Leindotter: Mischanbau muss ins Betriebskonzept passen

Auf dem Landwirtschaftsbetrieb Schulze im brandenburgischen Dolgelin wird seit drei Jahren Leindotter angebaut. Im Laufe der Saisons ist einiges an Erfahrung mit der Kruzifere zusammengekommen. Erik Pilgermann, unser Redakteur für Pflanzenbau, traf Carsten und Stefan Schulze zum Interview.

Die Fragen stellte Erik Pilgermann

Bauernzeitung: Carsten und Stefan, seit wann seid Ihr in der Landwirtschaft aktiv?
Stefan: Eigentlich schon immer, von Kindesbeinen an.
Carsten: Unsere Familie ist 1991 nach Dolgelin gekommen, und unsere Eltern haben im gleichen Jahr den Betrieb gegründet.

Habt Ihr beide die gleiche Ausbildung absolviert oder seid Ihr unterschiedliche Wege gegangen?
Carsten: Ich hab nach der Schule eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert und war dann auf der zweijährigen Fachschule in Celle. Seitdem bin ich auf unserem Betrieb.
Stefan: Wir sind nach der Realschule zu unseren Großeltern nach Niedersachsen gegangen, um dort unser Fachabi und die Ausbildung zu machen. Zu der Zeit war es mit der beruflichen Bildung in unserer Gegend nicht so doll. Es wurde uns während des Schulpraktikums empfohlen, dafür woanders hinzugehen.

Stefan, hast Du auch Landwirt gelernt?
Stefan: Nein, ich hab Kraftfahrzeugmechatroniker bei Mercedes gelernt. Ich bin aber auch seit gut zehn Jahren auf unserem Familienbetrieb.

Perspektivisch werdet Ihr also den Betrieb Eurer Eltern gemeinsam weiterführen?
Stefan: Wir sind bei der Planung der Hofübergabe dabei. Man glaubt gar nicht, auf was man dabei alles achten muss. Vor allem, weil wir eine Biogasanlage im Betrieb haben. Das braucht einiges an Zeit. Aber wir haben gute Berater an Bord.

Habt ihr unter Euch Brüdern die Arbeit auf dem Betrieb aufgeteilt?
Carsten: Nein, jeder muss eigentlich alles können.
Stefan: Wobei mein Bruder schon mehr mit der Spritze und der Drille unterwegs ist.
Carsten: Und wenn irgendwas auf dem Hof kaputt geht, ist das schon eher was für Stefan.
Stefan: Stimmt. Und die Biogasanlagenwartung ist auch eher mein Bereich.

Anbau von Waldstaudenroggen seit über zwanzig Jahren

Wir haben heute auch Euren Waldstaudenroggen angeschaut. Seit wann baut Ihr den an?
Carsten: Wir haben vor zwanzig Jahren damit angefangen. Damals bekamen wir einen Bigbag mit ziemlich dreckigem Roggen und haben entschieden, den auf drei Hektar auszudrillen, dann alles, was an Unkraut aufläuft, rauszuspritzen und ihn zu dreschen. Das ging eine Zeit lang gut, schlief dann aber irgendwie ein, sodass wir, statt zu dreschen, den Waldstaudenroggen zu GPS gemacht haben. Dafür taugt er aber wegen seines hohen Ligningehaltes nicht.

Wofür wird Euer Waldstaudenroggen verwendet?
Carsten: Wir haben hauptsächlich Saatgut vermehrt, das Bestandteil von Wildackermischungen ist. Inzwischen ist er aber auch in Frankreich und Südeuropa in den Greeningmischungen enthalten.
Stefan: Es gibt auch ein paar Mühlen, die ihn verarbeiten. Wir haben hin und wieder mal eine Partie nach Österreich geliefert.

Was ist aber nun das Besondere an dem Getreide?
Stefan: Er wird auch als Johannisroggen bezeichnet. Das bedeutet, ich kann ihn am Johannistag im Juni aussäen und im Herbst schon den ersten Futterschnitt machen. Im Jahr darauf kann ich ihn dann dreschen.
Carsten: So ergibt sich die zweijährige Nutzung.

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Wie wird er im Agrarantrag eingeordnet?
Stefan: Zuerst lief er unter Sonderkulturen. Jetzt steht im Agrarantrag Roggen/Waldroggen.
Carsten: Die zweijährige Nutzung spielt dabei keine Rolle, da als Hauptnutzung das Korn definiert wird. Wir versuchen aber, unseren Antrag so einfach wie möglich zu halten und nur das an Greening anzumelden, was nötig ist. So behalten wir maximal freie Hand bei der Bestandesführung bishin zur Ernte und müssen uns nicht um die Erfüllung von allen möglichen Verordnungen kümmern.

Ihr seid also keine Prämienlandwirte, richtig?
Carsten: Für uns ist die Produktion entscheidend.
Stefan: Bei unseren Standortbedingungen und unseren Kulturen bringen Prämien nichts. Wir wollen die Kultur richtig anbauen und vernünftig ernten. Viele der Einschränkungen von Prämienprogrammen halten uns aber genau davon ab. Wir wollen nicht prämienoptimiert wirtschaften, sondern vernünftige Landwirtschaft betreiben.

Seit drei Jahren Leindotteranbau

Jetzt zum Leindotter. Seit wann baut Ihr den an?
Carsten: 2022 ist unser drittes Anbaujahr.

Was ist aus Eurer Sicht das Besondere an Leindotter als Kultur? Kann man ihn mit anderen Kulturen vergleichen oder muss man sich völlig neu auf ihn einstellen?
Carsten: Er ist eine relativ einfache Frühjahrskultur. Um eine Frühjahrstrockenheit zu überstehen, sollte er schon eine gewisse Größe erreicht haben. Er kann auch ein paar Minusgrade in der Nacht ganz gut ab, weshalb manche ihn schon im März aussäen. Wir drillen ihn aber eher Richtung April.

Video: Praxis-Check Leindotter auf dem Landwirtschaftsbetrieb Schulze

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Wenn man die Hauptanbauformen Mischfrucht und Reinsaat anschaut, welche wäre aus Eurer bisherigen Erfahrung die attraktivste Variante?
Carsten: Bei uns wäre der Einfachheit halber der Anbau in Reinsaat das Beste. Beim Mischfruchtanbau muss man immer bedenken, dass man die Mischungspartner vernünftig trennen und vermarkten oder selbst verwenden können muss.

Bildergalerie: Leindotteranbau

Zwei wichtige Schädlinge. Falscher Mehltau bildet auf Stängeln, Blättern und Schötchen (l. M.) einen weißen Belag aus Konidien. Zugelassen zur Bekämpfung ist das Fungizid Pictor Active. In den Schoten fühlen sich die Larven des Leindotterrüsslers wohl (r.).

Zwei wichtige Schädlinge. Falscher Mehltau bildet auf Stängeln, Blättern und Schötchen einen weißen Belag aus Konidien. Zugelassen zur Bekämpfung ist das Fungizid Pictor Active. (c) Sabine Rübensaat

Zwei wichtige Schädlinge. Falscher Mehltau bildet auf Stängeln, Blättern und Schötchen einen weißen Belag aus Konidien. Zugelassen zur Bekämpfung ist das Fungizid Pictor Active. In den Schoten fühlen sich die Larven des Leindotterrüsslers wohl (3. Bild). (c) Sabine Rübensaat

Zwei wichtige Schädlinge. Falscher Mehltau bildet auf Stängeln, Blättern und Schötchen einen weißen Belag aus Konidien. Zugelassen zur Bekämpfung ist das Fungizid Pictor Active. (c) Sabine Rübensaat

In den Schoten fühlen sich die Larven des Leindotterrüsslers wohl

In den Schoten fühlen sich die Larven des Leindotterrüsslers wohl. (c) Erik Pilgermann

Um diese Körner geht es beim Anbau des Leindotters. Auf der Fläche in Dolgelin (l.) sind die Schötchen schon deutlich weiter gereift als auf der Fläche in Groß Schönebeck (letztes Bild). (c) Sabine Rübensaat

Um diese Körner geht es beim Anbau des Leindotters. Auf der Fläche in Dolgelin (l.) sind die Schötchen schon deutlich weiter gereift als auf der Fläche in Groß Schönebeck (letztes Bild). (c) Sabine Rübensaat

Um diese Körner geht es beim Anbau des Leindotters. Auf der Fläche in Dolgelin (l.) sind die Schötchen schon deutlich weiter gereift als auf der Flächein Groß Schönebeck (letztes Bild).

Um diese Körner geht es beim Anbau des Leindotters. Auf der Fläche in Dolgelin (l.) sind die Schötchen schon deutlich weiter gereift als auf der Fläche in Groß Schönebeck (letztes Bild). (c) Sabine Rübensaat

Um diese Körner geht es beim Anbau des Leindotters. Auf der Fläche in Dolgelin (l.) sind die Schötchen schon deutlich weiter gereift als auf der Fläche in Groß Schönebeck (letztes Bild). (c) Sabine Rübensaat

Um diese Körner geht es beim Anbau des Leindotters. Auf der Fläche in Dolgelin (l.) sind die Schötchen schon deutlich weiter gereift als auf der Fläche in Groß Schönebeck (letztes Bild). (c) Sabine Rübensaat

Mehrmals im Jahr treffen sich die Berufskollegen aus der Nachbarschaft zum fachlichen Austausch, hier im Waldstaudenroggen der Schulzes. (c) Sabine Rübensaat

Mehrmals im Jahr treffen sich die Berufskollegen aus der Nachbarschaft zum fachlichen Austausch, hier im Waldstaudenroggen der Schulzes. (c) Sabine Rübensaat

Also sollte man am besten über eine hofeigene Reinigung verfügen?
Stefan: Grobes Reinigen kommt immer mehr in Gebrauch, da wir häufig schwankende Witterung zu Ernte haben. Man kann so Besatz und unreife Körner aus dem Erntegut entfernen und vermarktungsfähige Partien zusammenstellen.
Carsten: Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass man für eine Reinigung Personal benötigt, das in der Lage ist, sie zu bedienen. Außerdem brauche ich Zeit und Lagermöglichkeiten. Eine Reinigung muss insgesamt in den Betrieb passen. Für eine einzelne Kultur lohnt sich der Schritt nicht. Genauso muss Mischanbau ins Betriebskonzept passen.

