Reinhard und Marcel Mich bauen im Spreewald Meerrettich an. (c) Thomas Uhlemann

Meerrettich im Spreewald: Penicillin der Bauern

Im Spreewald hat die Meerrettichernte begonnen. Die scharfen Wurzeln werden dort auf rund zehn Hektar angebaut und verarbeitet. Gerieben verfeinern sie so manche Gerichte und wirken zudem gegen Erkältungen.

Von Bärbel Arlt

Reinhard Mich vom Gemüsebaubetrieb Spreewald in Klein Radden schwört auf Meerrettich. Bei ihm, so sagt er, komme er jeden Tag auf den Tisch. Was für andere Knoblauch sei, sei für ihn der Meerrettich. Denn der hält – davon ist der 75-Jährige überzeugt – gesund. Wen wunderts, schließlich wachsen die scharfen Wurzeln auf den Feldern des Betriebes auf 8,5 ha und damit auf der größten zusammenhängenden Meerrettichfläche im Spreewald.

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Meerrettich im Spreewald: Durchschnittliche Ernte

In der zweiten Novemberwoche 2023 ging es dem Gemüse zum ersten Mal in diesem Herbst an die Wurzeln.

„Wir ernten rund zwei Drittel jetzt, ein Drittel im Frühjahr“, sagt der Chef des Familienbetriebes Marcel Mich, der in diesem Jahr eine eher durchschnittliche Ernte erwartet. Das Frühjahr war zu nass, sodass die Fechser (Meerrettich-Stecklinge) etwa zwei Wochen zu spät in die Erde kamen. Negativ wirkte sich dann die Trockenheit in den folgenden Monaten aus, und jetzt ist es wieder zu nass. Marcel Mich schätzt, dass pro Hektar um die zehn Tonnen vom Feld kommen. Doch der Ertrag sei das eine, Qualität das andere, und die bestimmt letztlich den Preis. Das heißt, dick sollten die Stangen sein, denn diese haben auch die meiste Schärfe. Doch auch der Boden – möglichst humus- und nährstoffreich – hat Einfluss auf die Qualität.

Meerrettich-Ernte im Spreewald
Meerrettich-Anbau auf rund 8,5 ha, der jetzt geerntet wird. (c) Thomas Uhlemann

Geerntet wird bis Ende November bzw. bis zum ersten Frost. Dass noch ein Drittel der Wurzeln im Boden bleibt, wird vor allem damit begründet, dass frische Rohware für die Verarbeitungsbetriebe über einen längeren Zeitraum verfügbar ist und Lagerkapazitäten gespart werden. Und verarbeitet wird der Spreewälder Meerrettich natürlich direkt im Spreewald. Drei Betriebe bauen dort noch die würzigen Stangen an und in zwei Betrieben kommt er gerieben in die Gläser – entweder pur oder mit Sahne, Preiselbeeren, Apfel, Roter Bete, Honig, Knoblauch, Ingwer oder Sanddorn verfeinert. Verwendet wird er in der Küche gern als Zutat für Soßen, zu Fisch, Fleisch oder einfach nur als Topping auf Wurst-oder Schinkenbrot.

Spreewälder Meerrettich – Spezialität mit Zukunft?

Spreewälder Meerrettich ist wie auch die Spreewälder Gurke eine regionale Spezialität mit langer Tradition. Seit 1999 trägt er das Gütesiegel für „Geschützte geografische Angabe“. Das heißt, bei Verarbeitung wird überwiegend Meerrettich aus regionalem Anbau verwendet. Doch hat die alte Spreewälder Kulturpflanze noch eine Zukunft in der Region? „Wir hoffen es. Doch was kommt, wissen wir nicht“, sagt Marcel Mich.

Denn auch wenn der Traktor im Schneckentempo übers Feld rollt und mit dem Roder das Wurzelgeflecht aus der Erde rüttelt, sind Anbau und Ernte mit hohem Arbeitsaufwand verbunden und überwiegend Handarbeit, für die es kaum noch Enthusiasten gibt. Senior Reinhard Mich sieht als ein Damoklesschwert auch den Mindestlohn. Und andere Herausforderungen, mit denen Landwirtschaft und Verarbeitungsbetriebe zu kämpfen haben, tun ihr übriges.

Spreewälder Meerrettich
Gesäubert, gerieben und verfeinert kommen die scharfen Wurzeln dann in die Gläser und zum Verbraucher. (c) Thomas Uhlemann

Meerrettich gegen Erkältung: Natürliches Heilmittel

Meerrettich hat aber nicht nur in der Küche einen festen Platz. Er ist seit Jahrtausenden ein natürliches Heilmittel und wird aufgrund seiner vielen gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe auch „Penicillin der Bauern“ genannt.

Er wirkt zum Beispiel antibakteriell, stärkt Abwehrkräfte, löst Husten. So sieht Michael Petschick vom Biosphärenreservat Spreewald neben der Vermarktung als Gemüsemeerrettich auch eine Zukunftschance der alten Landsorte oder besser des „Meerrettichs Spreewälder Herkunft“ in der pharmazeutischen Nutzung. Und Marcel Mich gibt dann am Feldrand gleich noch ein Rezept gegen Erkältung mit auf den Weg: Meerrettich in eine Tasse reiben und die ätherischen Öle inhalieren.

Meerrettichklöße: Rezept der Woche

Zutaten für 4 Personen

  • 1,2 kg mehligkochende Kartoffeln
  • 4 EL geriebener Meerrettich
  • 2 Eier, ½ TL Salz
  • 2 EL Kartoffelmehl
  • 50 g Mehl
  • 2 alte Brötchen
  • 1 EL Butter

Zubereitung

Kartoffeln schälen und kochen. Die Brötchen in kleine Würfel schneiden, in Butter rösten, beiseitestellen und abkühlen lassen.

Die abgekühlten Kartoffeln reiben, zusammen mit dem Meerrettich, den Eiern, dem Kartoffelmehl, Salz und zwei bis drei Esslöffeln Wasser zu einem Teig kneten und daraus Klöße formen. In die Mitte von jedem Kloß einige geröstete Brötchenwürfel drücken.

Die Klöße in Mehl wälzen, knapp zehn Minuten in leicht siedendem Wasser kochen und danach weitere zehn Minuten ziehen lassen.

Die Klöße schmecken besonders gut zu Fischgerichten, aber auch zu Ochsenbrust oder Tafelspitz. Als schmackhafte Beilage machen sie zudem aus fast jeder Brühe eine leckere Hauptmahlzeit.

Rezept aus Tolle Rezepte aus Omas Bauernküche von Hans-Dieter Lucas.

Im Bauernzeitung-Shop verfügbar: Tolle Rezepte aus Omas Bauernküche | BU-05277-0-01-DBV (bauernzeitung.de), ISBN 978-3-9821052-7-7.

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