Brandschaden bei Bad Wilsnack 2018 in Privat- und Stadtwald. (c) Sabine Rübensaat

Der Förster als Feuerwehrmann

Thomas Meyer ist freier Förster und seit zwei Jahren mit der Aufarbeitung von Schäden in den von ihm betreuten Wäldern beschäftigt. Parallel sucht er nach Bäumen, die dort künftig wachsen können.

Von Jörg Möbius

Mit einem geländegängigen Pkw kommt Thomas Meyer pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt. „Ich bin kein Förster im Staatsdienst“, stellt er gleich klar. „Vor fünfzehn Jahren war ich als freier Förster noch ein Exot. Inzwischen sind wir selbstständigen beratenden Unternehmer bekannte Geschäftspartner für Privatwaldbesitzer und Kommunen mit Wald.“ Rund 500 freiberufliche Förster und forstliche Sachverständige sind inzwischen bundesweit tätig und füllen die Lücken, die der Personalabbau in den Staatsforsten hinterlässt. Natürlich haben sie in Deutschland einen eigenen Verband: BvFF Bundesverband Freiberuflicher Forstsachverständiger e. V. „Freie Förster“.

Thomas Meyer in einem Waldstück bei Nauen
Thomas Meyer erklärt, wie der Waldboden streifenweise 
für eine Kombination aus Naturverjüngung und Pflanzung mit 
Forstmulcher und Pflug vorbereitet wurde. (c) Sabine Rübensaat

Die einzelnen Mitglieder sind als freiberufliche Sachverständige oder in Bürogemeinschaften und Unternehmen organisiert. Thomas Meyer hat die Universität Göttingen als Diplom-Forstwirt abgeschlossen. „Ein Förster betreut rund 3.000 Hektar. Ich betreue 6.000 und habe einen Angestellten.“ Größte Auftraggeber sind die Forstbetriebsgemeinschaft Am Butterbach/Prignitz mit rund 1.900 ha Wald und die Stadt Nauen, deren Stadtwald reichlich 1.000 ha umfasst. Dieser Wald steht auf besserem Boden und war bis 2016 auch gut mit Wasser versorgt. Das ist Grundlage für einen abwechslungsreichen Mischwald, in dem zehn Baumarten mit nennenswerten Beständen wachsen. 2017 war der Stadtwald im Herbst total vernässt und das Sturmtief Xavier hatte mit den voll belaubten Bäumen, deren Wurzeln im Wasser teilweise abgestorben waren, leichtes Spiel.

Förster holt geschädigte Fichten aus dem Wald

„In normalen Jahren schlagen wir im Stadtwald 4.000 Festmeter Holz ein, der Sturm legte an einem Tag 8.000 Festmeter flach. Seitdem ist nichts mehr normal hier. Der trockene Sommer 2018 schwächte die Bäume und damit hatte – und hat auch dieses Jahr wieder – der Borkenkäfer vor allem bei Fichten keine Gegenwehr“, so der Stadtförster. Die Bäume können aufgrund des Wassermangels kein Harz bilden, mit dem sie die Käfer selbst bekämpfen. So gab es eine Käferinvasion, viele geschädigte Fichten hat der Stadtförster inzwischen aus dem Stadtwald holen lassen.

Anders sieht es in der Prignitz aus. Dort dominieren Kiefern und Fichten auf weniger gutem Boden. Sie gehören ganz unterschiedlichen Eigentümern. Viele private Eigentümer, vier Kirchgemeinden und eine Stadt mit ihrem Wald haben sich in der Forstbetriebsgemeinschaft „Am Butterbach/Prignitz“ zusammengeschlossen. Ihre bereits erwähnten gut 1.900 ha Wald gehören knapp 130 Eigentümern. Deshalb bewegen sich die Flächen der einzelnen Mitglieder zwischen 0,2 und 175 ha. Das Kerngebiet bilden dabei die Gemarkungen Boddin, Langnow und Schönebeck, wobei sich die weiteren Flächen von Putlitz bis Kyritz beziehungsweise Wolfshagen bis Blumenthal erstrecken und somit ein großes Einzugsgebiet vorliegt. Generell steht die Forstbetriebsgemeinschaft allen Waldbesitzern der Region offen. 

