Schäfermeister Knut Kunczik mit seinen Schafen. (c) Sabine Rübensaat

Schäfer: Anerkennung statt Almosen

Die Lammfleischpreise sind im Keller, eine Weidetierprämie nicht in Sicht. Im Interview spricht Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin Brandenburg e.V., über die schwierige Situation vieler Schäfer – und zeigt sich kämpferisch.

Die Schäfer stehen nicht nur hierzulande mit dem Rücken zur Wand. Der Markt für Lammfleisch ist zusammengebrochen, Betriebsaufgaben mehren sich, Schäfervereine lösen sich auf. Kann man in solch einer Situa­tion noch zuversichtlich in das neue Jahr blicken? 

Ich bin geborener Optimist, und der bleibe ich. Zweifellos ist die Situation ernst. Doch wer nicht kämpft, hat schon verloren. Ich jedenfalls möchte nicht der Vorsitzende eines Verbandes sein, der tatenlos zugeschaut hat. 

Anfang des Jahres gibt es ein erstes Gespräch des Schafzuchtverbandes mit dem neuen Landwirtschaftsminister Brandenburgs geben. Was versprechen  Sie sich davon?

Ich habe genau hingehört, was Axel Vogel auf der jüngsten Klausurtagung des Landesbauernverbandes erklärt hat. Danach braucht er Vorschläge, wie er uns helfen kann. Die werden wir liefern, und wenn er entscheidet, dass wir wirklich gerettet werden sollen, hat er eine Vorlage.

Knut Kucznik Schäfermeister
Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin Brandenburg e.V. (c) Sabine Rübensaat

Worum geht es da vor allem?

Wir wollen keine Almosen, sondern eine wirksame Hilfe zur Selbsthilfe. Damit meine ich eine angemessene Vergütung unserer Leistungen bei der Landschaftspflege. Bei der geht es ja um weit mehr als nur darum, die Flächen freizuhalten und vor Verbuschung zu schützen. Wir sorgen zugleich dafür, dass Boden, Wasser und Luft reingehalten werden, Kohlendioxid gebunden  und die Artenvielfalt erhalten wird. Das muss anerkannt werden. Nur so kann es gelingen, den weiteren Rückgang der Schafhaltung zu stoppen.

Was bedeutet das finanziell?

Zunächst muss die Förderobergrenze für den Vertragsnaturschutz fallen. Derzeit erfolgt eine Kappung bei 450 Euro pro Hektar. Das steht in keinem Verhältnis zu dem damit verbundenen Aufwand. Zudem wünschen wir uns, dass sämtliche Schafweiden auf Grundlage des „Programms Grünland nach lokal etablierter Praxis“ vergütet werden. 

Hilfe zur Selbsthilfe kann nur funktionieren, wenn bessere Erlöse auf dem Markt erzielt werden. Das aber scheint mir derzeit ein Wunschdenken zu sein.

Wir haben darüber ausgiebig auf dem Schaftag in Groß Kreutz diskutiert. Wie unser Referent vom Thünen-Institut Braunschweig berichtete, gehen Länder wie Spanien ganz anders heran. Dort wird die Vermarktung stark gefördert, und unsere Berufskollegen haben ein deutlich besseres Einkommen. Wir erwarten, dass in Deutschland und vor allem in den Bundesländern ein Umdenken erfolgt. Projekte wie das der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde sollten unbedingt unterstützt werden.

Was hat es damit auf sich?

Bei diesem Vorhaben geht es zunächst darum, anhand von Umfragen die Marktpotenziale für hiesiges Lammfleisch zu ermitteln. Gemeinsam mit Schäfereien sollen aktuelle Herausforderungen analysiert und Qualitätskriterien aufgestellt werden. Nächster Schritt wäre dann,  eine Probevermarktung zu starten und wissenschaftlich zu begleiten. Ich halte das für eine Chance, die wir unbedingt nutzen sollten. Dazu braucht es allerdings Unterstützung und die gesicherte Bereitschaft von Betrieben, am Projekt mitzuarbeiten. 



Es gab vor Jahren ja schon eine Erzeugergemeinschaft „Märkisches Lammfleisch“, die aus verschiedenen Gründen jedoch nicht funktionierte. Haben Sie keine Sorge vor einer erneuten Enttäuschung?

Es muss ein ganz neuer Ansatz für die Werbung her. In einer Zeit, wo der Fleischverbrauch immer kritischer hinterfragt wird, können wir uns nicht hinstellen und dazu auffordern, mehr Lammfleisch zu essen. Wir sollten aber aufzeigen, was regionale Schafhaltung für die Umwelt bedeutet. Und dass es für jene, die sich den Fleischverzehr nicht versagen wollen,  allemal besser ist, sich für hiesiges Lammfleisch zu entscheiden. Denn das ist im Unterschied zu dem aus Neuseeland nicht um die halbe Erde transportiert worden. Wir sehen auch Brandenburgs Marketingverband pro  agro als einen wichtigen Partner, um hier neue Wege zu gehen. 

Wie wir hörten, soll es demnächst einen sogenannten Kulturlandschaftsbeirat geben. Kann der auf die Mitwirkung Ihres Verbandes bauen?

Unbedingt. Uns liegt viel dar­an, die Betreuer von Schutzgebieten mit den Schäfern zusammenzubringen. Bislang wissen beide noch viel zu wenig voneinander. Wenn sie aber richtig vernetzt sind, ergeben sich ganz andere Möglichkeiten, schützenswerte Flächen auf natürliche Weise zu pflegen. Eine Variante könnte darin bestehen, Schafweide auch auf Waldflächen zu praktizieren.

Schäfermeister Knut Kucznik gemeinsam mit Jungschäferin Ronja Golz. (c) Sabine Rübensaat

Die Beweidung von Solarparks könnte eine lukrative Erwerbsquelle für Schäfer sein, ist es aber derzeit nicht. Wie kann man das ändern?

Es gibt einige wenige Betreiber von Solarparks, die den Wert der natürlichen Beweidung erkannt haben und angemessen vergüten. Das muss sich herumsprechen. Hilfreicher wäre, wenn der Staat hier stärker eingreift, indem er Betreiber entsprechend in die Pflicht nimmt. 

Welche Höhepunkte wird es 2020 für den Verband geben?

Ganz obenan stehen die Teilnahme an der BraLa im Frühjahr und am Landesleistungshüten, voraussichtlich am zweiten Septemberwochenende in Altlandsberg. Nicht zu vergessen die regionalen Zuchtveranstaltungen, Körungen und Auktionen. In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass wir seit Anfang Januar einen neuen Zuchtleiter haben: Christoph-Johannes Ingelmann aus Sachsen-Anhalt. Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit!  

Wie steht es um die Mitgliederzahl im Verband?

Wir haben aktuell 333 Mitglieder. Unser jüngstes Mitglied ist eine erst Dreizehnjährige aus dem Landkreis Oder-Spree. Das lässt doch hoffen!

Die Fragen stellte Wolfgang Herklotz

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