Bundesministerin Stark-Watzinger (FDP) setzt sich für grüne Gentechnik ein. (c) IMAGO/Political-Moments

Grüne Gentechnik: Genschere als riesige Chance

Die Bundesforschungsministerin, die FDP-Politikerin Bettina Stark-Watzinger, hält die Grüne Gentechnik für eine „riesige Chance“. Geneditierte Pflanzen „können uns bei allem helfen“, sagte sie in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) mit Blick auf den Klimawandel, den Artenschwund und die Welternährung.

Die Ministerin verwies in dem Gespräch auf die geplante Novellierung des EU-Gentechnikrechts und forderte: „Das Gentechnikrecht muss innovationsfreundlicher und wissenschaftsbasiert werden.“ Darüber diskutiere auch die Bundesregierung, wenn auch bislang ohne Konsens. Aber sie nehme „durchaus eine Öffnung wahr“, sagt die Liberale in Anspielung auf die Grünen.

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Potentiale auch im Ökolandbau

Stark-Watzinger ist überzeugt, dass die großen globalen Herausforderungen nur mit Wissenschaft und Innovation gelöst werden können. Dennoch gehe es ihr nicht um einen „Freibrief für die Gentechnik“. Es gebe Risiken, und die müssten reguliert werden. Die Vorteile der Genschere überzeugten sie jedoch.

Potenziale sieht die Forschungsministerin auch für den Ökolandbau. Biotechnologie könnte den ökologischen Zielen dadurch dienen, sodass der Flächenverbrauch und Pflanzenschutzmitteleinsatz reduziert werden könnten. In der Wissenschaft stieß die Ministerin mit ihrer Haltung auf Zustimmung.

Der Pflanzenforscher Robert Hoffie vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) wertete die Aussagen als „wichtiges Signal in der deutschen und europäischen Diskussion zur Reform des Gentechnikrechts“. Es sei gut, so Hoffie auf Twitter, dass sich das Forschungsministerium und die amtierende Ressortchefin hier „so klar auf Seiten der Wissenschaft positionieren“.

Der Bundestag wollte am Mittwoch dieser Woche erstmals über den Bericht zur „Zukunftsstrategie Forschung und Innovation“ beraten, den die Bundesregierung vorgelegt hat. Nach der maßgeblich vom Bundesforschungsministerium erarbeiteten Zukunftsstrategie sollen die Rahmenbedingungen für die Pflanzenzüchtungsforschung in Deutschland verbessert werden. Dabei werde man auch die Chancen und Risiken neuer Züchtungstechniken wie Crispr/Cas in den Blick nehmen, heißt es in dem Papier.

EU-Kommission lässt weitere Sorten zu

Indes gab die EU-Kommission weitere gentechnisch veränderte Pflanzensorten für die Verwendung als Lebens- und Futtermittel frei. Grünes Licht erhielt die Rapsvarietät MON 94100. Zudem wurde die Zulassung der Sojabohnensorte A5547-127 verlängert. Laut Kommission hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beiden Sorten attestiert, genauso sicher zu sein wie konventionelle Züchtungen. Die Genehmigungen gelten jeweils für zehn Jahre.

Zeitgleich warnten die Freien Bauern vor „vermeintlichen Patentlösungen, die geradewegs in die Abhängigkeit von großen Konzernen führen“. Es gebe keine Wunderpflanzen, die allein aufgrund ihrer Genetik mit Klimawandel, Krankheiten oder Schädlingen fertig werden. „Gute Erträge gibt es nach wie vor nur durch gute fachliche Praxis unter Berücksichtigung aller ackerbaulichen Faktoren“, ließ die Organisation am Dienstag in einer Pressemitteilung verlauten.

„Wenn angebliche Freunde der Landwirtschaft uns neue Nutzpflanzen als Fortschritt anpreisen, die aber aufgrund genetischer Veränderungen patentgeschützt sind, hilft nur ein konsequentes Nein“, wurde dazu aufgerufen, im eigenen Betrieb keine patentierten Pflanzen zu verwenden. Konkreter Anlass war die Entscheidung des Europäischen Patentamtes, eine im Jahr 2014 von mehreren Verbänden eingereichte Beschwerde gegen ein der Firma Syngenta erteiltes Patent auf eine Paprikasorte zurückzuweisen.

(red)