Heizen mit Holz ist in Verruf geraten. Wie schädlich fürs Klima sind Holzöfen tatsächlich? (Symbolbild) (c) Sabine Rübensaat

Heizen mit Holz: Wie schädlich sind Holzöfen für das Klima wirklich?

Nicht erst seit der Debatte um das Heizungsgesetz ist das Heizen mit Holz in Verruf geraten. Die neue Klima-Holz-Studie aus Weihenstephan kommt zu anderen Ergebnissen. Dabei geht es um eine aktive Nutzung des Waldes. Heißt es jetzt also: Heizen mit Holz für das Klima?

Von Ralf Stephan

Noch vor gar nicht langer Zeit wurde rund um das neue Heizungsgesetz heftig darüber gestritten, wie klimaschädlich das Heizen mit Holz ist. Mitten in der im vorigen Sommer hochschlagenden Diskussion stellte die Hochschule Weihenstephan eine aktuelle Studie vor, die sich mit dem Beitrag der Wälder zum Klimaschutz befasste. Um es vorwegzunehmen: Die „KlimaHolz-Sudie“ kommt zu dem Ergebnis, dass erstens aktive Waldnutzung – verbunden mit dem Umbau zu Mischwäldern – unverzichtbar für den Erhalt der Wälder ist und zweitens die dabei anfallenden Holzmengen ein großes Potenzial bilden, um CO2-neutrales Baumaterial bereitzustellen oder fossile Brennstoffe zu ersetzen.

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Holz: Aktiver Wald-Umbau ist wichtig

Bei ihrem Herangehen versuchte die Forschungsgruppe um Professor Hubert Röder, der den Lehrstuhl für nachhaltige Betriebswirtschaft an der bayerischen Hochschule leitet, die gesamte Breite der aktuellen Diskussionen über die Entwicklung der Wälder abzubilden. Sie reichen bekanntlich von der Stilllegung weiter Waldflächen – so vorgesehen in der EU-Biodiversitätsstrategie – über ein schlichtes „Weiter so!“ bis hin zum aktiven Waldumbau. Dazu wurden für den Zeitraum bis 2030 vier verschiedene Szenarien angenommen:

  • Waldbau unter intensiven Schutzauflagen (Unterschutzstellung von 56  % der deutschen Waldfläche, 38  % der Fläche unter Totalschutz ohne Rundholzgewinnung);
  • Waldbau mit moderaten Schutzmaßnahmen (Unterschutzstellung von 48  % der deutschen Waldfläche, 11  % der Fläche unter Totalschutz);
  • verstärkte Holznutzung mit proaktivem Waldumbau, bei dem Nadelholzflächen zu 32  % mit Laubholz ersetzt, um am Ende des Betrachtungszeitraums Mischwälder (etwa 50  % Nadel- und 50  % Laubholz) zu erreichen und
  • Weiterführen der Bewirtschaftung, wie sie zwischen 1990 und 2020 üblich war.

Klima-Schutz: Wälder müssen verjüngt werden

Das Fazit der Studie dürfte für Forstleute und Waldbesitzer kaum überraschend ausfallen: Der beste Weg zu mehr Klimaschutz besteht darin, die Wälder gleichzeitig zu verjüngen und nadelholzgeprägte Monokulturen zu Mischbeständen umzubauen. Dass damit auch ein Beitrag zu mehr Artenvielfalt in der Fläche geleistet wird, ist ein willkommener „Nebeneffekt“. Allerdings gilt dies nur für die nächsten circa 30 Jahre.
Die Argumente für den „proaktiven Waldumbau“ mit Holzentnahme sind gut bekannt: Dem Wald entnommenes Holz bindet bei entsprechender Nutzung das der Atmosphäre entzogene CO2 dauerhaft. Deshalb wurden in der Studie auch die vielfältigen Verwendungen von Holz in der Wirtschaft betrachtet, ebenso Einfluss bzw. Abhängigkeiten von Im- und Exporten.

Ziel: Klimagerechte Wälder

Die bemerkenswerteste Erkenntnis dieser überaus gründlichen Studie besteht in der Begründung, warum mit dem Umbau nicht lange gewartet werden sollte. Denn zwar führen EU-weit betrachtet alle vier Szenarien früher oder später zum Ziel klimagerechter Wälder, wirken also „klimapositiv“. In Deutschland aber gibt es eine Besonderheit. Sie rührt vom vergleichsweise hohen Nadelwaldanteil hierzulande.

