Apfelernte

04.09.2018

© Karsten Bär

Einheimische Äpfel aus eigener Produk­tion vermarktet der Borthener Obstanbauer Thomas Beck seit vergangener Woche auch im Pirnaer Ortsteil Krietzschwitz, wo er „Beck’s Obstscheune“ eröffnete. Neben Obst umfasst das Sortiment auch zahlreiche andere Produkte von Erzeugern der Region.

Nachdem im vergangenen Jahr der Frost zur Blütezeit die Erträge deutlich geschmälert hatte, habe man in diesem Jahr der Apfelernte mit großen Erwartungen entgegengesehen, sagte Gerd Kalbitz, Vorsitzender des Landesverbandes „Sächsisches Obst“ bei der Eröffnung der sächsischen Apfelsaison in „Beck’s Obstscheune“ in Krietzschwitz (Stadt Pirna). Doch auch wenn man mit geschätzten 80.800 t Ertrag rund 16 % über dem des Vorjahres liegen wird  – von einer normalen Erntemenge (ca. 90.000 t) ist man in Sachsen doch  noch ein gutes Stück entfernt. 

 

Dürre sorgt für süße, aber kleine Früchte

 

Hitze und Trockenheit hatten auch für den Apfelanbau Folgen. Zwar werden Wärme und Sonne für süße Früchte sorgen, doch gleichzeitig wird infolge der Trockenheit auch über alle Sorten hinweg mit eher kleinen Äpfeln gerechnet. Auf guten und tiefgründigen Böden, die bewässert werden konnten, dürften indes Äpfel von sehr guter Qualität und besserer Fruchtgröße geerntet werden.

 

Anders als in Sachsen und ganz Deutschland wird die europäische Apfelernte wohl die größte innerhalb der vergangenen zehn Jahre werden. Mit 12,55 Mio. t liegt der Ertrag 35 % über dem des Vorjahres. Außer im Durchschnitt etwas kleineren Fruchtgrößen dürften keine  Qualitätseinbußen zu erwarten sein. Größter Apfelerzeuger Europas ist  Polen mit 4,5 Mio. t Erntemenge. „Polen könnte nach China  der zweitgrößte Apfelproduzent der Welt werden“, so Kalbitz. Das Land habe die Ausweitung der Produktion stark  mit EU-Mitteln gefördert, ­bestätigte der Abgeordnete des Europaparlaments Peter Jahr, der an der Eröffnungsveranstaltung teilnahm. Kritisch gesehen werde indes die Höhe der ausgereichten Investitionsförderung.

 

Die europaweit gute Ernte wird nach Erwartungen des Landesverbandes die Erzeugerpreise etwas drücken, jedoch nach stark überdurchschnittlichen Preisen im vergangenen Jahr nicht allzu schmerzhaft für die Obstanbauer. Dafür sorgen dürfte auch, dass die alte Ernte aufgebraucht ist und die Läger der Vermoster wieder aufnahmefähig sind. Zudem bestehe Nachfrage nach regionaler Ware. Während der Exportmarkt Russland wegen des Embargos weiter für europäische Ware ausfällt, könnten neue Exportmärkte wie in Nordafrika oder in Asien für Entlastung sorgen. Relevant sei dies wegen der geringen Vorjahresernte jedoch noch nicht gewesen, erklärte der Geschäftsführer des Landesverbandes, Udo Jentzsch. Stabilen Preisen für Tafelobst steht allerdings auch ein höherer Anteil an Industrieware infolge trockenheitsbedingter Qualitätseinbußen gegenüber.

 

Zu den Herausforderungen für die Erzeuger zählten unter anderem die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften und ihre Entlohnung, wie Gerd Kalbitz weiter erklärte. Etwas Entlastung für die höheren Lohnkosten bringe die 70-Tage-Regelung, die innerhalb der 70-tägigen Frist eine Entlohnung brutto-gleich-netto erlaube. Da immer weniger Menschen aus den bisher üblichen Herkunftsländern bereit sind, als Saisonarbeitskräfte nach Deutschland zu kommen, seien neue Regelungen für Drittstaaten erforderlich, die etwa Menschen aus der Ukraine und Weißrussland die Aufnahme von Saisonarbeit in Deutschland ermöglichen. 

 

Erzeuger zur Vorsorge aufgefordert

 

Für entsprechende Regelungen will sich auch der Freistaat Sachsen einsetzen. Das versicherte ­Agrarstaatssekretär Frank Pfeil. Auch in anderer Hinsicht gebe man den Obstanbauern Unterstützung, so über praxisorientierte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Diese würden nicht nur helfen, effizienter zu wirtschaften, sondern auch  Wetterextremen und Auswirkungen des Klimawandels zu trotzen.  Notwendig seien indes auch Vorkehrungen der Erzeuger selbst. Entsprechende Eigenvorsorge, etwa zur Sicherstellung von Tröpfchenbewässerung auf den Obstplantagen, fördere der Freistaat ebenfalls.

 

In Sachsen werden Äpfel auf knapp 2.500 ha angebaut, das sind rund 60 % der gesamten Obstanbaufläche im Freistaat. Die Mitgliedsbetriebe des Landesverbandes Sächsisches Obst, der Erzeuger in Sachsen und Sachsen-Anhalt vereint, bauen insgesamt auf knapp 2.800 ha Äpfel an.

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