Situationsbericht 2017/18 des DBV

15.12.2017

© LandData, Situationsbericht 2017/18

Die „wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft hat sich erholt“. Unter diesem Motto hat Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), in Berlin den Situationsbericht zur Landwirtschaft 2017/18 vorgestellt.


Laut Rukwied wurde das vor den wirtschaftlichen Krisenjahren herrschende Gewinnniveau 2016 und 2017 zwar verfehlt. Allerdings hat sich die wirtschaftliche Situation auf den landwirtschaftlichen Betrieben nunmehr wieder verbessert. So ist der Produktionswert gegenüber dem Vorjahr um 8 % gestiegen. Die Unternehmensergebnisse in den Haupterwerbsbetrieben der Landwirtschaft haben sich durchschnittlich um ein Drittel auf rund 57 000 € pro Betrieb verbessert. Diese Daten lieferte die Auswertung von mehr als 12 000 Jahresabschlüssen des abgelaufenen Wirtschaftsjahres.


Im Ackerbau hingegen verbesserten sich die Unternehmensergebnisse nicht, sondern stagnierten oder verschlechterten sich sogar etwas. Bei der Milcherzeugung konnte hingegen eine Aufwärtsentwicklung verzeichnet werden. Der Milcherzeugerpreis ist um 14 % gestiegen, und die Unternehmensergebnisse konnten im vergangenen Wirtschaftsjahr um etwa 40 % gesteigert werden. Die besseren Ergebnisse aus den Vorjahren wurden aber nicht erreicht. Mutterkuh- und Mastbetriebe erhöhten ihren Gewinn um 20 %, blieben jedoch erneut das Schlusslicht bei den Unternehmensergebnissen. Die Veredlungsbetriebe mit Schweine- und Geflügelhaltung haben sich 2016/17 von der Marktkrise erholt. Auch im Weinbau konnte eine positive Entwicklung der Gewinnsituation verzeichnet werden. In der ökologischen Landwirtschaft sind die Unternehmensergebnisse stabil geblieben. Nach dem hohen Fehlbetrag bei Agrargenossenschaften im Wirtschaftsjahr 2015/16 (im Mittel -88 000 €) konnte im vergangenen Wirtschaftsjahr wieder ein mittlerer Jahresüberschuss von etwa  16 000 € pro Betrieb erwirtschaftet werden. Rukwied geht von einer weiteren Stabilisierung im aktuellen Wirtschaftsjahr aus.

 

Investments in die Zukunft


Nach den Krisenjahren haben die Betriebe vor allem Liquidität aufgebaut und Investitionen vermieden. Im Jahr 2017 wurde wieder mehr investiert, z. B. in Umweltschutz, bessere Haltungsbedingungen und Digitalisierung. Letztere halte nicht erst seit diesem Jahr Einzug in die Landwirtschaft. Laut einer Umfrage sehen sich zwei von drei Landwirten in Deutschland als kompetent in Technik-Fragen an. Die Digitalisierung bringe im Ackerbau vor allem Vorteile bei der umweltgerechten Durchführung von Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen. In der Tierhaltung könne man so das Tierwohl und die Haltungsbedingungen deutlich verbessern, unterstrich der Bauernpräsident.


Dem Verbraucher nutze Digitalisierung besonders für eine höhere Transparenz und Rückverfolgbarkeit. Die auf dem Land häufig fehlende Breitband-Internetverbindung erschwere jedoch die Umsetzung digitaler Trends, so Rukwied mit Nachdruck. Hier müsse die Bundesregierung künftig wesentlich entschlossener den Netzausbau vorantreiben.

 

Fortschritte in Ackerbau und Tierhaltung


Durch die Digitalisierung werde auch die Effizienz der N-Düngung verbessert. Mit deutlich verringerten Düngermengen seien höhere Erträge erzielbar, so der Bauernpräsident. Um mehr Effizienz gehe es auch im Pflanzenschutz, bei dem durch das Schadschwellenprinzip und neue Ausbringtechniken der Herbizideinsatz seit 1988 um 50 %, der Einsatz von Fungiziden um 15 % gesunken sei. In Zukunft könnten Rukwieds Ansicht nach auch visuelle Systeme zur zielgenauen Unkrautbekämpfung beitragen. Ebenso wichtig ist und bleibt mechanischer Pflanzenschutz.


Die Initiative Tierwohl stoße seit der Einführung 2015 auf große Bereitschaft bei den Tierhaltern. Insgesamt werden mittlerweile 23 % der in Deutschland gemästeten Schweine nach den Vorgaben der Initiative gehalten. Auch viele Geflügelhalter seien Mitglied, so Rukwied. Vor allem der Lebensmitteleinzelhandel habe einen Anteil an dieser Entwicklung. Ab 2018 honoriere er höhere Aufwendungen für bessere Haltungsbedingungen stärker (mit 130 statt 85 Mio. €). Die Landwirtschaft in Deutschland stehe zu höheren Standards. Sie soll in Zukunft noch nachhaltiger werden, versprach Rukwied. Notwendig dafür sei allerdings die Bereitschaft der Konsumenten, dies auch finanziell zu würdigen. Die Preise für Lebensmittel, verglichen mit dem Einkommen der Menschen, seien in Deutschland so günstig wie in fast keinem anderen EU-Land.

 

Gefahr durch Schweinepest


Im Bereich der Tierhaltung bedrohe die Schweinepest aktuell die Landwirte in Deutschland, so der Bauernpräsident. Sollte diese Krankheit auch hier auftreten, wären „desaströse Auswirkungen auf dem Schweinesektor“ zu befürchten, denn es käme unverzüglich zu einem Exportstopp für Schweinefleisch. Rukwied betonte, alle seien deshalb in der Pflicht, ein Übertreten der afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Hierfür müsse alles Menschenmögliche getan werden.

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