Wie schätzt Ihr die Leindottersaison 2022 im Vergleich zu Euren anderen Anbaujahren ein?
Stefan: Den Umständen entsprechend läuft die Saison ganz gut.
Carsten: Wenn man die drei Jahre betrachtet, lief das erste Jahr richtig gut. Da haben wir im Grunde nur gedrillt, etwas Dünger gestreut und am Ende fast zwei Tonnen pro Hektar Leindotter geerntet. Im zweiten Jahr haben wir es wegen eines Spritzfehlers mit Herbizid verbockt, denn Leindotter ist wirklich empfindlich. In diesem Jahr nun hat das Wetter uns sozusagen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber wir waren erstaunt, wie viele Pflanzen wiedergekommen sind und wie robust Leindotter gegen widrige Witterung doch ist.

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Leindotterernte (c) Sabine Rübensaat

Nächster Versuch Kichererbsen?

Ihr habt mit Waldstaudenroggen und Leindotter zwei „Spezialkulturen“ im Anbau. Ist es damit genug oder guckt Ihr Euch schon nach der nächsten Nische um?
Carsten: Wir gucken tatsächlich sehr genau auf die Entwicklungen und haben auch schon über Kichererbsen nachgedacht. Mit unseren knapp 400 Hektar brauchen wir uns nicht am Raps- oder Weizenanbau versuchen.
Stefan: Das passt für uns nicht. Da müsste eine andere Größenordnung Fläche her, damit sich die Zahlen drehen. Wir müssen in der Nische bleiben, wenn das Preissegment stimmen soll. Aber egal wie, das Wichtigste ist, sich von Anfang an um die Vermarktung zu kümmern.


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Mythos oder Wahrheit: Springen Wölfe wirklich über jeden Zaun und machen Herdenschutz wirkungslos?

Wie kaum ein anderes Tier eignet sich der Wolf dazu Diskussionen emotional aufzuladen. Alte Märchen werden reanimiert, neue Mythen werden erfunden. Doch stimmt es, dass Wölfe über jeden Zaun springen und sich immer mehr bewohnten Gebieten annähern? Wir haben einem Experten fünf weitverbreitete Aussagen zum Wolf vorgelegt und um seine Einschätzung gebeten. 

Die Fragen stellte Annelie Neumann

Am 11. Juni 2022 fand unser hybrider und kostenfreier Praxis-Talk statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Herdenschutz von Weidetieren gelingen kann. Einer unserer Gäste ist Prof. Dr. Dr. habil. Sven Herzog. Der Experte für Wildökologie und Jagdwirtschaft der TU Dresden hat fünf populäre Aussagen über den Wolf für die Bauernzeitung eingeschätzt.

Porträtbild Sven Herzog
© Prof. Dr. Doris Krabel

Unser Experte
Prof. Dr. Dr. habil. Sven Herzog ist gelernter Förster und Arzt und derzeit als Vertreter des Faches Wildökologie an der Technischen Universität Dresden neben vielen anderen Themen immer wieder auch mit den Herausforderungen befasst, welche die Anwesenheit großer Prädatoren im unmittelbaren Umfeld des Menschen mit sich bringt. 

Für ihn sind die zugrundeliegenden Probleme meist ähnlich, egal, ob es sich um Wölfe in Deutschland oder Tiger in Indonesien handelt.

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1. Wölfe springen über (jeden) Zaun und machen Herdenschutz wirkungslos.

Nicht über jeden Zaun. Aber sie sind sehr lernfähig. Wenn wir sehen, welche Zäune es braucht, um Wölfe in Gehegen zu halten (und die sind meist gut gefüttert und nicht hungrig!), dann erkennen wir, wohin ein gegenseitiges Wettrüsten ausschließlich über die Maßnahme „Zaun“ führt. Da sind zahlreiche weitere Maßnahmen erforderlich, welcher Art auch immer.

2. Ein Wolf hat ein Weidetier gerissen. Ist er damit nun per se ein „Problemwolf“ bzw. wann wird ein Wolf zum „Problemwolf“, der abgeschossen gehört?

Der Begriff des „Problemwolfes“ ist ausgesprochen unglücklich gewählt. Die meisten sogenannten „Problemwölfe“ sind gesunde Wölfe, die ihre Lektion, wie man leicht und gefahrlos an Beute kommt, sehr schnell und besser als andere gelernt haben. Echte Problemwölfe, die etwa ein körperliches Handicap haben oder sonst krank sind, sind eher die Ausnahme. Diese sollte man entnehmen. Wichtiger als über Problemwölfe zu diskutieren wäre es, daran zu arbeiten, die Scheu der Tiere aufrecht zu erhalten.

3. Eine konfliktarme Koexistenz von „Mensch und Wolf“ war in der Evolution noch nie möglich – und wird es auch jetzt nicht geben können.

Konfliktarm ist schon möglich, das zeigen viele andere europäische Länder. Völlig konfliktfrei sicher nicht. Wobei sich die Konflikte letztlich immer zwischen unterschiedlichen Gruppen von Menschen mit unterschiedlichen Interessen abspielen.

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4. Die Anwesenheit des Wolfes wirkt sich positiv auf den Wildbestand aus.

Vorab: „Positiv“ aus Sicht des Wildbiologen heißt klar, dass der Wildbestand steigt. (Aber wir sind in der Bauernzeitung, daher ist es vermutlich anders gemeint.) Selbstverständlich werde die Hauptbeutearten, Rehwild, Rotwild, Schwarzwild durch den Wolf nicht mehr, sondern weniger. Doch er diese – von Ausnahmen abgesehen – nicht ausrotten. Das Mufflon ist so eine Ausnahme. Allerdings nehmen die Wilddichten ab und die Bejagung wird schwieriger.

Ob die Wildschäden durch den Wolf weniger werden, ist eine offene Frage. Möglicherweise ändert das Wild sein Verhalten so, dass zumindest lokal sogar mehr Schäden auftreten. Diese Frage untersuchen wir gerade in einem großen Freilandprojekt.

5. Der Wolf nähert sich immer mehr bewohnten Gebieten an.

Das ist abzusehen. Wie gesagt, Wölfe sind sehr lernfähig, und es ist leichter, Nutztiere oder auch Abfälle zu erbeuten als möglicherweise wehrhafte Wildtiere. Das ist völlig normal und aus Sicht eines Wolfes auch verständlich: Ein gebrochenes Bein, eine infizierte Wunde können für einen Wolf in der Natur das Todesurteil bedeuten. Eine Verstädterung von Wölfen kennen wir beispielsweise aus Rumänien. Wie gesagt, eine der Hauptaufgaben des Wolfsmanagements sehe ich darin, diesen Tendenzen entgegenzuwirken.


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Achtung vor dem Frühlingskreuzkraut

Im Gegensatz zum im Hochsommer blühenden Jakobskreuzkraut ist das Frühlingskreuzkraut in Brandenburg noch relativ unbekannt. Allerdings sollte auch seine Ausbreitung auf Weiden ebenso schnell eingedämmt werden.

Von Dr. Jens Radtke, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e. V.

Das im Hochsommer blühende Jakobskreuzkraut hat sich bekanntermaßen auf extensiv bewirtschaftetem Grünland und stillgelegten Ackerflächen regional stark ausgebreitet.

Die darin enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide (PAs) können zumindest bei Pferd, Rind und Mensch leberschädigend wirken. Der PA-Gehalt des Frühlingskreuzkrautes (Senecio vernalis) ist ähnlich dem von Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea).

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Frühlingskreuzkraut unbedingt rechtzeitig entfernen

Als fremdländische Pflanze (Neophyt) besiedelt es insbesondere sandige Trockenrasen, Ödland und Ruderalflächen. Zunehmend erscheint es an Straßenrändern, Wegen und auf Schotterflächen. Von dort breitet es sich in Wiesen und Weiden aus.

Die Ausbreitung des Frühlingskreuzkrautes sollte frühzeitig eingedämmt werden. (c) Dr. Jens Radtke

Weidetiere meiden es. Allerdings können sie es im Heu nicht mehr erkennen. Daher gilt: Wehret den Anfängen. Solange das Frühlingskreuzkraut noch keine größeren Bestände gebildet hat, lässt es sich während der Blüte durch tiefes Ergreifen samt Wurzel herausreißen. So wird seine Ausbreitung verhindert oder zumindest eingedämmt.

Da es schnell zur Notreife von Samen kommt, dürfen die Pflanzen keinesfalls liegen bleiben, sondern müssen unschädlich beseitigt werden, z. B. mit dem Hausmüll. Mahd oder Mulchen müssten vor (!) der Blüte erfolgen. Größere Mengen können auch über Biogas-Anlagen unschädlich gemacht werden. Andere Bekämpfungsmaßnahmen sind bisher wenig erfolgreich.

Frühlingskreuzkraut: So erkennt man es

Als gelbblühender Korbblütler mit beblättertem Stängel ist es von den ebenfalls derzeit gelb blühenden Wildkräutern Löwenzahn (Taraxacum spec.) und Schöllkraut (Chelidonium majus) sicher zu unterscheiden. Die wechselständigen Blätter sind meist mit watteartigen Fäden dürftig bedeckt.

