Minister Günther, Erntekönigin Elisabeth, SLB-Präsident Krawczyk, DBV-Vizepräsident Vogel und Ernteprinzessin Wibke. (c) Karsten Bär

Erntebilanz fällt durchwachsen aus

Von überdurchschnittlich bis Totalausfall ist alles dabei. Der Sächsische Landesbauernverband (SLB) spricht in seiner Erntebilanz von einem durchwachsenen Ergebnis in diesem Jahr. Insgesamt sei der Ertrag noch durchschnittlich.

Von Karsten Bär

Der SLB hat für den Freistaat einen durchschnittlichen Ernteertrag bilanziert, der jedoch von erheblichen regionalen Schwankungen geprägt ist. Der Verband informierte diese Woche gemeinsam mit dem Agrarministerium in Zwönitz über die Ergebnisse der zu Ende gehenden Getreide- und Rapsernte.  „Von überdurchschnittlich bis Totalausfall war 2020 alles dabei und das zum Teil innerhalb einer Region oder gar benachbarter landwirtschaftlicher Unternehmen, “ sagte SLB-Präsident Torsten Krawczyk. Gebietsweise sei es zu starken Ernteverlusten aufgrund der Trockenheit im Frühjahr und durch Frostschäden im Mai gekommen. Die fehlenden Bodenwasservorräte blieben für die Landwirtschaft nach einem heißen August mit längeren Trockenphasen brisant. Konkrete Ertragszahlen nannte Krawczyk nicht.

Schmachtkorn, Zwiewuchs, taube Ähren

Für die einzelnen Kulturen fasste der SLB die Ernteergebnisse zusammen. Je nach Niederschlagsmenge und -verteilung sowie Bodenart und Wasserhaltefähigkeit stelle sich die Ertragslage bei der Wintergerste sehr heterogen dar. Neben Schäden durch Frost und Trockenheit (Taubährigkeit) kamen Probleme wie Zwiewuchs und teilweise hoher Unkrautbesatz hinzu. In Nordsachsen ernteten die Landwirte ihre  Wintergerste daher zum Großteil als Ganzpflanzensilage, um die Futterversorgung zu sichern.  Die Sommergerste wies Teil Schmachtkorn auf. Die Futtergetreideart Triticale zeigte ebenfalls sehr differenzierte Erträge und Qualitätsmerkmale, selbst innerhalb der Regionen. Der Raps wies trotz kleiner Körner relativ gute Ölgehalte auf. Jedoch haben auch bei dieser Fruchtart Hagel, Trockenheit und Frost nachhaltig Schaden angerichtet. Gebietsweise sei der Körnermais sehr schlecht entwickelt und eine Kolbenbildung kaum oder nicht vorhanden. Nach wie vor stelle die Futterversorgung ein Problem dar.

Nach der Ernte wird Mäusebefall sichtbar

Krawczyk verwies darauf, dass sich die Entwicklung der Feldmäusepopulation als neues Problem nach der Ernte offenbart habe. Eine sachgerechte chemische Bekämpfung der Feldmäuse werde unumgänglich sein, betonte er.

Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) verwies im Rahmen der Erntebilanz auf zunehmend spürbare Auswirkungen des Klimawandels. „Klimaschutz und Klimaanpassung sind das Gebot der Stunde“, sagte er. Die Betriebe könnten auf verschiedene Weise reagieren. Dazu gehöre es, resistentere Sorten anzubauen und mehr Sorten zu verwenden, um das Risiko zu streuen. Auch müssten Wege gefunden werden, niederschlagsreiche und -arme Phasen besser auszugleichen. Hier komme dem Schwammverhalten der Landschaft große Bedeutung zu.


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Auch die Schaffung einer staatlich geförderten Mehrgefahrenversicherung sei  ein wichtiger Beitrag, mit den Folgen des Klimawandels besser umgehen zu können. Denn eine solche sei durch den Berufsstand „allein nicht zu stemmen“, so Günther. Deshalb setze sich Sachsen beim Bund für die geförderte Mehrgefahrenversicherng ein. Als ersten Schritt in die richtige Richtung bezeichnete er die Senkung der Versicherungssteuer für die Absicherung der Ernte vor Witterungsrisiken.

Spätfröste wikren sich auf Erntebilanz Aus

Das Statistische Landesamt in Kamenz geht in seiner ersten Erntevorschätzung von grundsätzlich höheren Hektarerträgen in Sachsen als im Vorjahr aus. Trotz erneuter Trockenheit liege das Durchschnittsergebnis für Getreide (ohne Körnermais) bei 68,7 dt/ha. Das sind 1,9 dt/ha mehr, als im vergangenen Jahr. Im Vergleich  zum  sechsjährigen  Durchschnitt  seien  es  jedoch 2 dt/ha weniger. Die erwartete Erntemenge liegt mit knapp 2,5 mio. t rund 0,7 % unter der des Vorjahres. Grund hierfür ist die um 13.000 ha reduzierte Getreideanbaufläche. Vor allem Winterweizen wuchs in Sachsen auf einer reduzierten Anbaufläche.

Mehr Raps und weniger Gerste geerntet

Mit 74 dt/ha war Winterweizen die ertragsstärkste Getreideart. Die Wintergerste brachte 70,3 dt/ha. Das waren 3,4 dt/ha weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist eine Folge der diesjährigen Spätfröste, die in die Blühphase der Wintergerste fielen. Zugelegt hat hingegen der Winterraps. Mit 35,2 dt/ha wurden 1,7 dt mehr als im Vorjahr geerntet. Zugleich war die Anbaufläche um 4,8 % ausgeweitet worden.

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