Brandenburger Milchkönigin 2023. Maria Brouwer auf dem elterlichen Milchviehbetrieb, dem Buchenhof-Brouwer. (c) Sabine Rübensaat

Milchkönigin 2023 aus Brandenburg: Interview mit Maria Brouwer

Wie sieht der Alltag einer Milchkönigin aus? Die Bauernzeitung sprach mit Maria Brouwer über ihren Weg dahin und über ihre Pläne. Parallel zu Ihrer Arbeit im Betrieb der Eltern in Meyenburg studiert die Landwirtin an der Fachschule in Güstrow.

Das Gespräch führte Wolfgang Herklotz

Ein grauer Novembertag. Über den Buchenhof am Rande von Meyenburg ziehen Nieselschwaden, die nasse Kälte kriecht überall hin. Maria Brouwer lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie zieht ihre blaue Softshelljacke über und klettert auf den Radlader. Sie steuert ihn zum Futtergang des Milchviehstalls, um dort die würzig riechende Silage zu verteilen. Routiniert dirigiert sie den „Weidemann“ auch rückwärts und durch enge Passagen.

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Anschließend kontrolliert Maria die Melkanlage und wechselt den Milchfilter aus, der die Milch im Kühltank vor Verunreinigung schützt. Es sind nur wenige Handgriffe nötig, weil offensichtlich unzählige Male geübt. Schon setzen sich brummend die Kühe Richtung Melkstand in Bewegung, darunter auch Streifi. Das Tier mit dem markanten Streifen über dem Flotzmaul ist besonders zutraulich und beansprucht gern ein paar Streicheleinheiten für sich, erfahren wir.

Nun sind noch die Kälber zu versorgen, die aufs Futter warten. Maria schnappt sich eine Forke und befördert das neben dem kleinen Stall gelagerte Heu kraftvoll durch die schmale Luke. Das FKK-Prinzip gilt immer noch? „Zumindest für Forke und Karre, aber die Kiepe ist längst abgeschafft“, lacht Maria. Dann schlüpft sie aus den Gummistiefeln und führt uns in die geräumige Wohnküche, wo schon eine Kanne Tee auf uns wartet.

Maria Brouwer bei der Fütterung
Maria Brouwer mag die unterschiedlichsten Arbeiten auf dem Buchenhof. Der Amtsschmuck freilich kommt nur bei besonderen Anlässen zum Einsatz. (c) Sabine Rübensaat

Milchkönigin 2023 aus Brandenburg: Interview mit Maria Brouwer

Haben Sie in jungen Jahren davon geträumt, mal eine Königin zu sein?
Wohl eher davon, eine Prinzessin zu werden. Aber eine Karriere als Milchkönigin hatte ich damals nicht im Sinn, das steht fest.

Sie sind aber doch auf einem Bauernhof in Ostfriesland mit Dutzenden Milchkühen aufgewachsen und waren sicherlich frühzeitig auch im Stall unterwegs?
Das schon, muss aber nicht unbedingt dazu führen, dass man sich später für diese Richtung entscheidet. Mit zehn, zwölf Jahren war Landwirtschaft für mich überhaupt kein Thema. Ich hatte auch später noch keine Vorstellungen, wo die Reise hingeht, wollte erst mal mein Abitur machen. Allerdings stand ich dann schon jedes zweite Wochenende im Stall, habe beim Melken mitgeholfen. Da war aber eher ein Zwang dahinter…

Wie ist das denn zu verstehen?
Ich habe mir sehnlichst ein i-Phone gewünscht. Das kostete eine Menge Geld, und mein Vater schlug mir vor, dass ich mir das im Stall verdiene.

Mussten Sie da lange überlegen?
Nein, denn ich wollte so ein Ding unbedingt haben!

Ist das heute für Sie noch wichtig?
Nicht mehr so wie früher, dass ich es die ganze Zeit mit mir umhertragen und ständig rumzappen muss. Aber es ist schon hilfreich, so einen kleinen Computer dabei zu haben.

