Modernisierter alter Stall für neue Bewohner. Davor Inhaber Matthias Wegert (l.), Rema-Geschäftsführerin Kristin Rettig und Kay-Uwe Löffler, Verkaufsberater Landtechnik. Nutzungsdaten und Wartungsfristen des neuen Laders sind nach Freigabe durch den Käufer per Telemetrie online abrufbar. (c) Sabine Rübensaat

Büffelfarm Mittenwalde: Faszination Tier und Technik

Der Berliner Unternehmer Matthias Wegert hat die Landwirtschaft für sich entdeckt. Dabei achtet er darauf, möglichst zuverlässige und zeitsparende Maschinen einzusetzen. Gleichzeitig ist er immer offen für Neuerungen. Zu Besuch auf der Büffelfarm Mittenwalde.

Von Jörg Möbius

Mit schnellen Schritten läuft der drahtige 70-jährige Matthias Wegert über seinen Hof am Stadtrand von Mittenwalde. Im Sommer 2019 erwarb er die ehemalige Milchviehanlage der Märkischen Agrargenossenschaft Mittenwalde (MAG) in der Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg.

1996 hatte Matthias Wegert das traditionsreiche Restaurant „Luise“ samt großem Biergarten in Berlin-Dahlem übernommen. Es ist heute Abnehmer von verarbeiteten Produkten aus dem Mittenwalder Landwirtschaftsbetrieb.

Mozzarella aus der Prignitz

„Mit der Landwirtschaft bin ich im Jahr 2000 in Putlitz in der Prignitz gestartet. Es war ein Betrieb mit Ackerbau und Milchvieh, die Prignitzer Ackerbau- und Landmilch-Gesellschaft (PAL) habe ich mit Detlef Kibelka, einem befreundeten Geschäftspartner, übernommen. Wir sind dann später auf Wasserbüffel umgestiegen, das war aber reiner Zufall. Ich suchte für das Restaurant einen neuen Lieferanten für Mozzarella. In Kremmen fand ich die kleine Molkerei der aus Italien stammenden Familie Paolella.“

Warum nicht Milch von den Kühen des Landwirtschaftsbetriebes in der Prignitz dort zu Mozzarella verarbeiten? Besseren Mozzarella könne er bekommen, wenn er Büffelmilch liefere, schlug der erfahrene Käsemeister vor. „Das hat mir keine Ruhe gelassen und viel Nerven gekostet“, berichtet Wegert weiter.

„Ich bin nach Italien gefahren und habe nach langem Suchen einen Landwirt gefunden, der ihm 100 trächtige Büffelfärsen verkaufte. Aber dann kam die nächste Schwierigkeit: strenge Quarantäne, bis alle Tiere nachweislich frei von Boviner Virus diarrhoe, kurz BVD waren.“ Das dauerte neun Monate.

Mozzarella fürs „Adlon“ und das „Ritz-Carlton“

Ende 2013 gab es dann eine Lieferkette: Büffelmilch aus dem Landwirtschaftsbetrieb Wegert für die Mozzarella-Herstellung in Kremmen und einen Teil des Mozzarellas von dort für das Wegertsche Restaurant in Berlin.

Inzwischen ist Wegert mit in die Mozzarella Paolella GmbH eingestiegen. Zu den Abnehmern von Mozzarella und Burrata sowie Ricotta aus Büffelmilch zählen Nobelhotels wie das „Adlon“ und das „Ritz-Carlton“, Restaurants wie das „Borchardt“ und das „Grill Royal“ in Berlin sowie die Gourmettheke des KaDeWe und Butter-Lindner in Berlin und Hamburg. Auf dem Hof vom Restaurant und im Biergarten in Berlin werden natürlich auch die Milch- und Fleischprodukte der Büffel verkauft.

Direktvermarktung näher an Berlin

Als sich 2019 die Möglichkeit ergab, die Landwirtschaft in Mittenwalde nah an Berlin zu betreiben, setzte Wegert das um. Die Büffelherde musste umziehen. Das sind inzwischen rund 500 Tiere. „Mein Plan war mal, in Berlin eine Schaukäserei zu errichten. Jetzt bietet es sich an, hier in Mittenwalde alles für die Selbstvermarktung zu konzentrieren und so einen Anziehungspunkt für die Anwohner in der Umgegend und die Berliner zu schaffen.“

Das Betriebsgelände bleibt natürlich – außer an einem Tag der offenen Tür – tabu. Aber ein paar Tiere auf einer Koppel nebenan sind vorgesehen. Ein Anfang ist schon gemacht, freitags und am Wochenende öffnet ein Verkaufswagen vor der Büffelfarm Mittenwalde. Auch das Fleisch wird in der Nähe in zwei kleinen Fleichereien in Trebbin und Klein-Eichholz verarbeitet und dann selbst vermarktet oder über die Lieferschiene der Büffelmilchprodukte vertrieben.

Geschlossene Gaststätten und Hotels durch Corona haben den Absatz stark verringert. „Wir mussten Milch wegkippen. Das hat auch finanziell einen großen Verlust verursacht“, blickt Matthias Wegert zurück.

Vom Betrieb in Mittenwalde, auf dem acht Vollbeschäftigte und drei Leiharbeitnehmer beschäftigt sind, werden 125 ha Grünland und 75 ha Ackerland bewirtschaftet.

Büffelfarm Mittenwalde: Standausrüstung stabiler machen

Die ehemaligen Milchviehställe passen im Prinzip für die Wasserbüffel. „Wir müssen aber viel an der Standausrüstung verstärken“, so Wegerts Sohn Paul, der für die Projektentwicklung zuständig ist. „Die Tiere bekommen mit ihren Hörnern viel klein, was Milchkühe nicht schaffen.“ Straßen-Leitplanken sind gut geeignet, stabile Abgrenzungen für Buchten und Laufgänge zu bauen. Alle erreichbaren Rohre und Leitungen müssen geschützt werden“, so der Junior. In der Pandemiezeit haben Angestellte von Restaurant in Berlin mit beim Stallumbau in Mittenwalde geholfen.