„Der Holzvorrat in den meist sehr stark nadelholzgeprägten Wäldern in Deutschland ist zu hoch“, sagt Studienleiter Röder. Die Folge: Der Holzzuwachs wird stark gebremst. Dadurch wiederum sinkt die Aufnahmefähigkeit der Bäume für Kohlenstoffdioxid (CO2). Im „Weiter-so!-Szenario“ verliert der Wald also allmählich seine Funktion als CO2-Senke und büßt damit an Bedeutung für den Klimaschutz ein.

Nadelholz sollte daher vor allem in Deutschland, aber auch EU-weit zunächst intensiver genutzt werden, damit Nadelwälder proaktiv in Mischwälder umgebaut werden können, leiten die Stu­dienverfasser daraus ab.

Holz: Alte Laubwälder vorrangig verjüngen

Beim Laubholz sieht es etwas anders aus. Über die ganze EU gesehen, empfiehlt die Studie als „klimaoptimale Strategie“, Laubwälder praktisch ab sofort möglichst bis zum Jahr 2100 unter intensiven Schutz einschließlich großflächiger Stilllegung zu stellen.

In Deutschland hingegen würde eine bessere Klimawirkung erzielt, wenn auch Laubwälder zunächst bis etwa 2050 proaktiv verjüngend umgebaut werden. Das betrifft besonders ältere Reinbestände. „Die Laubwälder in Deutschland haben aufgrund des hohen Alters bereits den Höhepunkt ihres Zuwachses überschritten und zeigen ein erhöhtes Schadensrisiko. Damit werden sie schon jetzt zur CO2-Quelle“, begründet Prof. Röder. Erst in den folgenden Jahrzehnten könnten die durch intensivere Stilllegung erreichbaren Effekte überwiegen.

Heizen: Holz ist kein knappes Gut

Seine Empfehlung: „Wir sollten alte Laubwaldbestände dringend in junge Mischwälder umbauen, die wesentlich stabiler im Klimawandel sind und langfristig einen höheren Zuwachs leisten. Anschließend sollten diese Bestände schonend bewirtschaftet werden, um sowohl hohe Vorräte zu erzielen, als auch hohe Zuwächse bis ins hohe Alter zu erhalten.“ Auf diese Weise könnten „mit dem gesamten System Wald, Holzprodukten und Bioenergie klimaoptimale Effekte erreicht werden“.

Das Jahr 2050 wird auch deshalb als Meilenstein angenommen, weil bis dahin der Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft vollständig erreicht sein soll. Bis dahin stellt der proaktive Waldumbau einschließlich der Holznutzung – auch durch Heizen – einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz dar. Nach den Berechnungen aus Weihenstephan könnten im Idealfall bis dahin zwei Gigatonnen CO2-Äquivalente zusätzlich eingespart werden. Damit wäre der Wald nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv.

Heizen: Deutschland hat die größten Holz-Vorräte der EU

Insgesamt zeigt die KlimaHolz-Studie nach Einschätzung des Clusters „Forst und Holz in Bayern“ vielversprechende Möglichkeiten auf, wie der Wald aktiv zum Klimaschutz beitragen kann. Der Deutsche Energieholz- und Pelletverband (DEPV) hebt hervor, dass das Vorurteil, Holz sei ein knappes Gut, mit der Studie deutlich widerlegt wird. „Das Gegenteil ist jetzt schon der Fall, Deutschland hat die größten Holzvorräte in der EU“, heißt es in seiner Stellungnahme.

Waldnutzung in den nächsten Jahrzehnten*

– Proaktiver Waldumbau mit Holznutzung ist der vorerst beste Weg hin zu klimapositiven Wäldern.
– In den nächsten Jahrzehnten müssen die hohen Holzvorräte abgebaut und Bestände in Mischwälder umgebaut werden. Dafür ist die Holzverwendung bei attraktiven Preisen für Waldbesitzer zu steigern. Restholz kann in dieser Phase verstärkt als Energieholz genutzt werden.
– Bis 2050 wird der Anteil energieeffizienter Gebäude so weit zugenommen haben, dass der Energieholzbedarf sinkt. Bis dahin wird Holz als Industrie-Rohstoff – einschließlich der Nutzung in Bioraffinerien – seinen Platz am Markt gefunden haben.

*Ableitung aus den Studienergebnissen

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