Die Sprossachse kann sowohl einstängelig bleiben und am Ende nur einen Blütenkopf ausbilden, oft teilt sie sich vielfach. Die Wuchshöhe liegt bei 15 bis 45 cm. Mit zunehmender Wuchshöhe der Gräser wird es daher schwer erkennbar.

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Mit etwas Geduld lassen sich die Blutbär genannten Falter bzw. deren Raupen etablieren. Ihnen kann das giftige Kraut nichts anhaben. (c) IMAGO/IMAGEBROKER/ERHARD NERGER

Paludikultur: Klimaschutz und nasse Bewirtschaftung

Um den Klimaschutz zu unterstützen, sollen Moorböden wiedervernässt werden. Das bedeutet viele Veränderungen für die Landnutzer. Steigt der Wasserspiegel, beginnt die nasse Bewirtschaftung.

Von Nicole Paul, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)

Trockengelegte, bewirtschaftete Moorböden sind einer der größten Klimatreiber in der Landwirtschaft. Hier würden sich Treibhausgaseinsparungen am schnellsten und wirksamsten erreichen lassen (Abb. 1). Allerdings stellt die Anhebung der Wasserstände die Landwirtschaft vor große Herausforderungen.

In Brandenburg begann man schon vor über 20 Jahren mit der Wiedervernässung erster Moorgebiete. Mit zunehmender Bedeutung des Klimaschutzes kommt jetzt mehr Schwung in diesen Prozess: Die Arge Klimamoor wurde vom Landesamt für Umwelt (LfU) damit beauftragt, in großflächigen Moorgebieten die Umstellung auf eine nasse Bewirtschaftung anzuschieben. Gemeinsam mit den Landwirten sollen dafür neue Bewirtschaftungsformen und Verwertungsmöglichkeiten entwickelt und etabliert werden. Erklärtes Ziel ist, dass Landwirte von den nassen Mooren leben können.

Moorböden in Brandenburg

Im ersten Schritt setzt die Arge Maßnahmen auf 6.427 ha um, bis 2026 sollen noch rund zehn weitere Gebiete hinzukommen. Rund 265.000 ha organische Böden gibt es in Brandenburg, dabei handelt es sich überwiegend um Moorböden. Der Großteil davon wird derzeit noch entwässert, etwa 167.000 ha befinden sich in landwirtschaftlicher Nutzung.

Um das im Bundes-Klimaschutzgesetz verankerte politische Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, sind im Land nahezu alle organischen Böden für die Wiedervernässung in den Blick zu nehmen. „Allein bis 2030 ist für die Emissionsreduzierung, die die Bund-Länder-Zielvereinbarung Moorbodenschutz vorsieht, eine Wasserspiegelanhebung von rund 35 cm auf etwa 47.000 ha im Land erforderlich“, erklärt Dr. Lukas Landgraf vom LfU.

Gemeinwohl gegen Individualinteressen

Christina Grätz, Koordinatorin der Arge Klimamoor, glaubt nicht, dass sich die Landwirtschaft dauerhaft gegen diese Pläne stemmen kann. „Ich komme selbst aus der Lausitz aus dem Braunkohlegebiet. Als ich zwölf Jahre alt war, wurde unser Dorf abgebaggert. Später habe ich erfolglos gegen den Abriss weiterer Dörfer gekämpft.

Ich hätte niemals gedacht, dass der Ausstieg aus der Braunkohle einmal beschlossen wird, und genau das ist jetzt aus Klimaschutzgründen passiert, obwohl damit viele Arbeitsplätze verloren gehen. Das Gemeinwohl wird in solchen Fällen höher als die individuellen Interessen bewertet“, so Grätz.

Zu einer Abwägung öffentlicher und privatrechtlicher Interessen werde es auch in den Planfeststellungsverfahren kommen, die für langfristige Anhebungen der Wasserstände erforderlich sind, erklärt die Biologin. Ihre Prognose: „Wenn Eingriffe auf nur sieben Prozent der Flächen ausreichen, um etwa 30 % der landwirtschaftlichen Klimaemissionen zu reduzieren, dann kann man sich ausrechnen, was die Politik machen wird.“

Dass diese jetzt noch davon ausgehe, alle Wiedervernässungen seien rein freiwillig, sei vielleicht Wunschdenken, aber nicht durchzuhalten, findet Grätz, denn das werde nicht ausreichen. Es sei auch nicht fair gegenüber den Landnutzern, dadurch Umstellungszeit für die Betriebe verstreichen zu lassen, weil manche von ihnen so noch lieber abwarten werden.

Appell „aktiv werden“ an Landwirte

Sie sieht es als extrem wichtig an, dass sich die Landwirte dem Thema jetzt aktiv stellen. Mitspielen, statt am Spielfeldrand stehen, so ihre Devise. Noch sei Zeit, Perspektiven zu entwickeln, Projekte wie das der Arge Klimamoor können dabei helfen. „Wir reden mit jedem einzelnen Betrieb, gucken uns dessen Situation genau an und suchen nach Lösungen.“

Mit 70 Betrieben hat die Arge bereits gesprochen. Manche Eigentümer sind bereit, an das Land zu verkaufen. Vorher werden die Pächter dieser Flächen angehört. Wenn eine Vernässung mit deren Vorstellungen kollidiert, entscheidet letztlich die öffentliche Hand.

Wer bereit ist, eigene oder gepachtete, wiedervernässte Flächen langfristig weiter zu bewirtschaften, bekommt in der Umstellungsphase Unterstützung. Wer nicht verkaufen will, für den wird ein Flächentausch mit Flächen des Landes oder mit Flächen anderer Landwirte geprüft.

Sonderfall Milchproduktion

Schwer ist vor allem die Situation einiger Milchviehbetriebe. Es gibt Landwirte, die sind mit Leib und Seele Tierhalter, sie wollen Gras für Kühe und nicht Schilf für Baustoffe anbauen. Dazu gehören auch die Gewinner des Ceres-Awards 2021, Paul und Stephen Costello. Die gebürtigen Iren erzeugen Brandenburger Weidemilch nach irischem Vorbild, ihre Kühe stehen das ganze Jahr über draußen.

Die 400 ha Grünland dafür liegen im Projektgebiet im Polder Netzen westlich von Potsdam. Die Costello-Brüder möchten ihre mit großem Engagement aufgebaute Tierhaltung, die auch den politischen Wünschen nach mehr Tierwohl entspricht, dort nur ungern wieder aufgeben. Ironischerweise ist die Weidemilch im Vergleich zur konventionellen Milchviehhaltung ebenfalls klimafreundlicher.

Grünland bewässern mit Wasserüberschuss

„Für uns ist ein Tausch mit Flächen außerhalb des Projektgebietes keine Option. Wir brauchen das Grünland in der Nähe des Melkstandes. Wir finden stattdessen folgende Idee überlegenswert, nicht nur für unseren eigenen Betrieb: Überschüssiges Wasser im Winter könnte zwischengespeichert werden, z. B. in Gräben, natürlichen oder künstlichen Seen, um damit Grünland im Sommer zu bewässern, das wird in Australien schon so gemacht. Auf diese Weise würden die Wasserstände im Sommer ansteigen, aber eine Beweidung trotzdem möglich bleiben.“

Ein ganzjähriger Wasserstand von -40 bis -30 cm statt der angestrebten -20 cm im Sommer und +20 cm im Winter – damit könnten die Costellos leben. Auf diese Art ließe sich auch Acker in Grünland umwandeln, um regional, klimafreundlich und tiergerecht Milch zu erzeugen, geben sie zu bedenken.

Im Projekt SWAMPS und im Modellprojekt Gnarrenburger Moor in Niedersachsen wurden bereits Ansätze erprobt, die dem Costello-Vorschlag nahekommen. Dort standen Grabenanstau und Unterflurbewässerung jeweils im Sommer auf noch befahrbarem Grünland im Hoch- und Niedermoor auf dem Prüfstand (bei der Unterflurbewässerung gelangt Wasser über eng verlegte, eingestaute Dränrohre in die Fläche).

Die sommerlichen Wasserstände wurden von ursprünglich ca. 0,8 bis 0,4 m auf ein Niveau von ca. 0,4 bis 0,3 m unter Geländeoberkante angehoben, die Bewirtschaftung erfolgte weiterhin intensiv mit Düngung und bis zu vier Schnitten im Jahr.

In den Trockenjahren 2018 und 2019 erwiesen sich die Versuchsflächen als ertragsstabiler und blieben trotzdem mit leichter Technik gut befahrbar. In den CO2-Messungen ließen sich jedoch leider keine merklichen Emissions-Minderungen nachweisen. Wahrscheinlich hat die Wasserstandsanhebung dafür nicht ausgereicht.

Dennoch: Für die Costello-Brüder wäre ein Wasserstand nahe der Geländeoberfläche existenz-bedrohend. „Wir könnten unseren Betrieb dichtmachen.“ Christina Grätz beschäftigen solche Fälle stark. Sie kann die Landwirte gut verstehen, sucht aber auch nach Lösungen.

„Verdienstausfälle müssen den Bauern auf jeden Fall ersetzt werden. Ob das vom Bund, vom Land, durch Preisaufschläge auf „Klimamoor-Milch“ oder durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten passiert, ist zweitrangig. Fakt ist aber: Wenn Landwirte irgendwann CO2-Zertifikate für die Bewirtschaftung trockener Moore erwerben müssen – und das kann durchaus kommen – dann ist das auf jeden Fall ihr wirtschaftliches Ende.“

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Teufelskreis der Moornutzung

Für die Wiedervernässung sprechen weitere Gründe. Beispiel Rhinluch: Die Basis des zweitgrößten Moores Brandenburgs (das größte Moor ist das benachbarte Havelländische Luch) besteht im Zentrum aus Kalkmudde. Mit der nacheiszeitlichen Ablagerung von Elb- und Havelsedimenten entstand um den zentralen Kalkmuddesee ein riesiges Versumpfungsmoor.

