Die große Dürre der vergangenen zwei Jahre wirkt nach: Die Böden sind nach wie vor von Trockenheit geprägt. (c) Sabine Rübensaat

Die Dürre wirkt noch lange nach

Böden, Grundwasser und Flüsse sind in Sachsen noch immer durch großen Wassermangel geprägt. Experten von Landesamt und Deutschem Wetterdienst erwarten bedingt durch den Klimawandel eine Zunahme von Witterungsbedingungen, die zu Dürre führen können.

Von Karsten Bär

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) und Experten des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) halten häufige Wetterbedingungen mit Dürrefolgen für wahrscheinlich. Das geht aus ihrer Auswertung des Wetters 2019 hervor. Selbst wenn der Winter ergiebige Regenmengen bringen sollte: Ein Schlussstrich unter die zwei zurückliegenden Dürrejahre lässt sich noch lange nicht ziehen.

2018 und 2019 waren in Sachsen extrem zu warm und zu trocken. Die Böden sind bis in tiefere Schichten ausgetrocknet. Es herrschen weiterhin Grundwasserdürre und Niedrigwasser in den Flüssen. Besorgniserregend: Die Folgen der Dürre verstärken ihrerseits die Ausbildung von Trockenheit.

Klimawandel auf der Überholspur

Mit „Risiko wird Wirklichkeit“ betitelten DWD und LfULG ihre diesjährige gemeinsame Auswertung des Wetters 2019 aus klimatologischer Sicht. Die Experten machten deutlich, dass der Klimawandel in der Realität angekommen ist. Die beobachtete Temperaturentwicklung in der – noch nicht beendeten – Dekade 2011 bis 2020 schreite schneller voran als die Klimamodelle es berechnet haben, erklärte Dr. Johannes Franke, Klima-Fachmann beim LfULG.

Die Jahre 2018 und 2019 waren mit einer Abweichung der Jahresmitteltemperatur von 2,2 und 2,3 Grad Celsius zum 30-jährigen Mittel der Referenzperiode von 1961 bis 1990 das zweitwärmste und wärmste Jahr Sachsens seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Der Klimawandel ist auf der Überholspur. Jahresmitteltemperaturen wie 2019 wären den Modellen zufolge erst um 2050 zu erwarten gewesen.

Trockene und nasse Jahre zeigt die Statistik zwar seit 1881. Doch neu sind die Ausprägungen meteorologischer Bedingungen, die die Dürreperioden zuletzt begleiteten. Im hierfür relevanten Zeitabschnitt zwischen November 2017 und Dezember 2019 fielen 355 mm Niederschlag weniger als normal – ein halber Jahresniederschlag fehlte. Zugleich war fast jeder Monat zwischen 0,8 und 5,7 Grad Celsius (Juni 2019) zu warm. Ausnahmen stellten lediglich Februar und März 2018 und Mai 2019 dar.

Der „Durst der Atmosphäre“

Von Trockenheit gezeichneter Maisbestand im Dürrejahr 2019. (c) Sabine Rübensaat

Im Zusammenspiel mit dem fehlenden Niederschlag führten die höheren Temperaturen zu einer deutlich erhöhten potenziellen Verdunstung. Dieser „Durst der Atmosphäre“, wie es Franke bildhaft beschreibt, entwickelt eine Sogwirkung auf der Landoberfläche, die mit tatsächlicher Verdunstung reagiert. Bis in tiefere Bodenschichten hinein wurde Wasser abgezogen. Die Folge: Der Wassermangel unterdrückt  die tatsächliche Verdunstung, wodurch sich die bodennahe Luft zusätzlich erwärmt. Höhere Temperaturen erhöhen wiederum die potenzielle Verdunstung: Die Dürre verstärkt sich selbst.

Und das wirkt bis heute nach. Laut Bodenfeuchte-Index herrschte noch Ende Januar dieses Jahres auf der gesamten Fläche Sachsens bis 180 cm Tiefe Dürre.  Schon nach dem ersten der beiden Dürrejahre konnten die überdurchschnittlichen Niederschläge im Winter 2018/19 das Defizit der Bodenwasserspeicher nicht ausgleichen.

Vielerorts Grundwasserdürre

Aktuell unterschreiten rund 90 % der Grundwassermessstellen den monatstypischen Grundwasserstand um durchschnittlich 60 cm. Der mittlere Grundwasserstand an den Messstellen liegt deutlich unter den langjährigen Werten – und auch unter denen vor einem Jahr, wie Werner Sommer, Leiter der LfULG-Abteilung „Klima, Luft, Lärm, Strahlen“, aufzeigte. Der Grundwassermangel bewirkt auch den verringerten Abfluss in sächsischen Flüssen .

2019 war das fünfte abflussarme Jahr in Folge und von anhaltenden Niedrigwasserständen geprägt. Schon in den ersten Wochen des Jahres 2020 stieg die Zahl von Pegeln, die unter dem Niedrigwasserschwellwert liegen, wieder an – in einer Jahreszeit, in der sonst das Gegenteil eintritt. 27 % der Pegel waren zum Ende des Monats Januar im Niedrigwasserbereich, weitere 30 % steuerten darauf zu. In den Dürrejahren 2018 und 2019 setzte diese Situation erst während der Sommermonate ein.

Dürreperioden werden wahrscheinlicher

Die Trockenheit wird noch länger nachwirken. Und es wird wahrscheinlicher, dass in Sachsen Dürren häufiger auftreten. Immer öfter  treten trockenheitsbegünstigende Niederschlags- und Temperaturanomalien gleichzeitig und langanhaltend auf, so Klimaexperte Franke. Längerfristigem Mangel stünden nur kurzfristige Überschüsse gegenüber. Begegnen könne man dieser Situation nur durch nachhaltige Anpassung der Flächenbewirtschaftung. Deren Ziel müsse es sein, Wasser in der Landschaft zu speichern.

Weitere detaillierte Informationen zum Wetterjahr 2019 in Sachsen gibt der Jahresrückblick „Wetter trifft Klima“.


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