Milchtechnologin, Landwirtin und Arbeit in der Prignitz

Wie ging es nach dem Abitur für Sie weiter?
Ich habe eine Ausbildung als Milchtechnologin absolviert und in einer Molkerei in Aurich gearbeitet. Es hat mich fasziniert, mehr über die Verarbeitung dieses wichtigen Lebensmittels zu erfahren. Damit wuchs dann auch mein Interesse daran, wie Tiere zu halten und zu versorgen sind. Deshalb habe ich eine zweite Ausbildung als Landwirtin aufgenommen und in einem Betrieb in Ostfriesland gearbeitet. In dem wurde quasi von heute auf morgen der Bestand von 80 auf 400 Kühe aufgestockt. Das fand ich unglaublich aufregend.

Weil da alles komplett umgekrempelt wurde?
Genau. Da braucht es nicht nur neue Technik und Technologien, sondern auch ein völlig neues Herangehen. Alte Pfade zu verlassen ist so spannend! Ich konnte dabei sein und viel lernen!

Wie kam es aber, dass Sie letztendlich in der Prignitz gelandet sind?
Meine Eltern haben vor mehr als einem Dutzend Jahren einen Milchviehbetrieb in Meyenburg gekauft, weil das auch ein Schritt in Sachen Entwicklung war. Ich bin damals noch in Ostfriesland bei meiner Großmutter geblieben, weil ich zunächst in der Ausbildung war und dann dort meine Arbeit hatte. Irgendwann kam dann der Entschluss, auch in die Prignitz zu ziehen. Die ist längst mein Zuhause.

Den Menschen dort sagt man nach, dass sie sehr verschlossen sind.
Ach was. Ich habe das nicht so empfunden. Ist doch immer die Frage, wie man auf die Anderen zugeht und sich ihnen öffnet!

Milchkönigin aus Brandenburg: Vorstellung per Video

Damit haben Sie offensichtlich kein Problem. Sich für das Amt der Milchkönigin Brandenburgs zu bewerben war da wohl eine logische Konsequenz.
Überhaupt nicht. Auf die Idee bin nicht ich gekommen, sondern meine Mama. Ihr zuliebe habe ich mich beim Rinderzuchtverband beworben. Ich konnte aber nicht so richtig daran glauben, dass es klappt.

Waren denn die Fragen für Sie schwierig zu beantworten?
Nein, ich hatte nur ein bisschen damit zu tun, dass das Gespräch online, also per Video, geführt wurde. Klar, eine Vorsichtsmaßnahme, denn Corona war noch nicht ganz ausgestanden. Aber es ist schon komisch, sich auf diese Weise zu präsentieren. Bei einem direkten Kontakt kann man die Resonanz besser einschätzen und notfalls noch einen Gang zulegen.

Das war aber offensichtlich nicht nötig. Gab es mehrere Bewerberinnen?
Soweit ich weiß, waren wir zu zweit.

Brandenburger Milchkönigin 2023 mit ihrer Mutter
Brandenburger Milchkönigin 2023: Der Mama zuliebe (l.) hatte sich Maria um das Amt beworben. (c) Sabine Rübensaat

Was reizt Sie an dem Amt, das Sie seit fast zwei Jahren ausüben?
Dass man interessante Leute nicht nur aus der Politik, sondern auch aus anderen Bereichen kennenlernt. Und dass man im Gespräch Vorurteile gegenüber der Landwirtschaft abbauen kann. Denn die gibt es reichlich. Da ich aus einem Familienbetrieb komme, ist es mir besonders wichtig, Verständnis für unsere Situation zu wecken. Den zumeist katastrophalen Milchpreisen stehen immer heftigere Auflagen und bürokratische Hürden gegenüber. Dies zu kompensieren ist gerade für kleine Betriebe außerordentlich schwierig. Wir brauchen angemessene Preise für unsere Produkte!

Gab es auch weniger erfreuliche Momente Ihrer Amtszeit?
Nein, das kann ich nicht sagen. Gerade die diesjährige BraLa, die nach drei Jahren Pause endlich wieder stattfand, war ein großartiges Erlebnis. Es gab viele gute Gespräche, und besonderen Spaß hat es gemacht, die Preise an Jungzüchter zu übergeben. Auf der Grünen Woche zum Jahresanfang ging es da etwas förmlicher zu. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine gute Entscheidung war, dort die unterschiedlichsten Königinnen hierzulande quasi im „Paket“ zu präsentieren. Das fühlte sich ein bisschen wie Schaulaufen an. Und bitte immer schön lächeln, um es den Fotografen recht zu machen. Aber auch in Berlin gab es viele Möglichkeiten, um auf aktuelle Probleme der Landwirtschaft aufmerksam zu machen.

