Versteckte Kamera dokumentiert Ferkeltötung

Heimlich gedrehte Filmaufnahmen aus der Sauenzucht Kölsa im Landkreis Elbe-Elster liefen am Montag bei spiegel.tv. Sie zeigen offenkundig rechtswidrige Ferkeltötungen. Ein „schwarzes Schaf“ ist der Betrieb  aber eigentlich nicht.

Von Heike Mildner

Unter dem Titel „Lebensmittel zum Spottpreis: Schweine für den Discounter“ kursieren seit Montag neue Bilder von rechtswidrigen Ferkeltötungen im Netz.  Die Aufnahmen aus dem Stall sind kombiniert mit Bildnern von der jüngsten Grünen Woche und Statements von Geschäftsführer, Landesbauernverbandsvertretern und Tierrechtsschützern. Letztere zeigten sich entsetzt, der Geschäftsführer wirkt vor der Kamera betreten.

Aufgefallen durch gute Leistungen

Gesetzesverstöße und gesetzeskonformes Arbeiten werden in dem Film mehrfach vermischt. Vor elf Jahren berichtete die Bauernzeitung ausführlich in einer Titelgeschichte über den Betrieb. Wir informierten über einen Bestandsaustausch, ein neues Flatdeck im alten Rinderstall und Ferkelverluste von unter sieben Prozent. Dass eine Sau – wie im Film thematisiert – in sechs Jahren 217 Ferkel zur Welt bringt und immer noch im Stall steht, wird in Fachkreisen positiv bewertet. Im Film ist dagegen von „Gebärmaschine“ die Rede. Fachverständnis und Außensicht liegen offenbar weit auseinander.

Mitarbeiter in Kölsa verstießen gegen Vorschriften

Und die Stirnlampe sorgt für den Nervenkitzel: Die Tierrechtler von Animal Rights Watch hatten bei einem nächtlichen Stalleinbruch Kameras im Abferkelbereich angebracht. Sie belegen, wie Mitarbeiter tags darauf beim Stalldurchgang tierschutzwidrig Ferkel töten: Sie schlagen sie mit dem Genick auf die Buchte und werfen sie in den Gang. Richtig wäre es gewesen, die Ferkel mit einem stumpfen Schlag auf die Stirn zu betäuben und anschließend nach einem Kehlschnitt zu entbluten.

Von spiegel.tv mit den Bildern konfrontiert, musste Geschäftsführer Thomas Böhm den Verstoß seiner Mitarbeiter gegen das Tierschutzgesetz einräumen. Allerdings: Die juristisch korrekte Methode würde die Mitarbeiter doppelt belasten, so Böhm. Über die Anschaffung einer Narkosebox (CO2) habe er nachgedacht, aber auch diese sei umstritten. In der Bauernzeitung Ausgabe 44/2019 informierten wir über die erlaubten Methoden der Nottötung von Ferkeln: Die Betäubungswirkung trete verzögert ein und sei für die Tiere belastend, heißt es da in Bezug auf das entsprechende DLG-Merkblatt. Ein Dilemma.

In die Enge getrieben wird der Geschäftsführer mit der Frage nach der Größe der Kastenstände. Sein Hinweis, dass er seit vier Jahren vergeblich auf eine Reaktion der Politik nach dem Kastenstandsurteil wartet, lenkt die Aufmerksamkeit des Fernsehteams auf ein weiteres Dilemma. Auf der Grünen Woche holt das Filmteam dazu eine Stellungnahme der Bundeslandwirtschaftsministerin ein, die kurz angebunden auf die bevorstehende Verabschiedung der neuen Verordnung zur Schweinehaltung im Bundesrat verweist.

Sauenzucht Kölsa: Unklar, wie es weitergeht

Wie es in dem Betrieb in Kölsa weitergeht, ist unklar. Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher bat die zuständige Veterinärbehörde in Elbe-Elster um eine Einschätzung zu dem Bericht. Die Kreisveterinärbehörde habe angekündigt, die Sachlage in dem Betrieb zu prüfen und gegebenenfalls erforderliche Schritte einzuleiten, hieß es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. „Mir ist wichtig festzuhalten, dass es sich bei der im Bericht gezeigten Tötung von Ferkeln um eine rechtswidrige Praxis handelt, die nicht hinzunehmen ist“, so Nonnemacher.

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