Erfolgreich mit Melonen in Brandenburg: der gebürtige Ungar Attila Puszti. 2015 hat er die erste Ernte seiner riesigen „Südfrüchte“, die er in der Nähe von Velten anbaut, eingefahren.

Melonen aus Brandenburg: Attila Puszti kennt ihre Melodie

Hurra, es gibt ihn noch: Vor sechs Jahren belächelt ob seiner „fixen Idee“, unter hiesigen Bedingungen Wassermelonen heranzuziehen, ist Attila Puszti präsenter denn je und nach wie vor der einzige gewerbsmäßige Anbauer der Grünschaligen im Land Brandenburg. Neue Sorten, dazu als Novität Paprika und Tomaten: Die Kundschaft reist ihm nach, wohin er zieht. Wir auch.

Von Jutta Heise
Fotos: Karlheinz Schindler

Die Reifeprüfung: Er beherrscht sie immer noch, gehört sie doch zu den Essenzen seines Gewerbes: Mit der flachen Hand schlägst du gegen die Schale: Vibrieren muss sie, im Nachhall nicht zu dumpf und nicht zu hell klingen. Dann ist die Melone auf dem Höhepunkt ihres Daseins: reif und süß. Harte Schale, innen ganz weich, ähnlich dem Naturell des Mannes, wie es Deutschlands Oberbarde Herbert Grönemeyer beschreibt. Den Zusammenhang zwischen Klang und Reife lesen können, wir sprechen wieder von der Melone, muss man lernen. Der Opa habe ihm die Anfangsgründe beige-bracht, wie manch anderes im Handling der Natur, erzählt Attila Puszti. Dazu komme Übung. Er schwört, bisher wohl an die 10.000 Früchte beklopft und aufgeschnitten zu haben. Da müsse man es fast 100prozentig drauf haben. Liege er doch mal daneben – Natur kann launisch sein –, räumt Puszti seinen Kunden uneingeschränktes Umtauschrecht ein.

Wachsames Auge des Amtes auf die Melonen aus Brandenburg

 Attila  Puszti

Wir treffen den drahtigen gebürtigen Ungarn, seit drei Jahrzehnten im Brandenburgischen heimisch, vor den Toren von Velten im Landkreis Oberhavel – an der Einfahrt zu einer Tankstelle. Gerade baut er seinen Stand auf. Waage, Kasse, Abfalltonne, das ist schnell gemacht. Die Melonen werden gleich vom Hänger verkauft. Die schützende Hecke ist dicht, der Abstand zu den Zapfsäulen groß, dennoch: eine ungewöhnliche Location. Keine Sorge!, winkt Puszti ab. Im Vorfeld hat das zuständige Amt für Lebensmittelüberwachung bei einem Ortstermin Proben genommen. Rein gar nichts zu beanstanden! Wenngleich – der alte Standort unter einem großen Alleebaum, gleich gegenüber die Anbaufläche, wo man den Melonen fast beim Wachsen zugucken konnte – das hatte Charme.

Dort haben wir uns 2018 getroffen. „Ist vor zwei Jahren mit einem Halteverbot belegt worden“, erzählt Puszti. Der Kundenansturm hatte zu verkehrstechnischen Problemen geführt. Seinerzeit ist er mit dem Bauamt im Gespräch gewesen. Ihm schwebte ein eigener kleiner Hofladen samt Parkplatz vor. Wir bohren nach: Die Idee ist verworfen. Mit Melonen allein hätte er den Laden nicht ganzjährig betreiben können. Schon klar, aber warum nicht weitere Anbieter mit ins Boot nehmen? Er mogelt sich ein wenig um die Antwort herum, Anträge hier, Formalien dort, Behördengänge – dafür sei er nicht gemacht. Später habe ihn die Pandemie verunsichert. Schließlich bringt er es auf den Punkt: „Was ich erreicht habe, habe ich aus eigener Kraft geschafft. Da will ich anknüpfen, mich in Zukunft weiterhin auf die Melonen konzentrieren.“ Und sich, denken wir zu Ende, von keinem reinreden lassen. Lesen wir daraus, dass auch seine Idee, die Schale, die Kerne der Früchte zu interessanten Produkten zu verarbeiten, noch nicht ad acta gelegt ist? Tiefgründiges Lächeln.

Oh Schreck, lass bitte nach

Da wir bei Erinnerungen sind: Wie den Standort habe er auch die Anbaufläche für seine Melonen aus Brandenburg gewechselt. Stimmt, ein riesiger Schreck war uns in die Glieder gerutscht, als wir letzten Sommer an jenem Feld gegenüber dem Alleebaum vorbeigefahren waren: Nichts als Unkraut, flächendeckend! Hatte Puszti aufgeben müssen, war er doch zu ambitioniert gewesen, unter hiesigen Bedingungen, wo die Sommer kühl sein und ins Wasser fallen können, Melonen auf dem Freiland anzubauen? Hatte sich die Kundengunst, dieses launische Wesen, von ihm abgewandt?