Der jährliche Holzeinschlag liegt bei rund 6.000 fm. Seitens der Forstbetriebsgemeinschaft werden dabei die Flächen vorbereitet, Unternehmer eingewiesen, die Arbeiten kon­trolliert sowie eingeschlagenes Holz aufgemessen und vermarktet. Darüber hinaus berät die FBG ihre Mitglieder in Fördermittelangelegenheiten und plant Pflanz- und Pflegemaßnahmen. 

Holzpreis stark gesunken

Neben der jährlichen Mitgliederversammlung informiert die 1993 gegründete Forstbetriebsgemeinschaft ihre Mitglieder regelmäßig schriftlich über das aktuelle Geschehen, die Lage auf dem Holzmarkt und forstpolitische Themen. Mit dabei ist Jonas Burkhardt, der bei Thomas Meyer angestellte Revierförster der Forstbetriebsgemeinschaft. In Eberswalde hat er das forstliche Studium als Bachelor abgeschlossen. Er arbeitet seit 2013 für die Forstbetriebsgemeinschaft. Damals endete die Betreuung durch einen Förster im Staatsdienst, der in Rente ging. Nun führt er die parzellenscharfe Abrechnung für jeden einzelnen Eigentümer.

Jonas Burkardt
Revierförster Jonas Burkhard (c) privat

„Wir sprechen mit jedem Waldbesitzer die Maßnahmen, die anstehen durch. Letztendlich ist der Waldbesitzer Unternehmer, der ein sehr langfristiges Engagement betreibt. „Wo es keine Schäden gibt, raten wir, jetzt nichts zu tun, sondern die Bäume wachsen zu lassen. Die Forstdienstleister sind überlastet, ebenso ist es bei den Sägewerken. Der Holzüberschuss durch das viele Schadholz hat dazu geführt, dass der Holzpreis von 2017 bis heute auf ein Drittel zurückgegangen ist“, so Burkhardt.

Auch der Wald von Jürgen Plagemann, dem Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaft, war im letzten Jahr mit 500 fm Windwurf betroffen. „Schon seit 1994 pflanzen wir auch Eichen und Buchen nach, aber überwiegend stehen Nadelbäume, die nun teilweise vom Sturm betroffen waren.“

Anfang Juli fand erneut ein Harvestereinsatz auf Mitgliedsflächen der Forstbetriebsgemeinschaft statt. Der Schwerpunkt lag dabei zunächst auf der Aufarbeitung von vereinzelten Windwurfschäden in der Gemarkung Langnow, die im März durch Sturm „Bennet“ verursacht wurden. Darüber hinaus wird in den Gemarkungen Putlitz, Telschow und Schönebeck Käferholz geerntet. Wieder aufgeforstet werden können diese Flächen teilweise auch mit Förderung. Seit Jahresbeginn ist eine neue Richtlinie für die Förderung forstwirtschaftlicher Vorhaben in Kraft. Bei geschädigten Beständen, wie sie nach den Sturmereignissen 2017 und dem Borkenkäferbefall des Vorjahres vielerorts zu finden sind, ist ab sofort auch die Pflanzung von Kiefern förderfähig.

Die Forstbetriebsgemeinschaft ist im Waldbauernverband Brandenburg organisiert. Die Interessenvertretung der kleinen märkischen Waldeigentümer hat beschlossen, mit dem Waldbesitzerverband zu fusionieren. Damit entsteht ein schlagkräftigerer Verband für alle Waldeigentümer.

Welche Bäume neu hinzunehmen?

Beim Gang durch den Wald mit Thomas Meyer ist ihm anzumerken, wie ihn die Schäden bedrücken. „Seit zwei Jahren ist nichts mehr normal in unseren Wäldern. Wir rennen wie die Feuerwehr den Schäden hinterher.“ Dazu kommen die schwierige Vermarktung des Schadholzes und die Suche nach Alternativen bei der Wiederaufforstung. Nicht zu vergessen die Kosten dafür. „Einen Hektar mit Forstmulcher und Pflug für die Wiederaufforstung vorzubereiten, kostet rund 1.400 Euro.“ Deshalb lässt Meyer an manchen Stellen 3 m breite Streifen bearbeiten und dazwischen bleibt der Waldboden auf 10 m Breite, wie er nach der Beräumung geblieben ist.

