteuern zu mehr Nachhaltigkeit

Gratulationen für die Sieger des Landeswettbewerbs „Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung“ gab es, auch wenn sie nicht persönlich vor Ort waren, auch von Sachsens Agrarminister Wolfram Günther als Schirmherrn des Wettbewerbs und Bauernpräsident Torsten Krawczyk, dessen Sächsischer Landesbauernverband vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) erneut mit der Durchführung des Wettbewerbs beauftragt worden war.

Beide Betriebe zeigten beispielhaft, wie Nutztiere über das vorgeschriebene Maß hinaus tiergerecht und umweltverträglich gehalten und somit wirtschaftliche mit ethischen Ansprüchen verbunden werden können. Dies sei wichtig, weil auch die Tierhaltung ein Umsteuern zu mehr Nachhaltigkeit brauche.

Ähnlich äußerte sich Bauernpräsident Krawczyk, der jedoch zugleich betonte, dass bewusste Entscheidungen für mehr Tierwohl nicht einseitig zulasten der Betriebe gehen dürften, sondern sich auch an der Ladentheke und durch politische Unterstützung regionaler Wertschöpfungsketten widerspiegeln müssten.


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