Landwirtschaftsmeister Philipp Metz bereitet seine Bulle auf die Auktion vor. (c) Heike Mildner

Einzelkämpfer in Brandenburg: Vom Alltag eines jungen Landwirten

Landwirtschaftsmeister Philipp Metz aus Brandenburg bereitet gerade fünf Tiere auf die Bullenauktion vor – und seinen Betrieb auf die Zukunft. Der Landwirt ist ein Einzelkämpfer und liebt seine Tiere.

Von Heike Mildner

Es ist Mittwoch, der 14. Februar. Feiner Nieselregen weht über den betonierten Betriebshof in Vielitzsee (Ostprignitz-Ruppin). Wie jeden Tag in den vergangenen vier Wochen ist Philipp Metz bei seinen Bullen. Die fünf, die er in diesem Jahr auf die Auktion am 5. März in Groß Kreutz vorbereitet, haben wie er höchstens mal einen Tag in der Woche frei. An den anderen dreht der 34-jährige Landwirtschaftsmeister mit jedem von ihnen eine Runde über den Hof, erst nur ein paar Meter, dann weiter, erst durch den Matsch, dann auf Beton, hier mal ein Rascheln, da ein Vogel, der aufschreckt, immer neue Eindrücke, die einen Bullen möglicherweise aus der Fassung bringen.

Es geht ums Vertrauen: Egal, was passiert, der Typ, der mich da am Strick führt, weiß, was er tut; wenn der ruhig ist, kann ich es auch sein. So lautet die Botschaft, die jeder der fünf Bullen über das tägliche Training verinnerlichen soll.

Einzelkämpfer: Landwirt Philipp Metz in Brandenburg

Philipp Metz kann das. Seit 2016 bereitet er Fleckviehbullen für die Auktion vor, kann auf zwei Champions, die Siegerbullen einer Rasse bei der Auktion, und andere Zuchterfolge verweisen. Doch wie steht es bei jemandem, der schreckhafte Tiere dazu bringt, dass sie ihm vertrauen, mit dem Vertrauen in die Zukunft seiner Zunft?

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Die Entscheidung zum Agrardiesel habe auch bei ihm das berühmte Fass zum Überlaufen gebracht. In seinem Betrieb wären damit am Jahresende 5.000 bis 6.000 Euro weniger in der Kasse, sagt Metz. Neben Futter für seine Fleischrinder baut er auf 240 ha Marktfrüchte an: Weizen und Raps auf den besseren Böden um die 30 bis 35 Bodenpunkte, Roggen und Mais auf den schlechteren.

„Selbst wenn sie die Entscheidung zum Diesel zurücknehmen, die Sache hat sich festgefahren“, sagt Metz und wünscht sich, dass einfach mal gesagt werde: „Ihr seid Landwirte, ihr habt euren Meister gemacht, ihr werdet auch vernünftig wirtschaften!“ Er fühle sich gar nicht mehr als Selbstständiger, müsse nur noch lesen, was er darf und was nicht, sei nur noch jemand, der etwas ausführt. Für den Agrarantrag leiste er sich einen Berater, der die ständig neue Auflagen besser im Blick hat.

Landwirt in Brandenburg: Ärger über Profil-App

Die Krönung war für Metz im September vergangenen Jahres die Profil-App. 28 Fotos sollte er machen, von 28 Ackerflächen. Und die Anforderungen kamen nicht alle auf einmal, sondern über Wochen verteilt. „Ich sollte Ackerflächen fotografieren, die waren gepflügt, gescheibt, da war nichts drauf zu sehen!“, sagt Metz. Und einmal konnte er die Zwei-Wochen-Frist nicht einhalten, weil er im Krankenhaus behandelt werden musste, da wurde die Anforderung storniert – jemand vom Amt komme, hieß es.

Einzelkämpfer: Ärger, wenn jemand vom Amt kommt

Wenn jemand vom Amt kommt, ist das mit Stress verbunden. Nicht nur für Metz und nicht, weil man ein schlechtes Gewissen haben müsste, wohl aber, weil immer etwas sein kann bei all den Vorschriften. Er habe den Film „Tod eines Viehzüchters“ gesehen, erzählt er. Eine Dokumentation über den französischen Charolais-Züchter Jérôme Laronz, der vor bürokratischer Übergriffigkeit flieht und von der Polizei erschossen wird (in der ARTE-Mediathek abrufbar). Ein Berufskollege im Nachbarland, das müsse man sich mal vorstellen, sagt Metz, dort gehe es offenbar noch schlimmer zu als hier. Darum seien auch die Proteste vehementer.