Seit der Trockenlegung schrumpft die Mächtigkeit dieser Schicht jedes Jahr durch Torfoxidation um bis zu 1,2 cm. Im Rhinluch stößt man heute schon an manchen Stellen auf die darunterliegende Kalkmudde, auf der Pflanzen nur schlecht gedeihen können.

Generell ist die Bodendegradation auf genutzten Moorböden ein Problem. Die durch Entwässerung verursachten Prozesse Sackung, Schrumpfung und oxidativer Torfschwund können zu einer erheblichen Absenkung des Bodenniveaus führen. Damit sinkt der Abstand zum Grundwasserspiegel, was schließlich eine erneute, tiefere Entwässerung erfordert.

Im Anschluss kommt es zu weiteren Höhenverlusten usw. – der Prozess wurde vom Bodenkundler Herbert Kuntze als „Teufelskreis der Moornutzung“ bezeichnet. Einher geht er mit einer Strukturverschlechterung des Bodens. So weisen viele Böden ab einer Tiefe von 15 bis 30 cm verdichtete Schichten auf, die nach Niederschlägen auch bei niedrigem Grundwasserstand zu Staunässe führen können.

Nach Hochrechnungen von Prof. Jutta Zeitz drohen bei Fortsetzung der aktuellen Wirtschaftsweise bis zum Jahr 2035 50 % aller Torfböden (definiert als mind. 30 cm mächtige Torfauflagen) in Brandenburg durch Torfschwund verloren zu gehen (Abb. 2).

Nasse Moore mit Abkühlungseffekt auf das Kleinklima

Häufig wird die Regulationsfunktion intakter Moore bezüglich des Landschaftswasserhaushaltes betont. Moore werden als eine Art Puffer beschrieben, der Wasser im Falle eines Überangebotes aufnehmen und es in trockenen Zeiten wieder an seine Umgebung abgeben kann. Man weiß heute, dass nur bestimmte Moortypen diese „Schwammfunktion“ in ausgeprägter Form aufweisen.

Bei Standmooren sind hingegen die reliefbedingten Oberflächenwasserspeicher von großer Bedeutung. „Unterm Strich steht außer Frage, dass wiedervernässte Niedermoore den Wasserhaushalt im Einzugsgebiet positiv beeinflussen. Forschungsbedarf besteht aber noch zum Ausmaß dieser Rückkopplungseffekte“, erklärt Lukas Landgraf vom LfU.

Unbestritten ist auch, dass nasse Moore einen abkühlenden Effekt auf das Kleinklima haben. Das Land Brandenburg möchte diese Aspekte näher untersuchen lassen und bereitet aktuell entsprechende Projekte vor. „Wir erwarten uns davon viele aufschlussreiche Erkenntnisse auch zur Klimaresilienz, also zur Widerstandsfähigkeit nasser Landschaften gegen den Klimawandel. Und zwar sowohl auf den Moorflächen selbst, als auch in deren Umfeld“, so Landgraf.

Wertschöpfung von nassen Flächen

Bas Spanjers ist in der Arge Klimamoor für das Thema Paludikultur zuständig, also die Bewirtschaftung nasser Flächen mit dafür geeigneten Pflanzen und die Erzeugung von Produkten daraus. Der aus den Niederlanden stammende Hydrologe baut derzeit ein Netzwerk in diesem Bereich auf.

„Zusammen mit den Unternehmen und Forschungsinstituten versuchen wir neue Verwertungsketten mit Paludikulturen zu entwickeln, damit die Landwirte einen guten Preis für die Moorbiomasse bekommen. Ein wichtiger Projektpartner ist dabei das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) aus Potsdam. Schon jetzt interessieren sich sehr viele Unternehmen für Rohstoffe aus dem Moor. Allerdings befinden sich viele Entwicklungen derzeit noch in einer Phase kurz vor oder kurz nach dem Markteintritt, die damit verbundene Nachfrage nach Biomasse ist deshalb noch nicht sehr groß. Ich denke aber, dass einige Ansätze in absehbarer Zeit zu einem größeren Durchbruch kommen“, erklärt Spanjers.

Wärme aus Schilf kann funktionieren

Ein Beispiel einer Paludikultur-Wertschöpfungskette ist die Wärmeerzeugung aus Landschaftspflegematerial. Sowohl im mecklenburgischen Malchin als auch im brandenburgischen Göritz im Spreewald stehen bereits Praxis-Anlagen. Gegen die Malchiner Anlage mit 800 kW Feuerungsleistung und einer jährlichen Rohstoffproduktion auf rund 400 ha nimmt sich die Göritzer Heizung mit 200 kW etwas kleiner aus.

Für Thomas Goebel, Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH, ist sie die optimale Lösung zur Verwertung seiner 40 ha Grünland. Die Flächen liegen im Biosphärenreservat Spreewald in der Schutzzone II, in der Weidetierhaltung nicht erwünscht ist. Dort wurde schon in den 90er-Jahren der Wasserstand auf 30 cm unter Flur angehoben, es wachsen inzwischen überwiegend Sauergräser, Seggen, Schilf, auf den trockeneren Bereichen auch Disteln und diverse Kräuter.

Goebel hat sich bewusst für einen Vergaserkessel und nicht für einen Verbrenner entschieden, da ersterer mit dem inhomogenen Brennstoff besser zurechtkommt und keine aufwendige Ballenöffnung und Zerkleinerung benötigt. Für die Ernte, die im September erfolgt, nutzt der Landwirt herkömmliche Heutechnik, die mit Breitreifen ausgestattet ist.

Mit der Wärme beheizt er die Wirtschaftsgebäude der Agrar GmbH, insgesamt 3.000 m². Jährlich 150 bis 200 t Landschaftspflegematerial werden auf diese Weise sinnvoll verwertet und ersetzen ein Äquivalent von rund 60.000 – 80.000 l Heizöl.

„Die Wärmeerzeugung aus Landschaftspflegematerial spielt in unserem Einkommens-Mix eine wichtige Rolle. Wir versuchen, uns breit aufzustellen. Landwirte, die in Brandenburg überwiegend in Schutzgebieten wirtschaften, können schwer allein von der Lebensmittelproduktion leben“, so Thomas Goebel.

In Göritz kommt ein Strohvergaser der Firma Herlt zum Einsatz, der technisch auf Paludi-Biomasse angepasst wurde. Für die Vergasung darf der Restfeuchtegehalt der Biomasse 15 % nicht übersteigen – was durch Ernte und Trocknung auf dem Feld im September erreicht wird.

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Großer Anteil an Landwirten zur nassen Bewirtschaftung in Brandenburg bereit

Brandenburg umfasst eine landwirtschaftliche Fläche von rund 1,3 Mio. ha. Vor Beginn der großen Meliorationsmaßnahmen ab dem 18. Jahrhundert gab es im Land noch geschätzte 300.000 ha Moore und andere organische Böden, von denen heute noch etwa 265.000 ha existieren, die zum Großteil für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung trockengelegt sind.

Hier soll die Geschichte gleichsam umgedreht und die Flächen wieder „nass gemacht“ werden. Wie ist die Akzeptanz der Landnutzer? Lukas Landgraf sagt: „Es gibt einen großen Anteil an Landwirten, die zur nassen Bewirtschaftung bereit wären. Dieser Wandlungsprozess ist in den letzten Jahren tatsächlich feststellbar.“

Diese Landwirte wünschten sich vor allem längerfristige Perspektiven zur Bewirtschaftung und Verwertung. Hier sei auch das Land in der Pflicht, Gelder zur Unterstützung des Transformationsprozesses bereitzustellen. „Zur stofflichen Verwertung der vorhandenen Grünlandbiomasse gibt es viele Ideen und auch funktionierende Methoden, aber wir müssen nun dringend in die Umsetzungsphase starten“, so Landgraf weiter. Ab 2023 sollen Anbau und Nutzung von Paludi-Biomasse im Zuge der neuen GAP beihilfefähig sein.

Ergänzend plant Brandenburg die Förderrichtlinie „Klima-Moorschutzinvestiv“. Sie soll im ersten Quartal 2022 in Kraft treten und unter anderem die nasse Bewirtschaftung von Moorböden und die Verwertung der Biomasse unterstützen.

Über die Agrarumweltmaßnahme „Moorschonende Stauhaltung“ können Landwirte schon jetzt Fördermittel erhalten, dieses Instrument soll künftig noch erweitert werden. Es bezieht sich jedoch nur auf Grünland und gilt nicht für Paludikulturen. Es ist noch eine weitere Förderrichtlinie eigens für Paludikulturen und deren Verwertung geplant.

Wiedervernässung – Ein Fazit

Aus Klimaschutzsicht ist der jetzt begonnene Prozess der Wiedervernässung wichtig. Es bleiben aber noch Fragen offen:

Für beides gilt es, Lösungen zu finden, um Tierwohl, Biodiversitäts- und Klimaschutz nicht gegeneinander auszuspielen. Immerhin ist ein Großteil der betroffenen Flächen Grünland. Die Zeit, auf all diese Fragen Antworten zu finden, drängt.





Weitere Nachrichten aus den Bundesländern

Junglandwirt, der genau weiß, was er will

Jonas Klänhammer möchte in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten. Noch ist der 23-Jährige im elterlichen Familienbetrieb angestellt. Später soll jedoch aus seinem Nebenerwerbsbetrieb in Penkun ein Vollerwerb werden.