„Ich setze hier sowohl auf Naturverjüngung, aber wir lassen auch zusätzlich Lärchen und Esskastanien pflanzen“, so der Förster. Wenn auf den 3-m-Streifen junge Bäume mit 3 bis 4 m Höhe stehen, will er dann in den Zwischenräumen weitermachen. „Im Schatten der Streifen sollten es dann Jungpflanzen, egal ob Naturverjüngung oder aktiv gepflanzt, leichter haben. Vielleicht gibt es bis dann auch eine Förderung für die Vorbereitung des Bodens zu Wiederaufforstung.“

Schwere Aufgabe für den Förster

Die Esskastanie ist für Thomas Meyer ein Gewinner des Klimawandels. Im Schatten von Buchen  zeigt er prächtige Bestände, denen die Trockenheit der letzten beiden Jahre nichts anhaben konnte. „Ich würde auch gerne mal Bäume aus Rumänien probieren. Aber das ist nicht zulässig nach Forstvermehrungsgutgesetz.“ Hier sollten die Vorschriften lockerer werden, um zu experimentieren. Ein Ergebnis hat der Waldbesitzer erst nach vielen Jahren, eine schwierige Angelegenheit.

Die Douglasie gilt bei vielen aufgrund ihrer Holzeigenschaften und im Hinblick auf den Klimawandel als eine Wirtschaftsbaumart der Zukunft, insbesondere als Alternative zur Fichte. Naturschützer dagegen sind strikt gegen diesen Baum bei der Wiederaufforstung.

Im Zuge des Waldumbaus hat außerdem die Pflanzung standortgerechter Laubholzarten derzeit oberste Priorität. Wer seinen Forstbetrieb jedoch breit aufstellen und auch mittelfristig Einnahmen generieren möchte, sollte zudem auf Nadelholz setzen. Dazu eignen sich besonders Douglasie, Lärche und die ohnehin bereits dominierende Waldkiefer.

Um bei der Verjüngung der Nadelholzarten Geld zu sparen, kann mittels einer Bodenverwundung auf Naturverjüngung gesetzt werden. Die Kosten für die Bearbeitung mit einem flachen Pflug liegen bei rund 250 €/ha (netto). Im Voraus sollte der Altbestand im Zuge einer Durchforstung aufgelichtet werden. Dies gilt insbesondere für die Lichtbaumart Kiefer.

Ein Wald, aber viele Meinungen und Wünsche

Egal um welchen jungen oder alten noch vitalen Baum es geht, Thomas Meyer hätte da einen Wunsch: „Leichten Dauerregen bis Weihnachten. Die Wasservorräte sind so weit zurückgegangen, dass zu befürchten ist, dass wir nächstes Jahr aufgrund der diesjährigen Trockenheit weitere Schäden haben werden.“ So ist auch auf dem Holzmarkt weiter mit großem Überangebot zu rechnen.



Völlig unverständlich aus diesem Grund ist für ihn, dass im Brandenburger Staatsforst noch planmäßig gesundes Holz geerntet wird, teilweise neben kranken Käferbäumen. „In einigen Bundesländern ist es verboten, gesunde Bestände zu ernten. In Absprache mit den Dienstleistern kann in dieser jetzigen Situation die Arbeit umdisponiert werden.“ Das erscheint logisch und dürfte auch von der Bevölkerung verstanden werden. Bei vielen anderen Fragen zur Waldbewirtschaftung gibt es ja sehr unterschiedliche Meinungen und Wünsche, die nicht immer unter einen Hut zu bringen sind. Letztes Wort haben Gesetzgeber und Eigentümer. Beraten und begleitet werden die Eigentümer von engagierten Fachleuten wie dem freien Förster Thomas Meyer.

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