Wie bewerten Sie die Debatte über das Tierwohl?
Die ist wichtig, keine Frage. Wobei ich dazu sagen muss, dass es unseren Kühen gutgeht. Sie sind den ganzen Sommer über draußen, ab Ostern geht es raus auf die angrenzende Weide und nur zum Melken in den Stall. Der bietet für die restliche Zeit des Jahres ausreichend Platz, ist allerdings in die Jahre gekommen. Wenn wir das Tierwohl verbessern und effizienter Milch produzieren wollen, müssen wir investieren. Daran führt kein Weg vorbei.

Studium an der Fachhochschule in Güstrow

Parallel zu Ihrer Arbeit im Betrieb der Eltern studieren Sie an der Fachschule in Güstrow. Wie lässt sich das vereinbaren?
Das Studium geht über drei Wintersemester, ich absolviere gerade das letzte. Am Wochenende und in der besonders arbeitsintensiven Zeit bin ich also vor Ort. Den Wechsel kriege ich ganz gut hin, weil ich mich im Stall und auf dem Feld ebenso wohlfühle wie im Hörsaal. In Güstrow gibt es tolle Dozenten, aber auch ein gutes Miteinander in der Seminargruppe. Die meisten von uns kommen ja aus der Praxis. Wir waren vor wenigen Wochen erst auf einer selbst organisierten Studienreise, haben unterschiedliche Betriebe besucht. Das gab viel Inspiration.

Angehende Agrarbetriebswirtin Maria Brouwer
Mittlerweile gehört die angehende Agrarbetriebswirtin auch dem Milchbeirat der Bauernzeitung an. (c) Sabine Rübensaat

Steht Ihre Abschlussarbeit schon?
Ja, ich werde sie noch vor Weihnachten verteidigen. Ein bisschen zu schaffen macht mir noch die damit verbundene Power-Point-Präsentation. Für die muss ich mich auf wenige Seiten beschränken, doch die Arbeit umfasst insgesamt 50 Seiten. Den Inhalt so stark zu reduzieren ist nicht ganz einfach.

Wie lautet das Thema?
Es geht um die Erneuerung der Melktechnik in unserem Betrieb. Das Thema konnte ich selbst auswählen und habe mich deshalb für das Naheliegende entschieden. Im Kern geht es um die Frage, ob Melkroboter zum Einsatz kommen oder ein neuer Fischgrätenmelkstand eingebaut wird. Die Roboter brauchen mehr Platz und sind noch dazu teurer. Das hieße, dass der Stall noch erweitert werden müsste und zusätzliche Kosten entstehen. Und ob diese Technik wirklich effektiver im Vergleich zur Fischgräte ist, wage ich zu bezweifeln.

Was sagt Ihr Vater dazu?
Er ist auch skeptisch, zumal er einen Betrieb kennt, der vor Jahren Roboter erst an- und nun wieder abgeschafft hat. Aber Vater meint, dass ich dann die Entscheidung treffen soll, wenn es so weit ist.

Richtung Zukunft

Das heißt, dass Sie in ein paar Jahren den Familienbetrieb weiterführen werden?
Eins nach dem anderen. Erst geht es mir um einen guten Abschluss an der Fachschule im Sommer als staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin. Danach werde ich mich vor allem um das Herdenmanagement kümmern, um die Eltern zu entlasten. Papa kann sich wieder mehr um den Ackerbau kümmern und Mama um die Buchhaltung. Ich freue mich jedenfalls darauf. Und es ist denkbar, dass auch mein Freund bald in den Betrieb mit einsteigt. Dann sehen wir weiter.

Ihre zweite Amtszeit als Milchkönigin geht in wenigen Monaten zu Ende. Was geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?
Dass es ein phantastisches Amt ist und dass es sich lohnt, sich als Botschafterin für die Milch zu engagieren. Wer viel gibt, bekommt viel zurück!

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