Von Elke Ehlers

Ein großes Transparent begrüßt jeden, der am Ortsausgang von Penkun auf den Klänhammer-Hof kommt: „Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern ernähren auch dich“ – eine Botschaft, hinter der die ganze Familie steht. Seit Generationen sind sie Landwirte in der Region bei Pasewalk. Großvater und Urgroßvater hatten dort einen Hof, Vater Bernd und sein Bruder Friedhelm machten sich nach 1990 als Wiedereinrichter selbstständig.

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Ziel: Vom Neben- in den Haupterwerb

Und nun tritt Jonas Klänhammer in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Bereits als Student gründete er einen Nebenerwerbsbetrieb, aus dem später ein Vollerwerb werden soll. Verantwortung für einen eigenen Hof tragen, das habe ihn gereizt, erzählt der 23-Jährige. 40 Hektar verpachteten die Eltern ihm dafür, nur ein paar Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. „Wir wollten ihn damit auch an den Betrieb binden, die Generationsfolge sichern“, sagt Vater Bernd. So kann der Sohn selbst Entscheidungen treffen und auch Dinge ausprobieren, die der Vater vielleicht anders machen würde.

Hauptberuflich ist der Junior seit Oktober 2021 im väterlichen Betrieb angestellt. Dabei konnte sich der Bauernsohn zeitweise auch ein Maschinenbaustudium und eine Zukunft in der Autobranche vorstellen. Als Jugendlicher sei er „richtig autovernarrt“ gewesen, erinnert sich Jonas.

Studium an der Humboldt-Universität ist Familientradition

Steine hätten ihm seine Eltern bei der Berufswahl nicht in den Weg gelegt. Denn für den Hof gibt es in der Familie auch eine gute Alternative: Schwester Sarah, die in Neubrandenburg beim Landesbauernverband arbeitet, hat ebenfalls Landwirtschaft studiert und ist mit einem Landwirt verheiratet. Letztlich entschied sich Jonas dann doch für Ackerbau und Viehzucht. „Ich finde es spektakulär, wie Pflanzen sich von der Aussaat bis zur Ernte jedes Jahr entwickeln“, sagt der Vorpommer. Und den Hang zur Technik muss er ja nicht aufgeben. „Ich sitze doch oft auf dem Traktor oder schraube an etwas.“

Der Hof in Penkun – das bedeutet eine Zukunft in einer Kleinstadt mit gerade mal 1.500 Einwohnern im äußersten Winkel Mecklenburg-Vorpommerns. Wollte der junge Mann niemals weg? „Doch, doch“, sagt Jonas und lacht. „Deshalb bin ich fürs Bachelorstudium nach Berlin gegangen.“ Dort konnte er neue Leute kennenlernen, etwas erleben, seine Abenteuerlust ausleben. „Die Zeit in der Großstadt habe ich wirklich sehr genossen.“

An der Humboldt-Universität hatten vor ihm schon viele Klänhammers studiert: Vater, Großvater, Onkel, Tante, Cousin. „Auch das ist bei uns quasi Familientradition“, meint der Junglandwirt.

Student und Landwirt im Nebenerwerb

Für die Master-Semester zog es ihn dann aber wieder zurück in den Nordosten, nach Neubrandenburg. Dort konnte er parallel zum Studium schon Landwirt sein – im eigenen Nebenerwerbsbetrieb. Zwei Färsen, die der Onkel ihm 2018 überließ, wurden der Grundstock für seine Mutterkuhherde, die inzwischen rund 20 Tiere zählt. „Tiere gehören für mich zum Betriebskonzept“, sagt der junge Betriebsleiter. In seiner Masterarbeit betreute er einen Agrarbetrieb, der die Schweinehaltung auf Strohschweine umstellt …

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Gutes Melken und viel Tierwohl

Familie Möller hat in Baarz an der Elbe einen modernen Kuhstall mit vier Melkrobotern der neuesten Generation errichtet. Auch die Liegeflächen und Lüftung der Möller GbR punkten beim Tierwohl.

Von Fritz Fleege

Beim Eintreffen auf dem Hof werden wir zunächst vom jungen Landwirt Christoph Möller empfangen, der zurzeit eine Meisterausbildung absolviert. Er ist erst 23 Jahre alt, steckt voller Tatendrang und ist vor allem für den Futterbau und die Technik zuständig.

Gleich danach kommt sein Onkel Mathias Möller, ein begeisterter Rinderzüchter, zum Stall. Der Dritte im Bunde ist dessen Bruder Bernhard Möller. Alle drei sind Gesellschafter der Möller GbR in Baarz, Gemeinde Lenzerwische (Brandenburg). Und Mathias Möller hofft, dass sein fünfzehnjähriger Sohn auch einmal den Beruf Landwirt lernt und in die Gesellschaft einsteigt.

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Wie alles begann: Ein Blick in die Betriebsgeschichte

In Baarz lebten auch die Vorfahren der Möllers. Die Mutter der beiden Brüder flüchtete zu DDR-Zeiten über die Elbe nach Niedersachsen. Nach der Wiedervereinigung erhielten die Familie bzw. die Großeltern den Besitz zurück und erweiterte bald darauf ihren Landwirtschaftsbetrieb. Zunächst konnten sie wegen der Milchquote nur zweimal 60 Kühe halten, aber nach und nach stieg die Zahl der Kühe. Vorausschauend bauten sie schon 1992 einen Liegeboxenlaufstall mit 160 Tierplätzen. Anfangs wurde ein Autotandem-Melkstand und 2001 im erweiterten Stall ein Melkkarussell mit 24 Plätzen aufgestellt.

Bereits 1998 wurde eine Biogasanlage errichtet, die noch heute betrieben wird. Sie liefert 250 kW elektrische Leistung. Das kleine Dorf Baarz wird komplett mit der Abwärme versorgt: zum Heizen der Wohnungen und für Warmwasser. Die Anlage wird vor allem mit Gülle und Festmist sowie etwas Maissilage und Futterresten betrieben.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Möller GbR stieg im Laufe der Jahre auf nahezu 500 ha an, wovon über 50 % Grünland sind. Auf dem Acker werden vor allem Mais, aber auch Weizen, Roggen und Raps angebaut. Die Ackerflächen lassen sich zu 90 % beregnen, was höhere Erträge auf den leichteren Böden sichert. Außer Arbeiten für den eigenen Betrieb erfolgen noch Lohnarbeiten, vor allem Mähdrusch und Maishäckseln. Es sind noch vier weitere Mitarbeiter auf dem Betrieb tätig.

Möller GbR: Stets an die Zukunft gedacht

Möllers verfügten stets über moderne, produktive Technik. Aber auch diese kommt in die Jahre. Und die nächste Hofgeneration denkt da schon an ihre Zukunft. So stand für das Familienunternehmen bald fest: Wir brauchen einen neuen Kuhstall. Zunächst wollte man nur eine Liegehalle bauen und die Kühe weiter im alten Karussell melken. Dann sagte man sich aber, wenn schon neu, dann auch mit modernster Melktechnik. Dieses Ziel wurde trotz mancherlei Probleme beharrlich verfolgt und umgesetzt. Im April 2021 war Baustart, im November Richtfest und im Mai 2022 zogen die ersten Kühe ein …

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Leicoma-Produkte im Holland-Laden

Dass der Hofladen unseres Praxispartners in Sachsen-Anhalt, die Raunitzer Agrar GmbH, in diesen Tagen Geburtstag feiert, ist keine Selbstverständlichkeit. Wie der Direktvermarkter durch die aktuell schwierigen Zeiten kommt und wo Kompromisse keine Option sind.

Den Holland-Laden der Raunitzer Agrar in Gimritz gibt es seit genau zwei Jahren. Am 1. Dezember 2020, inmitten der Pandemie, eröffnete Caroliene Uwland ihren Hofladen auf dem Betriebsgelände der Raunitzer Agrar GmbH von Ehemann Wouter. „Es war immer mein Wunsch, regional und nachhaltig erzeugte Produkte direkt zu vermarkten“, erzählt die 41-Jährige.

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Pommes, Currywurst vom Leicoma und niederländische Snacks

Mit dem beabsichtigten Verkauf von frischem Fleisch von den Leicoma-Schweinen des Familienbetriebes im Saalekreis fiel die Entscheidung für die Erweiterung der hofnahen Vermarktung. Dazu baute Wouter Uwland ein Jahr lang nebenher einen ehemaligen, zur Straße hin gelegenen Stall um, der bis dahin als Lagerraum diente.

Seit fast sechs Jahren schon tourt die Agrarwissenschaftlerin mit Lehrbefähigung zudem mit ihrem Imbissmobil durch die nähere Umgebung. Aus dem Wagen heraus bietet sie u. a. Pommes, Currywurst vom Leicoma und niederländische Snacks an, aber auch Käse aus Holland sowie Fleisch- und Wurstwaren von den eigenen Schweinen. „Frischfleisch neben der Fritteuse hätte aber nicht funktioniert“, sagt die umtriebige Geschäftsfrau, die ihrem Ehemann Anfang 2016 auf Dauer in die neue Heimat im Osten Deutschlands gefolgt war.

Zuvor pendelte Caroliene Uwland einige Jahre wöchentlich zwischen Sachsen-Anhalt und den Niederlanden, wo sie unter der Woche ihrem Job als Fachlehrerin an der landwirtschaftlichen Fachhochschule in Dronten nachging.

Bildergalerie: Die Raunitzer Agrar GmbH und ihr Holland-Laden

Mit ihrem Imbissmobil geht die Direktvermarkterin Mittwoch bis Freitag auf Tour. Aber auch zu Märkten und zu Veranstaltungen ist sie mit dem rollenden Verkaufswagen unterwegs.

