Reiten ist auch in Sachsen beliebt: Die Pferdewirtschaft im Freistaat hat Potenzial. (c) Sabine Rübensaat

„Pferde in Sachsen“: Potenzial für Wachstum

Die auf breitem Fundament ruhende Initiative „Pferde in Sachsen“ will die Pferdewirtschaft im Freistaat weiterentwickeln. Die Chancen stehen gut, doch auch Hemmnisse gilt es zu überwinden.

Von Karsten Bär

In Sachsen verdienen etwa 6.500 Menschen ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt durch Pferde oder durch den Pferdesport. Der Gesamtumsatz der Wertschöpfungskette liegt bei geschätzten 250 Mio. Euro jährlich. Dies geht aus einer Untersuchung der Bedeutung des Pferdes in Sachsen hervor, die im Rahmen des Projektes „Erarbeitung und Umsetzung einer Strategie zur Entwicklung der Pferdewirtschaft im Freistaat Sachsen“ durchgeführt wurde.
Das Projekt beauftragt hatte das Agrarministerium, um der Pferdehaltung als Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum Perspektiven aufzuzeigen. Zahlreiche Akteure der Pferdewirtschaft und ihrer Verbände waren eingebunden.

Bedeutung der Pferdewirtschaft präsent halten

Ergebnis des im vorigen Oktober nach zwei Jahren abgeschlossenen Projektes ist eine Dachstrategie – und die Gründung der Initiative „Pferde in Sachsen“. Sie will das Netzwerk zwischen den Akteuren der Pferdewirtschaft stärken und ausbauen, Potenziale bündeln und gemeinsame Aktivitäten auf den Weg bringen. Welche dies sind, gibt die Dachstrategie vor.

Dabei geht es sowohl um die Ansprache relevanter Bevölkerungsgruppen – von den Nutzern von Dienstleistungen rund um das Pferd bis hin zu den Medien und der Politik, um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Pferdewirtschaft präsent zu halten – als auch um die Entwicklung der Pferdehaltung selbst und ihrer Infrastruktur.

„pferde in sachsen“: einsteigerangebote notwendig

Chancen, die Pferdehaltung als wirtschaftliches Standbein in Sachsen zu entwickeln, gebe es definitiv, sagte Susann Krönert, Geschäftsführerin des Landesverbandes Pferdesport Sachsen und Ansprechpartnerin der Initiative „Pferde in Sachsen“. „Insbesondere der Sektor Kinder- und Jugendsport, das touristische Fahren und der Reittourismus haben noch viel Wachstumspotenzial.“ Viele Menschen hätten Interesse am Pferd. Daher sei es wichtig, für Erstkontakt zu sorgen und Einsteigerangebote zu entwickeln.

Nachfrage sei vorhanden: In vielen Reitställen gebe es Wartelisten. Der „Trend nach draußen“, der in der Corona-Pandemie noch mal einen Schub erhalten habe, erhöhe zusätzlich das Wachstumspotenzial. Dies gebe auch Landwirtschaftsbetrieben, die sich mit Pferdehaltung beschäftigen, gute Perspektiven. Zumal der Trend weg von der klassischen Boxenhaltung hin zur Aktivhaltung und Offenställen gehe. Hier seien Landwirtschaftsbetriebe, die in der Regel über ausreichend Fläche verfügen, in der Lage, Angebote aufzubauen und zu offerieren. Reitställe mit Weidehaltung verzeichneten starken Zulauf, insbesondere in der Nähe zu Großstädten sei die Nachfrage groß. „Gute Haltungsbedingungen und eine gute Rundumversorgung lassen sich die Pferdebesitzer und Reiter auch etwas kosten“, gibt Susann Krönert zu verstehen.

Chancen könnte auch der Pferdetourismus bieten. Die landschaftlichen wie auch die kulturellen Gegebenheiten Sachsens schaffen hierfür im Prinzip beste Bedingungen im Land. Jedoch hemme die Entwicklung dieses vielversprechenden Zweiges das Reitwegerecht in Sachsen. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern sei dies sehr restriktiv, wie Susann Krönert bedauert. „Eine Liberalisierung des Reitrechts im Wald würde das Wegenetz deutlich erweitern und sehr attraktive Touren für Reiturlaub und -tourismus ermöglichen“, sagt sie.


Sachsen aktuell

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zielgruppenspezifische Angebote fehlen

Zudem fehle ein hauptamtlicher Koordinator für den Pferdetourismus im Land, der zentral koordiniere und als Ansprechpartner fungiere. Zu den bestehenden Hemmnissen, die im Sinne einer Entwicklung der Pferdewirtschaft in Sachsen überwunden werden müssen, zählen laut der Dachstrategie darüber hinaus auch das Fehlen zielgruppenspezifischer Angebote – und der zunehmende Mangel an Nachwuchs im ehrenamtlichen Bereich der Zucht und des Sports.

Beides zählt mit zu den Voraussetzungen, um Menschen an das Pferd heranzuführen und somit den Bedarf an entsprechenden Angeboten langfristig zu erhalten. Auch hier will die Initiative tätig werden, zur Wissensvermittlung und zur Öffentlichkeitsarbeit beitragen.

Gute administrative Voraussetzungen

Die Bedingungen in Sachsen – auch in Verbindung mit dem thüringischen Teil des Zuchtgebiets – sind gut und weisen auch Besonderheiten auf. So ist das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut besonders für den Fahrsport geeignet. Zudem zeichne es sich auch durch einen ausgeglichenen Charakter aus. Das mache es für Freizeitreiter, Kinder und Reitschulen attraktiv, wie Susann Krönert erklärt. Man beobachte, dass viele Reiter inzwischen gezielt Rassen wie das Schwere Warmblut suchen, „weil das Athletische weniger im Vordergrund steht als ein sehr ausgeglichenes Interieur.“

Nicht zuletzt seien auch die Bedingungen auf administrativer Seite günstig. In Sachsen seien mit der Sächsischen Gestütsverwaltung und den Geschäftsstellen der Verbände die Institutionen in Moritzburg gebündelt. Nicht nur kurze Wege wirken sich vorteilhaft auf das Miteinander zwischen Freistaat und den Verbänden aus. „Wir haben auch den Rückhalt der Staatsregierung“, meint Susann Krönert. „Das ist nicht in jedem Bundesland der Fall.“


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