Geschichtsbewusst: Landrat Ludger Weskampf gratuliert Oliver Grube zur erfolgreichen Meisterausbildung in Oranienburg-Luisenhof, wo noch der gut erhaltene Lehrstuhl von Albrecht Daniel Thaer zu besichtigen ist. (c) Wolfgang Herklotz

Landwirtschaftsschule Oranienburg-Luisenhof: Wissbegier trifft Tradition

Viele Generationen bäuerlicher Familien absolvierten in der Landwirtschaftsschule Oranienburg-Luisenhof, die auf 150 Jahre zurückblicken kann, ihre Aus- und Weiterbildung.

Von Wolfgang Herklotz

Eines musste Sabine Krüger aus dem havelländischen Garlitz gleich zu Beginn ihres kleinen Vortrags deutlich machen: Sie sei keine Musterschülerin gewesen! „Aber ich denke gern an die Zeit in Oranienburg-Luisenhof zurück. Ich konnte hier viel lernen und Kontakte knüpfen, die mir später sehr hilfreich waren!“

Offensichtlich hatte es jedoch der jungen Frau, die von 2004 bis 2006 ihre Ausbildung an der Landwirtschaftsschule absolvierte, nicht an Fleiß und Engagement gemangelt. Denn im Jahr darauf nahm sie bereits am Meisterlehrgang teil, den sie 2009 erfolgreich beendete. Allerdings hätte sie dann fast die Übergabe der Meisterbriefe, die offiziell in Götz erfolgte, versäumt. „Ich war so mit meinen Tieren beschäftigt, dass ich den Termin beinahe vermasselt hätte!“ Zum Glück gab es einen hilfreichen Anruf, um sich blitzschnell zurechtzumachen und ins Auto zu springen. Sabine Krüger kam gerade noch rechtzeitig an, um den Meisterbrief aus den Händen des Agrarministers entgegenzunehmen. „Und das Bild wurde dann auch noch veröffentlicht!“

Landwirtschaftsschule Oranienburg-Luisenhof: Auf traditionen besinnen

Eine Begebenheit, die die sympathische Frau auf der Feierstunde zum Jubiläum der Landwirtschaftsschule in Oranienburg-Luisenhof am 1. November zum Besten gab. Dass Absolventen dieser Bildungseinrichtung im Landkreis Oberhavel aus dem „Nähkästchen“ plauderten, gehörte ebenso zum Ablauf wie die Ehrung der jüngsten Meisterinnen und Meister.

Seit Jahren ist es hier üblich, dass sie nebst Blumen die gerahmte Kopie eines historischen Dokuments anno 1927 erhalten. Ein Ritual, das dem umtriebigen Förderverein sehr wichtig ist. Denn nach vorn zu schauen, ist ebenso unverzichtbar, wie sich auf Traditionen zu besinnen. Diese reichen bis ins Jahr 1871 zurück.

Aus dem „Nähkästchen“ plauderten  Sabine Krüger und Richard Zerbe.
Aus dem „Nähkästchen“ plauderten Sabine Krüger und Richard Zerbe. (c) Wolfgang Herklotz

Den Grundstein für die Luisenhofer Aus- und Fortbildungsstätte legte seinerzeit der Wanderlehrer Otto Schönfeld, der in Wriezen eine private Ackerbauschule betrieb. Dies war ganz in der Nähe von Möglin, dem Wirkungsort des landwirtschaftlichen Reformers Albrecht Daniel Thaer, dessen Lehrstuhl noch gut erhalten in Luisenhof besichtigt werden kann. Besagte Ackerbauschule wurde wenig später nach Oranienburg verlegt.

Ca. 1.100 Facharbeiter- und Meisterabschlüsse in drei jahrzehnten

Seit Oktober 1879 ist Oranienburg Sitz einer landwirtschaftlichen Lehranstalt, seit 1921 mit Sitz auf dem Gut Luisenhof. „Luisenhof ist als agrarwirtschaftliches Bildungszentrum zu betrachten, das mit seinen vielfältigen Bildungseinrichtungen und -gängen viele Entwicklungsabschnitte durchmachte“, betonte Dr. Peter Kallabis auf der Feierstunde.

Der langjährige Direktor der Fachschule für Landwirtschaft und späteren Agraringenieurschule gab einen sehr detaillierten Einblick in die Geschichte von „Louisenhof“, so die ursprüngliche Bezeichnung des Standorts. Viele Generationen bäuerlicher Familien erfuhren hier eine solide Aus- und Weiterbildung. Diese reichte von Ackerbau und Milchwirtschaft bis zu Gärtnerei, Imkerei und Hauswirtschaft. Zur Bilanz gehören allein in den letzten drei Jahrzehnten rund 1.100 Facharbeiter- und Meisterabschlüsse. Luisenhof war und ist ein „zuverlässiger Anlaufpunkt für wissbegierige Menschen“, würdigte Brandenburgs Agrarminister, Axel Vogel, in seinem Grußwort, das von Abteilungsleiter Eduard Krassa vorgetragen wurde.

(c) Wolfgang Herklotz

Umzug der einrichtung

Nach den Worten von Ludger Weskamp, Landrat von Oberhavel, ist die heutige Regionalstelle für Bildung im Agrarbereich ein „wichtiger Begleiter für die hiesige Landwirtschaft“. Er kündigte für 2023 den Umzug der Einrichtung in das neu entstehende Technische Ausbildungszentrum an. Dieses, nur wenige Meter vom bisherigen Standort entfernt, wird noch bessere Lernbedingungen ermöglichen.


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Weskamp nutzte zugleich die Gelegenheit, Gudrun Glawe zu danken. Sie stehe seit 25 Jahren der Bildungseinrichtung vor und setze ihre Verantwortung mit „Kompetenz und Hartnäckigkeit“ um. „Wir sind zwar die älteste Landwirtschaftsschule in Brandenburg“, erwiderte Gudrun Glawe, „aber alles andere als verstaubt.“ Dies zeigte sich nicht zuletzt bei der musikalischen Umrahmung der Feierstunde. Paulina Brückner und Christoph Gärtner brachten modernes Liedgut zu Gehör.


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