Mit ihrem Imbissmobil geht die Direktvermarkterin Mittwoch bis Freitag auf Tour. Aber auch zu Märkten und zu Veranstaltungen ist sie mit dem rollenden Verkaufswagen unterwegs. © Detlef Finger

Raunitzer Agrar GmbH, Holland-Laden; Mitarbeiterin Anne Wilcken an der Auslage mit Wurstkonserven vom Leicoma-Schwein. © Detlef Finger

Mitarbeiterin Anne Wilcken an der Auslage mit Wurstkonserven vom Leicoma-Schwein. © Detlef Finger

Der Hofladen von Caroliene Uwland wurde in einem ehemaligen Stallgebäude in Gimritz eingerichtet. © Detlef Finger

Der Hofladen von Caroliene Uwland wurde in einem ehemaligen Stallgebäude in Gimritz eingerichtet. © Detlef Finger

Zum Sortiment gehören auch Erzeugnisse von anderen Direktvermarktern aus der Region.

Zum Sortiment gehören auch Erzeugnisse von anderen Direktvermarktern aus der Region. © Detlef Finger

Der Hofladen ist an vier Tagen in der Woche (Di., Do., Fr., Sa.) jeweils von 9–13 Uhr sowie freitags noch einmal von 16–19 Uhr geöffnet.

Der Hofladen ist an vier Tagen in der Woche (Di., Do., Fr., Sa.) jeweils von 9–13 Uhr sowie freitags noch einmal von 16–19 Uhr geöffnet. © Detlef Finger

Imbissmobil als neue Erwerbsquelle

Nach der Geburt des zweiten Kindes blieb sie in Gimritz. Das Imbissmobil, eine Idee ihres Mannes, wurde ihre neue Erwerbsquelle. „Anfangs war ich wochentags von 10 bis 15 Uhr damit unterwegs und hatte am Ende des Tages oftmals gerade zehn Euro in der Kasse“, blickt sie zurück. Mehrfach habe sie sich mit dem Gedanken getragen, hinzuwerfen, doch ihr Mann riet ihr, Geduld zu bewahren, was sich auszahlen sollte.

Der Kinder wegen steht der Imbisswagen mittlerweile nur noch mittwochs, donnerstags und freitags von 10.30 bis 15 Uhr am Beiderseer Berg an der Landstraße zwischen Halle und Könnern, unweit der Anschlussstelle Halle-Trotha der Autobahn A14. Darüber hinaus fährt das Ehepaar damit übers Jahr hinweg zu etwa 20 Märkten bzw. Veranstaltungen.

Harte Zeiten für Direktvermarkter

Doch die Zeiten für Direktvermarkter sind hart geworden. „Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sind mir 30 bis 35 Prozent des Umsatzes im Imbiss und auch im Hofladen weggebrochen“, berichtet Caroliene Uwland traurig. Die Handwerker, die am Imbiss sonst ihre Mittagspause machten, fehlen; andere Kunden kaufen kleinere Portionen oder eben weniger. Etwa 70 % des Umsatzes des Hofladens bringt in „normalen“ Zeiten der feste Kundenstamm aus einem Umkreis von etwa 30 bis 40 km. „Viele davon kamen wöchentlich, jetzt mitunter nur noch alle drei bis vier Wochen – vor allem wegen der extrem gestiegenen Spritpreise“, weiß Caroliene Uwland.

Derzeit sei kaum zu kalkulieren, wie viel Kundschaft kommt, schiebt sie nach. Hinzu kämen die Preissteigerungen bei Händlern und Lieferanten.

„Hofladen muss weitergehen“

In der Pandemie seien beide Vermarktungsschienen dagegen gut gelaufen, weil viele Leute im Homeoffice arbeiteten und sich wohnortnah versorgten. „Insbesondere mit dem Hofladen muss es aber weitergehen, auch und insbesondere für meine beiden Mädels“, spricht sie sich selbst Mut zu. Ihre Mädels, das sind Anne Wilcken und Bianca Boye, die als Teilzeitkräfte im Laden und im Imbisswagen mithelfen. „Ohne die beiden würde der Hofladen nicht funktionieren“, weiß die Chefin, die den Fleiß und die Hilfsbereitschaft ihrer Kolleginnen zu würdigen weiß und an ihnen schätzt, „dass beide mitdenken“.

Keine Kompromisse bei den Prinzipien und Produkten

Trotz aller derzeitigen Schwierigkeiten will die Unternehmerin zudem von ihren Prinzipien nicht abweichen. Eines lautet: „Ich verkaufe nur Produkte, von denen ich weiß, wo sie herkommen.“ Das schließe auch ein, dass es bestimmte Erzeugnisse je nach Saison und Produktionsmenge eben zeitweilig einmal nicht gibt. Das Sortiment im Holland-Laden umfasst zu etwa 70 % Spezialitäten aus den Niederlanden, vor allem Käsevariationen aus bäuerlich-handwerklicher Herstellung.

Die übrigen 30 % sind regionale Produkte anderer Direktvermarkter sowie natürlich die eigenen Erzeugnisse, also Fleisch und Wurst vom Leicoma-Schwein. Die Angebotspalette an Lebensmitteln neben den beiden genannten Kernsortimenten reicht tatsächlich von A bis Z: Apfelsirup, Bier, Currysoße, Doppelsalz-Lakritze (die besonders gut geht, wie Caroliene Uwland versichert), Eier, Feingebäck, Gewürze, Hanfprodukte, Imkerhonig, Joghurt, Kaffee, Liköre, Mayonnaise, Nudeln, Obstsäfte, Pommes, Quark, Rapsöl, Süßwaren, Tee, unzählige holländische Spezialitäten sowie Vanillezucker, Wein und Zwiebeln.

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Am Betriebsstandort in Gimritz können die Schweine bereits die eingestreuten Ausläufe nutzen.
Am Betriebsstandort in Gimritz können die Schweine bereits die eingestreuten Ausläufe nutzen. © Detlef Finger

Praxispartner in Sachsen-Anhalt

Raunitzer Agrar GmbH

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Schmackhafte Weihnachtspakete aus dem Holland-Laden

Derzeit werden im Holland-Laden der Raunitzer Agrar fast täglich zahllose Produktpakete gepackt, die Privatpersonen oder Firmen zu Weihnachten an Freunde, Bekannte und Kunden verschenken wollen.

Am 1. Advent begann in Gimritz der Weihnachtsbaumverkauf. Am zweiten Adventssamstag fand die Hofweihnacht, u. a. mit Märchenstunde, Leicoma-Fleisch vom Grill und Glühwein statt. Und mit einer Weihnachtswunschzettel-Aktion, dank der der eine oder andere mit etwas Glück am 17. Dezember sein Geschenk in den Händen halten wird.

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Mehr als nur der Zins

Erfurt will für seine Agrarflächen Verpachtungsregeln aufstellen. Die Initiative dazu ging von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft aus. Mitgewirkt daran haben Bauern- und Gartenbauverband.

Von Frank Hartmann

Dass die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Mitteldeutschland für ihren bundesweiten Aktionstag zur „Gemeinwohlverpachtung“ Erfurt als zentralen Ort ausgewählt hatte, besaß hohen Symbolwert. Eine städtische Arbeitsgruppe arbeitet hier seit mehreren Jahren an Kriterien zur Pachtvergabe, um die knapp 1.000 ha Agrarland in Zukunft nach klaren Regeln zu vergeben.

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Transparentes Vergabeverfahren für kommunales Pachtland gefordert

Die AbL fordert ein transparentes Vergabeverfahren für kommunales Pachtland und kritisiert die Vergabepraxis nach Höchstgebot und Gewohnheitsrecht.

Nach Ansicht der AbL haben kleine Betriebe immer größere Schwierigkeiten, die hohen Kauf- und Pachtpreise durch ihre Arbeit zu erwirtschaften. Insbesondere jungen Landwirten ohne geerbtes Land falle der Zugang zu Ackerflächen schwer. Kommunen könnten diesen Entwicklungen entgegensteuern, indem sie die Verpachtung ihrer Agrarflächen nach neuen Kriterien gestalten.

Weil der freie Pachtmarkt Grenzen aufzeigt, fordert die AbL seit langer Zeit schon öffentliche Verpächter zu einem Kurswechsel auf. Dies hatte bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Erfolg. Der größte Landverpächter in Sachsen-Anhalt und Thüringen führte 2017 einen Kriterienkatalog für seine 80.000 ha ein, mit dem man den AbL-Forderungen entgegenkam. In Erfurt wurden neben der AbL auch der regionale Bauernverband und der Gartenbauverband mit einbezogen.

Verpachtungsregeln für Agrarflächen: Punktesystem für Pachtvergabe

Aktuell liegt hier ein Entwurf vor, der ein Punktesystem für die Pachtvergabe vorsieht. Dazu zählt die regionale Herkunft (Hauptbetriebssitz Erfurt, in angrenzenden Gemeinden, Thüringen).

Weitere Kriterien sind die Bewirtschaftungsform (ökologisch, konventionell), Soziale Aspekte (Existenzgründer, Existenzgefährdung durch Flächenverlust im Zuge von Infrastrukturbau oder A+E-Maßnahmen, Lehrausbildung, Inklusion, Direktvermarktung), Natur- und Artenschutz (Verzicht auf Totalherbizide, vielfältige Fruchtfolge, Sonderkulturen/Gartenbau, Teilnahme an biodiversitätsfördernden Programmen, Schlaggrößen) sowie die Tierhaltung zwischen 0,3 und 1,4 GV/ha.