Bei den Bauernprotesten dabei

Bei den hiesigen Bauernprotesten habe er nicht überall dabei sein können. „Einmal einen Kreisverkehr gesperrt, einmal eine Sternfahrt.“ Als er hörte, die Demo in Berlin am 15. Januar werde erst beendet, wenn die Forderungen erfüllt seien, ist er lieber zu Hause geblieben. Nicht auszudenken, was passiert, wenn er mit seinem Schlepper mittendrin steckt und er nicht zu den Tieren zurück kann. Denn um die geht es ihm vor allem. Dass die Kollegen dann doch nicht geblieben sind, habe ihn nach den markigen Worten von Joachim Rukwied im Dezember dann doch etwas enttäuscht.

Mit Fleischrindern hat Metz schon als Teenager angefangen. Galloways waren es, und er wollte sie direktvermarkten, sich neben dem Gemüsebaubetrieb von Vater und Onkel ein eigenes Standbein aufbauen. Dieser Plan scheiterte zum einen daran, dass sich die Kosten im Schlachthof Hakenberg verdoppelten, als Hofschlachtungen nur noch eingeschränkt erlaubt waren, zum anderen war kaum jemand bereit, die zwei, drei Euro mehr pro Kilo zu zahlen, die er für das Fleisch der kleinen Rasse verlangen musste.

Gern hätte er mit dem Gemüsebau weitergemacht als sein Vater in Rente ging. Der Betriebszweig lief noch bis vor zwei, drei Jahren, erzählt Metz. Dann ging eine Fachkraft in Rente, etwa zeitgleich kam Corona. Zwei Zelte von je 1.000 m2 Fläche, in denen einmal 2.000 Tomaten-, 600 Gurken- und 800 Paprikapflanzen wuchsen, stehen das zweite Jahr leer.

Metz will sie für den nächsten Winter als Unterstand für seine Rinder umrüsten. Gemüsebau sei unter den derzeitigen Bedingungen utopisch, er müsste viel zu viel in Lager und Kühlung investieren, um diesen Zweig fit für die Zukunft zu machen. Außerdem stelle sich auch hier die Frage nach der Rentabilität. Stichwort Mindestlohn.

Weniger Bürokratie bitte

Philipp Metz ist Einzelkämpfer. Einen Angestellten kann er sich bisher nicht leisten. Was ihn wirklich entlasten würde, wäre tatsächlicher Bürokratieabbau, sagt er. Für ihn sei das auch eine Frage des Tierwohls: Die Zeit, die er im Büro sitzt, kann er nicht bei den Tieren sein. Nächsten Montag wird sein Vater ihm helfen, wenn er mit seinen fünf besten Bullen nach Groß Kreutz fährt. Ankommen, waschen, Körung und am Dienstag die Frage, ob sich seine Tiere von der besten Seite zeigen und letztlich einen guten Preis erzielen, ob sich die Arbeit gelohnt hat. Zu wünschen wäre es allen.

So läuft die Bullenauktion

Am Montag, 4. März 2024, beginnt um 13 Uhr die Körung mit Rangierung und Siegerauswahl. Sie ist sowohl vor Ort als auch im Livestream zu verfolgen. Am Montagabend geht es ab 20 Uhr mit dem „Warm Up“ weiter. Vorab-Gebote sind online möglich. Die Auktion beginnt am Dienstag, 5. März, ab 11 Uhr im Brandenburger Rindermarkt in Groß Kreutz. Die Bullen werden in der folgenden Reihenfolge versteigert: Charolais, Fleckvieh-Simmental, Angus, Hereford, Limousin und Uckermärker. Auch online kann geboten werden. Näheres auf der Seite des RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH.

Besuch bei Familie Metz in Brandenburg
Für seine Familie gehört der Umgang mit den Fleckviehrindern von Kindesbeinen an dazu. Schon seine Tochter Neele interessiert sich für die gutmütigen Widerkäuer. © Philipp Metz
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