Über Mais und Zäune

In einem Interview haben wir mit Gernot Schmidt, Landrat in Märkisch-Oderland, über Strategien zur ASP-Bekämpfung gesprochen. Dabei kam raus: „Der Mais muss runter!“

Das Interview führte Heike Mildner am 14. Oktober

Bauernzeitung: Herr Schmidt, Sie kommen aus der Landwirtschaft, sind seit der Wende in der Politik, haben auf Kreis- und Landesebene gearbeitet, sind seit 2005 Landrat: Haben sie eine Situation wie die jetzige schon erlebt?
Gernot Schmidt: Nein. Wir haben bisher nur punktuelle Dinge erlebt: Vogelgrippe, Ausbrüche in Nutztierbeständen und ähnliches.

War sie absehbar?
Sie war absehbar. Und wir haben uns darauf vorbereitet: Zaun erworben, Übungen gemacht, eine Stabslage erarbeitet … Die Einzäunung der Kernzone war in zwei Tagen abgeschlossen, die Absuche der Kernzone mit 300 Leuten, alles ehrenamtlich, gemeistert – das lief gut und schnell. Die Konflikte, die jetzt kommen, betreffen nicht die Seuchenbekämpfung an sich, sondern die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. In unserem Landkreis sind Bauernverband und beide regionale Jagdvereine im Stab einbezogen.

Gernot Schmidt ist Landrat im Landkreis MärkischOderland. Sein erster Beruf: Agrotechniker.
Gernot Schmidt ist Landrat im Landkreis Märkisch Oderland. Sein erster Beruf: Agrotechniker.

Sie gehen anders an die Seuchenbekämpfung heran als andere Landkreise …
Die Seuchenlage lässt sich nur regional steuern. Es gibt unterschiedliche geografische und anbautechnische Situationen. Das Oderbuch ist der größte Flusspolder Deutschlands, wir haben hier 50er-, 60er-Flussaueböden und eine Konzentration des Maisanbaus. Das führt dazu, dass die Wildschweine aus den angrenzenden polnischen Gebieten und aus den großen Waldgebieten westlich von Berlin angezogen werden. Wir müssen an die Maisschläge ran! Im Stab haben wir heute beschlossen: Die Oderinsel wird abgeriegelt, es werden Fütterungsstellen angelegt, und wir zerstören die Futtergrundlage für die Wildschweine im Oderbruch.

Das heißt häckseln – auch in der Kernzone?
Auch in der Kernzone. Der Mais muss runter! Erst auf 50 Zentimeter, dann Fallwildsuche, dann Umbrechen. Das A und O für die Schweinepestbekämpfung im Oderbruch sind die Zerstörung der Nahrungsgrundlage und das Lenken der Schweinepopulation. Die Strategie: kein Jagddruck, Wildschweine zur Ruhe kommen lassen, sie infizieren sich und sterben vor sich hin – so gehen wir die Seuche auf der Oderinsel an. Aber der Mais muss runter! Die Allgemeinverfügung des Landes geht hier an den örtlichen Gegebenheiten vorbei.

Sie wehren sich auch gegen den festen Zaun nach Polen. Aber die Finanzen sind doch mittlerweile geklärt …
Es geht nicht um Geld für den Zaunbau. Ich habe abzuwägen zwischen dem Hochwasserschutz des gesamten Oderbruchs und der Menschen dort und dem Schutz vor der Tierseuche. Eine Abwägung, und ich habe mich gegen einen Zaun in den Hochwasserschutzbereichen entschieden. Die Debatte ist schwierig. Aber auch die Deichfachleute haben sich gegen den Zaun ausgesprochen: Wir wären damit nicht in der Lage, eine Deichverteidigung durchzuführen. Wenn das Land eine andere Position hat, muss sie die fachlich durchsetzen. Wenn die Landesregierung Weisungen erteilt, kann sie das machen, aber dann ist sie auch in der Haftung.


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Es mehren sich Stimmen, die sagen: Seuchenprävention und Föderalismus vertragen sich nicht.
Deutschland ist bisher gut durch Corona gekommen und wird auch gut durch die Tierseuche gehen, und was ein Herr Söder und einige andere Leute sagen, ist dumme populistische Politik, die die Grundlagen der deutschen Demokratie und unseres Gemeinwesens infrage stellt. Landratsämter, die mit einer soliden wissenschaftlichen Fachberatung entscheiden, sind die Grundlage eines verantwortungsvollen Handelns. Wir als Gebietskörperschaft, auch der Landrat, stehen in der persönlichen Verantwortlichkeit. Wir müssen alles abwägen, und wir werden auch bei Schadensersatzansprüchen nicht aus der Pflicht entlassen, sachgerechte Entscheidungen in einem Abwägungsprozess zu treffen. Wenn immer mehr Menschengruppen aus der Pflicht der eigenen Entscheidung entlassen werden, wird immer mehr nach oben delegiert. Dieses Modell ist zweimal in unserem deutschen Vaterlande massiv gescheitert: einmal in der DDR und einmal davor.

Ist der Landkreis mit den polnischen Behörden in Kontakt?
Wir haben Kontakte zu Polen, und wir haben diesbezüglich Debatten mit den Landwirten. In Polen wurde im Kerngebiet geschossen und auch gewirtschaftet. Aber auch hier: Maßnahmen, die woanders getroffen sind, müssen wir analysieren und auf die eigene Region herunterbrechen.

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