Damit konnte sich die AbL freilich nicht mit allen Forderungen durchsetzen. Der Vorsitzende der AbL-Mitteldeutschland, Berufsimker Michael Grolm, hofft, dass der Katalog Anfang kommenden Jahres vom Stadtrat beschlossen wird. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) gab bei der Aktion seiner Hoffnung Ausdruck, „dass wir in Erfurt als gutes Beispiel vorangehen und andere Kommunen dazu animieren können, diesen Weg auch einzuschlagen“.

Gewerbegebiet auf 50 ha bestem Boden: Streit um Ortsteil Urbich

Dass die Stadt Erfurt wie andere Kommunen an der Verknappung von Agrarland mitwirkt, nannte Bausewein einen notwendigen Kompromiss, um Wohnraum und Arbeitsplätze zu schaffen.

Seit Längerem gibt es etwa Streit im Ortsteil Urbich. Hier sollen 50 ha bester Boden einem Gewerbegebiet weichen. Erfurt, das für seinen Gemüsebau einst berühmt war, wies laut Agrarstatistik im Jahr 1991 noch 23.000 ha Nutzfläche auf. Trotz enormer Eingemeindungen umliegender Dörfer im Jahr 1994 sind heute gerade noch 13.700 ha landwirtschaftliche Nutzfläche vorhanden. Die Zahl der Betriebe blieb mit 84 über den langen Zeitraum stabil.

Thüringenweit haben die Pachtpreise in den letzten Jahren angezogen, sind aber noch immer von dem Niveau im Westen und Süden der Republik entfernt. Der Pachtflächenanteil bewegt sich im Mittel bei 70 %. Den letzten verfügbaren Zahlen von 2018 nach hatten knapp 50 % der Pachtverträge (rund 250.000 ha) Laufzeiten von unter sechs Jahren.

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Mit der Gülleverschlauchung bedarfdeckend düngen

Ein sächsischer Agrarbetrieb testet die Gülleverschlauchung zum bedarfsdeckenden Düngen ohne Stress für Boden und Pflanze. Sie hat Vorteile gegenüber der Fahrt mit vollem Fass über den Acker.

Von Wolfgang Rudolph

Die Kultur optimal und zum besten Zeitpunkt mit Nährstoffen versorgen ist gut. Dabei Bodenverdichtungen vermeiden und die Pflanzen schonen ist besser. Auf diesem Standpunkt steht Marius Feldmann. Der studierte Landwirt leitet den Ackerbau des Agrarunternehmens Oberhoff am Standort Zwethau (Landkreis Nordsachsen).

Zum Betrieb gehören außerdem Ferkelerzeugung und -aufzucht sowie Schweinemast. Angegliedert sind Biogasanlagen und ein Futtermittelhandel. „Wir bewirtschaften eigene Flächen, kooperieren für die Futterbereitstellung aber auch mit vielen Landwirten aus der Region. Auf diesen und weiteren Flächen mit Marktfrüchten gelangt die zu einem Großteil in den Biogasanlagen energetisch verwertete und unter Zugabe von Maissilage zum Gärprodukt aufbereitete Schweinegülle als organischer Dünger zurück auf die Felder. Insgesamt sind das gut 1.000 ha“, informiert Feldmann.

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Gülleverschlauchung: „Schlauchverteilsystem bietet eine gute Bodenschonung“

Das Ausbringen erfolgt entweder mit dem betriebseigenen Güllefass und Schleppschlauchverteiler oder bei den Flächen rund um die Betriebsstandorte Zwethau und Packisch mit dem Verschlauchungssystem Bomech Up eines Lohnunternehmens. Hierbei befördert eine Pumpe am Gärrestlager den organischen Dünger direkt zum Gülleverteiler an der Dreipunktaufhängung des Traktors, der den am Koppelrahmen befestigten Zuführschlauch über die Fläche zieht. „Dieses Schlauchverteilsystem bietet eine gute Bodenschonung. Allerdings hat es eine Arbeitsbreite von 15 Metern, sodass immer einmal zwischen den bei uns zumeist auf 30 Meter Breite angelegten Fahrgassen gefahren werden muss“, merkt der 32-Jährige an.

Beide Systeme finden nach Ansicht des Ackerbauchefs ihre Grenzen, wenn es darum geht, die Düngergabe zu einem Zeitpunkt durchzuführen, an dem die Kultur die bereitgestellten Nährstoffe optimal für Pflanzenwachstum und Fruchtbildung nutzen kann. Entweder ist die Fläche nach dem Winter wegen zu feuchter Bodenverhältnisse noch nicht mit dem schweren Güllefass befahrbar oder der gezogene Schlauch würde an empfindlichen Kulturen zu große Schäden verursachen. Das betrifft beispielsweise Winterraps, der im Frühjahr nach der Regeneration aus dem Winter recht schnell ins Schossen übergeht, während Getreide zunächst eine Bestockungsphase durchläuft, in der sich die Pflanzen nach dem Überfahren schnell wieder aufrichten und erholen.

Gülle: Container befüllen statt den Ausbringer

Der Agrarbetrieb entschloss sich daher, mit dem Gülleverschlauchungssystem des dänischen Herstellers Agrometer in diesem Jahr eine weitere Applikationsmethode zu testen. Es beauftragte damit das in Lemgo (NRW) beheimatete Lohnunternehmen Schafmeister Agrarservice. Das Ausbringen von Gülle und Gärprodukten mit unterschiedlichen, nach eigener Aussage besonders boden- und pflanzenschonenden Verfahren gehört zu den Kernangeboten des Dienstleisters. Dessen Mitarbeiter sind mit der modernen Ausbringtechnik außer im Heimatkreis Lippe auch auf Feldern in anderen Bundesländern unterwegs …

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Erster Spatenstich in Niederschöna

Die Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH hat vorige Woche den ersten Spatenstich für gleich zwei Bauvorhaben vollzogen.

In Niederschöna, Gemeinde Halsbrücke, errichtet der Landtechnikhändler Agrartechnik Vertrieb Sachsen auf Gewerbeflächen an der B 173 zwischen Dresden und Freiberg ein neues Zentrum für Melktechnik und Innenmechanisierung sowie einen neuen Fachbetrieb für Landtechnik.

Sämtliche Aktivitäten im Bereich der Innenmechanisierung sollen künftig vom neuen GEA Solution Center aus koordiniert werden und so „zu einem weiteren Wachstum dieses Geschäftsbereiches beitragen“, wie das Unternehmen mitteilt. Die Baumaßnahme umfasse ein Büro- und Lagergebäude und stellt eine Ersatzinvestition für den bisher angemieteten Standort in Großvoigtsberg dar. Mit GEA Farm Technologies als seit über 30 Jahren wichtigstem Lieferanten für Agrartechnik Sachsen und weiteren Partnern werde die gesamte Bandbreite moderner Technik für die Milch- und Tierproduktion abgebildet.

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Fertigstellung und Inbetriebnahme in Niederschöna für Mitte 2024 geplant

Parallel dazu wird in Niederschöna ein neuer Fachbetrieb für Landtechnik entstehen. Kernstück dieses Vorhabens soll eine groß dimensionierte Werkstatt sein, ergänzt von einem Ersatzteillager, einem Bürogebäude, einem Waschplatz für Landtechnik sowie einer geräumigen Lagerhalle. Das Außengelände bietet Platz für Ausstellungs- und Mietmaschinen. Der neue Betrieb erweitert das Servicenetz von Agrarservice Sachsen im Bereich der Landtechnik um eine siebte Niederlassung. Damit wolle man den „gestiegenen Kundenanforderungen hinsichtlich Servicequalität und Erreichbarkeit auch im südlichen Sachsen gerecht“ werden, so das Unternehmen.

Die Fertigstellung und Inbetriebnahme der neuen Niederlassung ist für Mitte 2024 geplant. Auch für den neuen Standort suche man fachkundiges Personal und werde zudem jährlich Ausbildungsplätze für den Beruf des Land- und Baumaschinenmechatronikers anbieten.

Agrartechnik Sachsen zählt sich zu den führenden Anbietern von Landtechnik in Sachsen und Südbrandenburg sowie von Melktechnik in Sachsen. Das mit seinem Hauptsitz in Ebersbach bei Großenhain ansässige Familienunternehmen beschäftigt 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. red/kb

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Kleinste Kartoffelernte seit 30 Jahren in Thüringen

In dieser Saison haben die Kartoffelanbauer im Land die geringste Ernte der vergangenen 30 Jahre eingefahren. Den Agrarstatistikern zufolge ernteten heimische Landwirte im Durchschnitt 27 t/ha.

Von Frank Hartmann

Ähnlich niedrige Erträge wurden im Trockenjahr 2003 (29 t/ha) und im Jahr 2013 (30 t/ha) registriert. Aber auch in den beiden Dürrejahren 2018 und 2019 kamen im Mittel nur knapp über 30 t/ha vom Feld. Das diesjährige Ergebnis fällt gegenüber 2021 um ein Drittel (-13 t/ha bzw. -33 %) geringer aus.

Im Vorjahr wurde mit knapp über 40 t/ha ein ansehnliches Ergebnis erzielt. Das langjährige Mittel der Jahre 2016/2021 wird in diesem Jahr um rund 10 t/ha bzw. 27 % unterschritten. Die Gesamterntemenge 2022 beläuft sich danach auf rund 34.000 t. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang der Erntemenge um knapp die Hälfte (-29.900 t bzw. -47 %).

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Herausfordernde Saison für Kartoffelanbauer keine Ausnahme

Verantwortlich für diesen deutlichen Rückgang ist neben dem geringen Ertrag die Reduktion der ohnehin kleinen Anbaufläche. In diesem Frühjahr wurden auf gerade noch 1.250 ha Kartoffeln gelegt, im Vorjahresvergleich ein Minus von rund 300 ha bzw. 21 %. Eingeschlossen in den Anbauumfang sind Pflanzkartoffeln, die auf 286 ha, davon fast 30 % Ökoware, vermehrt wurden.

