Ausbildung

20.11.2012

 

Es war auf den Tag genau zwei Jahrzehnte her, dass die erste Gruppe von Lehrlingen ihre überbetriebliche Ausbildung im altmärkischen Iden begonnen hatte. Seither haben etwa 40.000 Auszubildende die praktischen Unterweisungen in den Lehrwerkstätten und auf dem landwirtschaftlichen Betrieb des heutigen Zentrums für Tierhaltung und Technik (ZTT) der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) Sachsen-Anhalt in Ergänzung zu ihrer betrieblichen Ausbildung durchlaufen.


Schwierige Startphase


Die Lehrlinge kommen indes nicht nur aus dem eigenen Land, sondern – per Kooperationsvertrag geregelt – auch aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Neben den Lehrlingen in den „klassischen“ grünen Berufen Landwirt und Tierwirt – Letzterer mit den Spezialisierungsrichtungen Rin­­-der-, Schweine-, Schaf- und Geflügelhaltung – erhalten seit dem Jahr 2009 auch angehende Fachkräfte für Agrarservice Einblicke in Produktionszweige, die ihre Lehrbetriebe aufgrund ihrer Ausrichtung nicht haben.

 

Bei einer Festveranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum der überbetrieblichen Ausbildung in Iden im Landkreis Stendal am 2. November in der Mensa des ZTT blickte Dr. Ernst Daenecke auf die anfängliche schwierige Situation am Standort Iden-Rohrbeck mit der Auflösung des Instituts für Rinderproduktion der AdL Ende 1991 und der Neueinrichtung der damaligen Lehr- und Versuchsanstalt (LVA) im Benehmen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zurück. Angesichts der komplizierten Rahmenbedingungen kurz nach der Wende und der fehlenden Erfahrungen im Aufbau einer solchen Einrichtung sprach der ehemalige Abteilungsleiter im Agrar- und Umweltministerium von einer Entscheidungsfindung „nahe an der Quadratur des Kreises“. Sein persönliches Fazit fiel im Nachhinein daher teils selbstkritisch aus. Er bemängelte vor allem aber Entscheidungen früheren und jüngeren Datums, die einen Kompetenzverzicht bzw. -verlust bedeuten, etwa der Abbau von Stellen generell oder die Abschaffung von Ziegen, Gänsen, Wachteln, Pferden oder Wild als Beispiel für das Gebiet der extensiven und Kleintierhaltung.

 

Der Vizepräsident der LLFG, Dr. Falko Holz, die Staatssekretärin im Agrar- und Umweltministerium, Anne-Marie Keding, und der Leiter des ZTT Iden, Dr. Gerd Heckenberger, vervollständigten mit ihren Ausführungen den Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Standortes in der Wische sowie dessen künftige Perspektiven.

Nach Angaben von Heckenberger werden derzeit im ZTT Iden, das auch zu den Bildungszentren des Bundesverbandes DEULA gehört, insgesamt 39 verschiedene Lehrgänge in der überbetrieblichen Ausbildung angeboten. Im aktuellen Berufsschuljahr sind in 35 Ausbildungswochen alles in allem 203 Kurse vorgesehen.


Kompetenzzentrum


Im Jahresmittel wurden im Zeitraum von 2000 bis 2011 vor Ort zwischen 15.000 bis 20.000 Lehrgangsteilnehmer gezählt. In den zwei Jahrzehnten kam bis Ende 2011 so die stolze Summe von 209.025 Lehrgangstagen in der überbetrieblichen Ausbildung zusammen. Hinzu kommen 76.654 Fort- und Weiterbildungstage. Darüber hinaus veröffentlichten Mitarbeiter des ZTT knapp 1.000 Fachbeiträge und hielten ein Vielfaches dieser Zahl an Fachvorträgen.


Mit Blick auf diese Leistungen und die engagierte Arbeit in allen Bereichen zollten alle Referenten den aktiven und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landesanstalt und vor allem den Leitern der Idener Einrichtung besonderen Dank und höchste Anerkennung.


Holz und Heckenberger verwiesen in ihren Vorträgen auch auf den Beschluss des Landtages 6/1073 von Ende April dieses Jahres. Darin wird die Landesregierung gebeten, den Standort Iden zu einem Kompetenzzentrum für art- und umweltgerechte Nutztierhaltung weiterzuentwickeln. Die Umsetzung bedürfe angesichts der Vorbildfunktion, die der Einrichtung damit, aber auch mit der Ausbildung von Lehrlingen zukomme,  enormer Anstrengungen und erheblicher finanzieller Aufwendungen sowie der Unterstützung durch das Bundesinstitut, schrieb Heckenberger den anwesenden Politikern und Beamten ins Stammbuch.


Als die beiden „großen Baustellen“ benannte er mit Blick auf heutige Anforderungen zu Nachhaltigkeit, Tierwohl und Arbeitsschutz die Erneuerung der Milchviehhaltung und die Erweiterung der Schweinemast. Die Politik müsse entsprechend die Eckwerte setzen und Ressourcen zur Verfügung stellen, pflichtete ihm LLFG-Chef Holz bei. Er verwies auf die hohe Wertschätzung, die die überbetriebliche Ausbildung in Iden hierzulande und auch in den Nachbarländern genießt.


Als „wichtige Partner an der Bildungsfront“ in Sachsen-Anhalt benannte Holz die zuständige Stelle für die Berufsbildung in der Land- und Hauswirtschaft beim Landesverwaltungsamt, die Ämter für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten mit ihren Ausbildungsberatern in den Regionen, die Berufsschulen und die Ausbildungsbetriebe, die Ehrenamtlichen in den Berufsbildungs- und Prüfungsausschüssen sowie die Berufsverbände. Sie alle hatten zum Jubiläum Vertreter nach Iden entsandt. Prof. Fritz Schumann, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, überreichte Heckenberger als Geschenk einen Gutschein über eine Blutbuche; der Baum soll im Gutspark gepflanzt werden.


Staatssekretärin Keding verwies auf das seit 1992 vor Ort Geschaffene: Mit den Lehrwerkstätten Schwein und Technik samt Bodenhalle stünden heute modernste Ausbildungsstätten zur Verfügung. Mit der Sanierung von Küche, Mensa und Internat sei ein vorzeigbares Gesamtpaket geschnürt worden.


Neuer Freizeitbereich


Den Abschluss der Festveranstaltung bildete die Übergabe des neuen, rund 360 Quadratmeter Fläche umfassenden Freizeitbereiches im Erdgeschoss des für rund  850.000 € sanierten ehemaligen Pferdestalles auf dem Hofgelände durch das Bau- und Liegenschaftsmanagement des Landes. Außenstellenleiterin Kerstin Wolff überreichte dazu den symbolischen Schlüssel. Nach ihren Angaben sind in Iden nunmehr insgesamt 18 Mio. € investiert worden. 

 

Detlef Finger

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr