Volles Haus auf dem Groß-Kreutzer Schaftag. (c) Heike Mildner

Groß Kreutzer Schaftag: Schäferstunden

Beim Groß Kreutzer Schaftag standen Lammfleischmarkt, ministerielle Unterstützung und Vorstandswahlen auf dem Programm.

Von Heike Mildner

Mitten in der Mitgliederversammlung des Schafzuchtverbandes am späten Nachmittag des 14. November vibriert Sven Ferchs Handy, kurz darauf entschuldigt er sich kurz und verschwindet: „Wir haben den Wolf zu Hause.“ Der Satz hätte vor ein paar Jahren noch Entsetzen ausgelöst, mittlerweile gehört er fast schon zum Alltag von Weidetierhaltern. 

Alle bleiben ruhig, nicht einmal Eduard Krassa, Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium, wird um ein Statement gebeten. Auf Landesebene ist mit der Einigung auf Entnahme von Problemwölfen der Handlungsspielraum ausgereizt, der Herdenschutz wird besser finanziert, nun erwartet man bei stetig mehr Rudeln (53 sollen es im April gewesen sein) vom Bund eine Entscheidung zur aktiven Bestandsregelung.

„Wir müssen die Bevölkerung überzeugen, Lammfleisch aus der Region zu kaufen“

Dass Krassa überhaupt gekommen ist, freut die Schäfer. Es sei seit acht Jahren das erste Mal, das ein Abteilungsleiter zum Schaftag kommt, bemerkt Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtvereins. Angesichts des Wechsels im Ministerium macht Krassa den Schäfern Mut: Wer wenn nicht sie würde auf dem Lande so wirtschaften, wie Grüne, Umwelt- und Naturschutzverbände es sich wünschen? „Sie leisten einen riesengroßen Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft und zur Produktion gesunder Lämmer“, sagt er und unterbindet ein galgenhumoriges Lachen von Schäferseite. Nein, das sei keine Floskel, und die Situation in den Betrieben sei ihm sehr wohl bekannt, so Krassa, auf die miserablen Lammpreise anspielend. „Wir müssen die Bevölkerung überzeugen, Lammfleisch aus der Region zu kaufen“, sagt der Abteilungsleiter und mit „wir“ meine er auch pro  agro: „Das ist auch Ihr Dienstleister, und es sollte Ihr Lobbyist sein!“.

Die Versammlung nimmt Krassas Beitrag zum Anlass, über Potenziale der Direktvermarktung, eine Erzeugergemeinschaft und Möglichkeiten des Schafzuchtverbandes bei der Vermarktung zu diskutieren. Die Diskussion ist nicht neu und in Gestalt der Marke „Märkisches Lammfleisch“ auch schon einmal gescheitert. Dennoch besteht Handlungsbedarf. Über den Lammverkauf bekommen die Schäfer durchschnittlich 30 % ihrer Einnahmen, derzeit jedoch entwickele sich das Lammfleisch, wie Kucznik zugespitzt formuliert, zu einem Abfallprodukt. Es soll eine Arbeitsgruppe Vermarktung im Vorstand geben, die Möglichkeiten ausloten soll. 

Fachteil und Vorstandswahlen auf dem Schaftag

Zum Fachteil des Schaftages hatte Dr. Michael Jurkschat vom LELF neben Krassa auch Johan Schütte vom Thünen-Institut Braunschweig eingeladen. Der hatte den internationalen  Lammfleischmarkt untersucht, eine eindeutige Ursache für den Preisverfall aber auch nicht ausfindig machen können. Ein wenig neidisch können deutsche Schäfer auf ihre spanischen Kollegen schauen, die über Siegel und Vermarktung extrem gefördert würden, so Schütte.

Schafttag Vorstand gewählt
Der neu gewählte Vorstand: In der vorderen Reihe Eik Bonin, Frank Hahnel, Bernd Birkhold-Weise (Stellvertreter), Knut Kucznik (Vorsitzender), Katja Behling, dahinter Reinhard Brehe, Ronald Rocher, Ralf Artelt, Karin Radzewitz, Norman Utke, Helmut Biermann, Jürgen Körner (v. l.). Es fehlen Olaf Kolecki, René Jeronimus, André Wildt und Marc Mennle. (c) Heike Mildner

Im Versammlungsteil des Schaftags gibt es u. a. eine Vorstandswahl mit einer Verabschiedung (Christoph Schumann, Prignitz) und einem Neuzugang (Katja Behling, Fläming), einen Jahresrückblick von Dr. Michael Jurkschat, die einstimmige Ehrenmitgliedschaft für Bauernzeitungsredakteur Wolfgang Herklotz (in Abwesenheit), die Vorstellung des künftigen Zuchtleiters Christoph-Johannes Ingelmann sowie die Übergabe von Medaillen des Ministeriums für besondere Zuchtleistungen in 2019, die Referatsleiter Hartmut Aust überreicht: 

  • Silber: Detlef May (LVAT), Arno Laube, Zuchtgemeinschaft Christ, 
  • Bronze: Knut Kucznik, Gunda Jung, Michael Schulze, Nora Herzlieb (Grün-Berlin GmbH), Helmut Biermann und Sven Ferchland.

Letzterer ist allerdings längst zu Hause in Altbensdorf. Seinen Schafen ist glücklicherweise nichts passiert, aber ganz in der Nähe waren drei Wölfe gesichtet worden. „Da bin ich doch lieber bei meinen Schafen als das ,Lametta‘ entgegenzunehmen“, sagt er. Zwar sei alles doppelt gesichert, aber im Ernstfall nütze das auch nicht.

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