Studie: Lebensmittelproduktion vor fundamentalem Wandel

Der amerikanischen Denkfabrik RethinkX zufolge sind künstlich hergestellte Lebensmittel schon bald so günstig und gut, dass sie Erzeugnisse aus tierischer Produktion schon bald weitgehend ersetzen werden. Die Folgen sind gravierend.

Laut einer Studie der kalifonischen Denkfabrik RethinkX steht die amerikanische Agrar- und Lebensmittelbranche (und damit auch irgendwann unsere) an der Schwelle zur größten Umwälzung seit der ersten Domestizierung von Pflanzen und Tieren vor zehntausend Jahren. In erster Linie führen ökonomische Gründe zu einer neuen Form der Eiweißproduktion. Mehrere parallele, sich gegenseitig überlappende und beschleunigende Faktoren führen zu dieser Entwicklung. Am wichtigsten sind dabei laut RethinkX zwei technologische Innovationen:

FErmentierte Eiweißprodukte: Die Kosten sinken

Die Präzisionsfermentation (PF) ist ein Prozess, der es programmierten Mikroorganismen ermöglicht, fast jedes komplexe organische Molekül in großem Maßstab herzustellen. Die Kosten sinken exponentiell, da sich die zugrunde liegenden Bio- und Informationstechnologien schnell verbessern. Die Kosten für die Herstellung eines einzelnen Moleküls mit PF sind von 1 Mio. US-$/kg im Jahr 2000 auf heute etwa 100 US-$ gesunken. Unter der Annahme bestehender Technologien und unter Verwendung etablierter Kostenkurven geht der Bericht davon aus, dass diese Kosten bis 2025 unter 10 US-$/kg sinken werden und dass diese Proteine bis 2030 fünfmal billiger sein werden als herkömmliche tierische Proteine und bis 2035 zehn Mal billiger. 

rethinkx studie - fleischersatz
Der Markt der Fleischalternativen wächst (c) Werkbild Impossible Food

Anschließend wählen die Lebensmittelhersteller mithilfe eines innovativen Produktionsmodells namens Food as Software aus einer „Datenbank“ genau die Moleküle aus, die sie für ihre Produkte brauchen. Dies wird zu einem weitaus dezentraleren, lokalisierten Nahrungsmittelproduktionssystem führen, das stabiler und widerstandsfähiger ist als das, das es ersetzt.

Die Studienergebnisse von RethinkX

Die Studie von RethinkX sagt voraus, dass bis 2030 moderne Lebensmittel eine höhere Qualität aufweisen und weniger als die Hälfte kosten werden: Die fermentierten Eiweißprodukte werden in jedem Schlüsselmerkmal dem tierischen Pendant überlegen sein: nahrhafter, gesünder, geschmackvoller und für die Industrie bequemer, mit einer fast unvorstellbaren Vielfalt. 

Die Auswirkungen auf die konventionelle Lebensmittelbranche in den USA sind schwerwiegend. Bis 2030 wird die Nachfrage nach Kuhprodukten um 70 % zurückgegangen sein. Vorher wird die US-Rinderindustrie praktisch bankrott sein. Bis 2035 wird die Nachfrage nach Kuhprodukten sogar um 80 bis 90 % zurückgegangen sein. Andere Fleischmärkte (Huhn, Schwein und Fisch) werden einen ähnlichen Weg einschlagen. Die Milchindustrie steht vor den gleichen Problemen. 

„Die industrielle Viehzucht wird zusammenbrechen”

„3,3 % der Milch (funktioneller Proteinanteil) reichen aus, um den Zusammenbruch der gesamten Kuhmilchindustrie herbeizuführen. Dies ist keine einfache Eins-zu-Eins-Substitution von Endprodukten und hängt auch nicht von der Veränderung des menschlichen Verhaltens ab“, sagt Tony Seba, Mitbegründer und Mitautor von RethinkX. „Die industrielle Viehzucht wird zusammenbrechen, lange bevor wir sehen, dass moderne Technologien das perfekte Zellsteak zu einem wettbewerbsfähigen Preis produzieren.“ In den an der Tierhaltung und -verarbeitung beteiligten Branchen sowie für alle Industrien, die den Sektor unterstützen und beliefern (Düngemittel, Maschinen, Veterinärbranche et cetera), wird es eine enorme Wertvernichtung geben. Die Autoren gehen von mehr als 100 Mrd. US-$ aus. 


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Die Produktionsmengen der US-amerikanischen Rindfleisch- und Milchindustrie sowie ihrer Zulieferer werden bis 2030 um mehr als 50 % und bis 2035 um fast 90 % zurückgehen. Der Bedarf an Soja, Mais und Luzerne wird um mehr als 50 % sinken. Bis 2035 werden etwa 60 % der derzeit für die Vieh- und Futtermittelproduktion genutzten Flächen für andere Nutzungen zur Verfügung stehen. 

Neben sinkenden Lebensmittelkosten für die Verbraucher wird die Umwelt von diesen Entwicklungen profitieren, da die Netto-Treibhausgasemissionen des Sektors bis 2030 um 45 % sinken werden. Andere Themen wie internationale Entwaldung, Artensterben, Wasserknappheit und Wasserverschmutzung durch tierische Abfälle, Hormone und Antibiotika werden ebenfalls verbessert. Bis 2035 könnten die Flächen, die früher für die Herstellung von Tiernahrung in den USA genutzt wurden, zu einer bedeutenden Kohlenstoffsenke werden.



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