Momentan sind ein versierter Schlosser und weitere Handwerker dabei, den nach der Wende neu gebauten Milchviehstall umzubauen. „Wir haben kleinere Tiergruppen“, so Paul Wegert. Auch neue LED-Beleuchtung, neue Tränken und Bürsten kommen in die Ställe.

Insgesamt haben die Büffel mehr Platz im Stall als Milchkühe. Gerade wird geprüft, ob Melkroboter angeschafft werden. „Es gibt von DeLaval die weiterentwickelte Generation V310, die ich mir bei einem Halter von Wasserbüffeln in Holland angesehen habe“, so Matthias Wegert. Trotz der nicht so hohen Milchleistung dauert das Melken recht lange, so könnten Arbeitskräftestunden reduziert werden.

deutlich höhere Wertschöpfung als aus Kuhmilch möglich

Momentan werden die rund 150 laktierenden Tiere in einem Side-by-Side-Melkstand mit 26 Plätzen gemolken. Die jährliche Milchleistung der Mittenwalder Büffelkühe beträgt im Durchschnitt 2.160 kg in der ersten und 2.700 kg ab der zweiten Laktation bei 8,2 % Fett. Aber aus dieser Milch ist eine deutlich höhere Wertschöpfung als aus Kuhmilch möglich. Da die Tiere robust und kaum krank sind, lassen sie sich länger als Milchkühe nutzen, in Mittenwalde sind es fast 60 Monate.

Auch wenn es heißt, die Büffel sind robust und pflegeleicht, wer Milchkühe kann, der könne auch Büffel, gibt es schon Besonderheiten. Betriebsleiterin und Herdenmanagerin Joke Czapla verweist zum Beispiel auf die kaum erkennbare Brunst. „Mit künstlicher Besamung sind nur zehn Prozent Trächtigkeiten drin. Wir gruppieren Tiere, die in die Brunst kommen werden, in eine extra Gruppe. So 25 Kühe sind in Ordnung für einen Bullen.“ Auch bei der mobilen Technik setzen die Wegerts auf Zuverlässigkeit.

Zuverlässige Technik nach Maß

Ein reparaturbedürftiger Futtermischwagen der Büffelfarm Mittenwalde soll demnächst durch einen neuen Strautmann ersetzt werden. Ein neuer Teleskopradlader von Weidemann ist schon da. „Für uns waren eine bekannte Marke und ein Händler in der Nähe wichtig“, so Matthias Wegert. „Einen kurzen Weg haben wir zur Rema hier im Ort. Und die technischen Daten dieser roten Maschine passten, wir konnten, unterstützt von Verkaufsberater Kay-Uwe Löffler, aus einem recht breiten Angebot auswählen.“

Mit der gewählten niedrigen Kabine (LP, low profile) ist er 2,24 m hoch. Die Bereifung 12.5/80-18 ist die größte Bereifung (Breite und Durchmesser), um bei der Fahrzeugaußenbreite unter 1,6 m zu bleiben. Für Fahrten auf die Weide ist die Entscheidung für Ackerschlepperprofil gefallen, obwohl mehr auf dem Hof mit befestigtem Untergrund gearbeitet wird.

Mit dem Teleskoparm (Kürzel T in der Maschinenbezeichnung 3080 LPT) kann bis in reichlich 5 m Höhe gearbeitet werden, eine Anforderung für das Stapeln und Entnehmen von Ballen in der Lagerhalle. Der Aufnahmerahmen für die Werkzeuge hat eine hydraulische Werkzeugverriegelung, um Geräte wechseln zu können, ohne abzusteigen. Außerdem ist der Lader nicht mit der Weidemann-Aufnahme bestellt worden, sondern mit Euro-Aufnahme, um vorhandene Arbeitsgeräte der Traktor-Frontlader nutzen zu können.

Ausgezeichneter Händler

Seit 1995 hat der 1990 gegründete familiengeführte Landtechnikhändler Rema mit Stammsitz in Schwanebeck eine Niederlassung in Mittenwalde. Dort wurde im Jahr 2000 ein moderner Neubau errichtet. Seit 2008 ist Rema Claas-Händler. Neben Verkauf und Service für Landtechnik wird auch Kommunal- und Gartentechnik verkauft und betreut sowie Service für Nutzfahrzeuge angeboten. Geschäftsführer sind seit vier Jahren Kristin und Sebastian Rettig, die Kinder von Gründer Karl-Heinz Rettig.

Rema war Regionensieger Ost und Bundessieger beim Agrartechnik Service Award 2016. Stolz bemerkt Kristin Rettig, dass neben Rema vier weitere private Claas-Händler in der letzten Saison bei der Kundenzufriedenheit als fünf beste Händler der Marke ausgezeichnet wurden.

Silageportionen für den Winter.
Silageportionen für den Winter. (c) Sabine Rübensaat

Seit 2013, als Weidemann den Vertrieb von Werksvertretungen auf Händler umgestellt hat, stehen die roten Lader auf den beiden Betriebsstätten von Rema. „Wir wurden damals gefragt, ob wir das machen wollen, und haben sofort Ja gesagt“, so die Geschäftsführerin. „Wir finden in dem breiten Angebot immer eine passende Maschine für den Kunden, der Service läuft und die Zeiten für Teilelieferungen sind gut geworden.“ Das passt zum Ziel des Unternehmers der Büffelfarm Mittenwalde, zuverlässige und zeitsparende Technik einzusetzen.


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