Der Erzeugnisverband Thüringer Qualitätskartoffeln (Thükav) sprach von einer herausfordernden Saison, was für Kartoffelanbauer keine Ausnahme, sondern die Regel sei.

Der Geschäftsführer des Anbauverbandes, Dietmar Barthel, wollte den statistischen Daten zur Kartoffelernte 2022 nicht zu große Bedeutung beimessen. Zweifellos hinterließ die Trockenheit ihre Spuren. Die professionellen Anbauer, zumal jene, die beregnen können, hätten den Umständen entsprechend keine ganz schlechte Ernte eingebracht. Er wies darauf hin, dass Pflanzkartoffeln ohnehin mit geringeren Erträgen geborgen werden.

Kartoffelernte 2022: Geminderte Lagerfähigkeit durch Trockenheit

Der Rückgang der Anbaufläche geht nach Einschätzung Barthels auf kleinere Erzeuger zurück, die Kartoffeln nebenher kultivieren und ihre Flächen beschnitten oder den Anbau aufgegeben hätten. Absehbar sei, dass die aufgrund der Trockenheit frühzeitig gealterten Knollen eine geminderte Lagerfähigkeit aufwiesen. Ob und wie sich das im Handel widerspiegele bleibe ebenso abzuwarten wie die weitere Entwicklung der derzeit hohen Preise und damit verbunden auch der Export.

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Alles für das gute Betriebsklima

Gutes Personal zu finden ist schwer. Es zu halten noch viel mehr. Darum weiß auch unser Praxispartner in Mecklenburg-Vorpommern. Wie die Agrofarm eG Lüssow nachhaltig in ihr gutes Betriebsklima investiert.

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen knackiger und die Arbeitsspitzen vor allem auf den Feldern weniger. Und so geht es am heutigen Dienstag auch schon merklich etwas ruhiger zu bei der Agrofarm eG in Lüssow. Zu berichten hat das Vorstandsduo, Wencke Ladwig und Lars-Peter Loeck, dennoch einiges. Allem voran der Rückblick auf einen gelungenen Betriebsausflug, der kürzlich auf die Insel Usedom führte.

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Agrofarm eG Lüssow: Ausflug stärkt Zusammenhalt und Betriebsklima

Als sich die Geschäftsführung das Programm für die zweitägige Reise mit den Mitarbeitern überlegt und die Teilnehmerliste an die Betriebspinnwand geheftet hat, ahnten sie nicht, was für ein Erfolg es werden würde. Ihr Ansinnen sei es gewesen, den Kollegen einfach mal Danke zu sagen und zu zeigen, dass die geleistete Arbeit wertgeschätzt wird. Mehr als die Hälfte der Belegschaft ist der Einladung gefolgt und hatte sich angemeldet.

Die 25-köpfige Gruppe machte sich – ausgestattet mit einem Verpflegungspaket des örtlichen Caterers – auf den langen Fahrtweg ins Historisch-Technische Museum nach Peenemünde, absolvierte im Anschluss eine Rundreise durch die Kaiserbäder der Insel und ließ den Tag gemütlich im Hotel in Koserow ausklingen. Alles sei gut durchorganisiert und für ausreichend Speis und Trank gesorgt gewesen. „So konnten wir außerhalb des Betriebsalltags etwas gemeinsam erleben und den Zusammenhalt stärken“, blickt Loeck zurück.

Etwas fachlicher wurde es dann am zweiten Tag auch noch. Nach dem Besuch des Landwirtschaftsbetriebes eines ehemaligen Auszubildenden ging es zur Zuckerfabrik nach Anklam. Die dortige Werksführung habe alle Teilnehmer gleichermaßen begeistert. In der Fabrik tiefere Einblicke bekommen zu haben und das noch mitten in der Kampagnenzeit, sei für alle ein Höhepunkt des Betriebsausfluges gewesen. Mit vielen schönen Erlebnissen und guter Teamstimmung im Gepäck ging es für die zufriedene Reisegruppe auf den Heimweg zurück nach Lüssow.

Bildergalerie: Neues von der Agrogarm eG Lüssow

Gruppenfotos wie im Strandkorb oder beim Museumsbesuch durften auf dem Betriebsausflug nicht fehlen. © Agrofarm eG Lüssow

Gruppenfotos wie im Strandkorb oder beim Museumsbesuch durften auf dem Betriebsausflug nicht fehlen. © Agrofarm eG Lüssow

Betriebseigene Tannenbaumplantage: Erstmals wird in diesem Jahr das Nadelholz geschlagen. Jeder Mitarbeiter kann sich seinen Weihnachtsbaum aussuchen

Betriebseigene Tannenbaumplantage: Erstmals wird in diesem Jahr das Nadelholz geschlagen. Jeder Mitarbeiter kann sich seinen Weihnachtsbaum aussuchen © Nicole Gottschall

Jagd und Landwirtschaft gehören zusammen, deshalb engagiert sich das Vorstandsduo der Agrofarm in den Jagdgenossenschaften.

Jagd und Landwirtschaft gehören zusammen, deshalb engagiert sich das Vorstandsduo der Agrofarm in den Jagdgenossenschaften. © Nicole Gottschall

Nicht beräumte Altlasten stellen ein Ärgernis dar. © Nicole Gottschall

Nicht beräumte Altlasten stellen ein Ärgernis dar. © Nicole Gottschall

Betriebseigene Tannenbaumplantage: Nach 10 Jahren kann erstmalig geschlagen werden

Da Ladwig und Loeck großen Wert auf Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation legen, lassen sie sich das auch gerne etwas kosten. Das sei gut investiertes Geld, sagen sie. Denn sie wissen, dass gutes Personal nur schwer zu finden und vor allem zu halten ist. Sie möchten die Kollegen auch mit solchen Aktionen an den Betrieb binden. Und so werfen bereits die nächsten Aktivitäten für gutes Betriebsklima ihre Schatten in der Agrofarm eG Lüssow voraus.

Die betriebseigene Tannenbaumplantage soll dieses Jahr dazu genutzt werden, um gemeinsam die Adventszeit einzuläuten. Nach rund zehn Jahren Aufwuchszeit werde das Nadelholz erstmalig geschlagen. Es sei noch so einiges vorzubereiten, zum Beispiel muss die Zuwegung noch gemulcht werden. Doch dann könne sich am 2. Dezember jeder Mitarbeiter seinen eigenen Weihnachtsbaum schlagen. Anschließend sei zudem die Weihnachtsfeier mit reichhaltigem Büffet und einer Tombola geplant.

Lüssow ist startklar für den Winter

Bevor jetzt allerdings bei jemandem der Eindruck entsteht, dass die alltägliche Arbeit gänzlich in den Hintergrund gerät, der irrt. Die Stallanlagen und Tränken werden für die kalte Jahreszeit vorbereitet. Alles wird winterfest und frostsicher gemacht. Das Einstallen der Tiere ist in vollem Gang.

Der Entwurf der neuen Düngelandesverordnung inklusive Übersichtskarte der roten Gebiete und betroffenen Feldblöcke muss durchgearbeitet, mit den Betriebsdaten abgeglichen und gegebenenfalls neue Strategien erarbeitet werden. Auch die Arbeiten zur Gehölzpflege müssen geplant und abgesprochen werden.

Landwirtschaft und Jagd: So gelingt die Zusammenarbeit mit den Jagdgenossenschaften

Zu guter Letzt wird aktuell die Zeit genutzt, um sich intensiv mit den Jagdgenossenschaften zu befassen. Aufgrund der Flächenausstattung und Gemeindestruktur im Einzugsgebiet der Agrofarm eG Lüssow gibt es Berührungspunkte mit drei Jagdgenossenschaften: Lüssow, Goldewin-Mistorf und Groß Schwiesow.

Nicht nur weil Eigentum verpflichtet, engagiert sich das Lüssower Führungsduo in deren Vorständen. Sondern weil Jagdgenossenschaften einen wichtigen Beitrag für den ländlichen Raum sowie dessen nachhaltige Pflege beispielsweise durch Fördern der Artenvielfalt und Erhalt der Kulturlandschaft leisten. „Wir arbeiten hier in und mit der Natur, kennen die natürlichen Gegebenheiten und die Jäger. Das bringt für alle Vorteile in der Zusammenarbeit“, sagt Ladwig, die den Vorsitz der Jagdgenossenschaft in Lüssow innehat. Das würde sich unter anderem auch beim Auftreten von Wildschäden widerspiegeln. Die spielen nämlich kaum eine Rolle. Und wenn mal Probleme auftreten, würde auf kurzem Weg miteinander gesprochen und Maßnahmen eingeleitet werden.

Einfluss auf die Jagdpacht

Dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert, hat für Loeck, der Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Goldewin-Mistorf ist, noch einen weiteren Grund: „Wir sind durch die Eigentumsverhältnisse flächenbestimmend und haben daher mit Einfluss auf die Jagdpacht.“ Die sei mit gerade mal 1,50 €/ha sehr moderat und führe dazu, dass die Jäger aus der Region kommen und sich daher anders verantwortlich fühlen. Denn wichtig sei ein andauerndes kameradschaftliches Miteinander zwischen Landwirten und Jägern.

Bei all den positiven Effekten, die das Mitwirken in den Jagdgenossenschaften mit sich bringt, stoßen den Verantwortlichen der Agrofarm eG Lüssow auch zwei Punkte böse auf: Zum einen das Führen des Jagdkatasters, was zeitlich und finanziell sehr aufwendig ist. Und zum anderen, dass das Beräumen von alten jagdlichen Einrichtungen durch die Besitzer mitunter vernachlässigt wird (Foto).

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