Die „Kindermelone“: besonders  süß, wenig Kerne.
Die „Kindermelone“: besonders süß, wenig Kerne.

Puszti hatte von Anfang an enorm Arbeit in die Umsetzung seines Projektes gesteckt, über Jahre Bodenproben genommen, Wärmeaufkommen und Regenmengen in der Wachstumsphase der Melone registriert. Auf dieser Grundlage wurden standortangepasste Samen entwickelt. Er hatte im Pflanzenstadium Pferdemist ausgebracht, hatte händisch gehackt, gewässert, unterstützt von Freunden und seinen beiden Kindern – und am Ende gesiegt.

Insgesamt 20 Tonnen Melonen aus Brandenburg buckelte er bereits in einer der ersten Ernten von dem 20.000 Quadratmeter großen Feld. Allerreinste Bioware regionaler Herkunft und in einer Qualität, mit der das Supermarkteinerlei aus Spanien oder der Türkei nicht ansatzweise mithalten kann. Puszti stellt die Dinge klar: Den Acker habe er nach fünfjähriger Bewirtschaftung aufgeben müssen. Der Boden war trotz fachmännischer Pflege ausgelaugt, Schädlingsbefall und Krankheiten waren aus dem Ruder gelaufen: 50 Prozent Ernteausfall. Puszti konnte ein gleich großes Stück Eigentumsland erwerben, Unland, aber ausgeruht, das er nach und nach von Müll befreite, durch Stallmist, Gründüngung und Humus wieder zu fruchtbarem Boden machte.

Während wir reden, sammeln sich Kauf- und Schaulustige, viele geben sich stolz als Stammkunden zu erkennen. Andere wollen sehen (und schmecken), wie es mit dem Wahrheitsgehalt jener Reportage bestellt ist, die ein Regionalsender am Vorabend über den „Melonenmann“ ausgestrahlt hat. Dritten erklärt Puszti gern, wie der Kilopreis von zwei Euro zustande kommt: Melonenanbau, wie er ihn betreibt, ist Handarbeit. Samensetzen, Wässern, Unkrauthacken, alle drei Tage Schädlingsbekämpfung mit Brennesselsud und was der Tätigkeiten mehr sind. Nach wie vor helfen Tochter Ines, die asiatische Sprachen studiert, und Sohn Leo, der aufs Gymnasium geht. Bei der Ernte unterstützt ihn ein Freund. Auch heißt es immer wieder, einen Pakt mit der Natur zu schließen – nicht stets zu Pusztis Gunsten. Anfang Mai sind etwa 2.000 der 5.000 Jungpflanzen den Spätfrösten zum Opfer gefallen.

Im vorigen Jahr hat der Melonenanbauer erneut 20 Tonnen eingefahren. Diesen Sommer ist die Bilanz verregnet. „Die Blattmasse ist hin, die Früchte werden nicht so groß wie sonst. Den Geschmack beeinträchtigt das aber nicht.“ Puszti rechnet mit 17 Tonnen. Er baut vier Sorten an. Die Tendenz geht zur „Kindermelone“: sehr süß, wenig Kerne.

Eine kleine Fläche hat er dieses Jahr erstmalig mit 500 Samen der gelben Wassermelone bestellt. Die sieht man nicht alle Tage. Entsprechend groß ist das Interesse der etwa 20 Kunden, die allein innerhalb von 90 Minuten an den Stand kommen. Unsereinen zieht es zwar zu anderen Früchten, gleichwohl fühlen wir uns zu einem objektiven Urteil imstande, also Test: Sehr gut. Kein Zuckerwasser, sondern Aroma.

Pusztis‘ Melonen aus Brandenburg werden Flankiert von Paprika und Tomate

Bei unserem ersten Treffen hatte Puszti erwähnt, Tomaten und Paprika, geschmacklich nicht von der Stange, anbauen zu wollen, wenn es mit der Melone läuft. Im vorigen Jahr ist er mit zwei Sorten gestartet – mit positivem Echo. Diesen Sommer stellt er vier zum Verkauf. Der Samen stammt aus seiner (ersten) Heimat Ungarn: Neben den bekannten positiven Inhaltsstoffen (Vitamin C) haben seine Sorten, so Puszti, den Vorzug, leichter verdaulich zu sein als die meisten, die angeboten werden. Rund 3.000 Pflanzen hat er in den Boden gesetzt, etwa 40 Kilogramm erntet er täglich. Den Tomaten freilich hat das Nass von oben sehr schwer zugesetzt. Die Früchte der 500 Pflanzen reifen schlecht oder reißen auf.

Von den alle zwei Tage geernteten Melonen falle trotz der Kundengunst immer ein Überschuss an, sagt Attila Puszti zum Schluss. Den überlässt er zum Beispiel der „Tafel“ oder, auch kostenlos, einem Kindergarten. Manchmal fährt er mit einer Gratis-Hängerladung zum Trainingsplatz der jugendlichen Rugby-Spieler. Bedient euch, Jungs!


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