Durch geeigente Maßnahmen lässt sich das Risiko des Virus-Eintrags mindern. (c) Karsten Bär

Geflügelpest: Das Risiko reduzieren

Nach wie vor ist das Geflügelpest-Risko in Deutschland hoch. Das zeigen fortwährend auftretende Ausbrüche in Geflügelbeständen und Fälle bei Wildvögeln. Unser Fachautor ruft die Verhaltensregeln in Erinnerung, die zur Minimierung des Infektionsrisikos beitragen.

Von Roland Küblböck, Sächsische Tierseuchenkasse

Seit den ersten Nachweisen von hochpathogenen Aviären Influenzaviren (HPAI) H5N8 bei verendeten Wildvögeln an der Nordseeküste vom 30.10.2020 durch das Friedrich-Loeffler-Institut hat sich das Virus weiter ausgebreitet. Die Anzahl der tot aufgefundenen Wat- und Wasservögel ist an den deutschen Küsten auf über 16.000 Tiere gestiegen. Neben dem Influenzavirus H5N8 wurden auch weitere hochpathogene Aviäre Influenzaviren H5N5, H5N3, H5N4 und H5N1 in toten Tieren nachgewiesen.

Ob und wie sich die Ausbreitung der Viren durch den strengen Frost der letzten Wochen veränderte, bleibt abzuwarten. Man muss damit rechnen, dass bei den sinkenden Temperaturen viele Wildvögel auf eisfreie Gewässer im Inland ausgewichen sind und so das Geflügelpest-Virus in weitere Regionen verschleppt haben könnten.

Viele europäische Länder von geflügelpest betroffen

Auch in Europa hat sich das Virus weiter ausgebreitet. Neben Deutschland sind bis zum aktuellen Zeitpunkt 25 weitere europäische Länder betroffen. Als Hotspot mit fast 480 Ausbrüchen hat sich der Südwesten von Frankreich entwickelt. Dort werden überwiegend Mastenten gehalten. Insgesamt sind in Europa 681 Fälle von Geflügelpest aufgetreten.

Das anhaltende bundes- und europaweite Seuchengeschehen zeigt, dass die Ausbreitung der Geflügelpest-Erreger noch andauert. So schätzt das Friedrich-Loeffler-Institut das Risiko der weiteren Ausbreitung des hochpathogenen Influenzavirus und das Risiko für den Eintrag in Nutzgeflügelhaltungen als hoch ein. 

Über die Risikobewertung zu Einschleppung und Auftreten von HPAI informiert das FLI.

Nähe von Wildvögelvorkommen erhöht das Risiko

Die aktuelle Situation mit einer Vielzahl von HPAI-H5N8-Nachweisen in Wildvögeln und die Geflügelpestfälle machen deutlich, dass ein hohes Gefährdungspotenzial für alle Arten der Geflügelhaltung besteht. Es ist davon auszugehen, dass Geflügelbestände, die in der Nähe von Sammel- und Rastplätzen von Wildvögeln liegen oder sich an einem größeren Binnensee oder Fließgewässer befinden, besonders gefährdet sind. Die zuständigen Veterinärbehörden der Landkreise haben risikobasiert Aufstallungsanordnungen erlassen. Geflügelhalter müssen sich bei ihren zuständigen Behörden darüber informieren, ob für ihre Tiere eine Aufstallungspflicht besteht. 

Bis 26. März wurden in Deutschland in dieser Saison 143 Ausbrüche der Geflügelpest in Nutzbeständen oder bei etwa in Zoos gehaltenen Vögeln festgestellt. Betroffen sind 13 Bundesländer. Hinzu kommen zahlreiche Fälle bei Wildvögeln. Die Tabelle zeigt die regionale Verteilung. In den Stadtstaaten Hamburg und Bremen wurden bisher nur verendete und infizierte Wildvögel gefunden. Einzig das Saarland hat noch keinen Nachweis des HPAI-Virus‘. Deutschlandweit mussten bisher über 1,5 Millionen Stück Geflügel getötet werden. 

BundeslandGeflügelgehaltene Vögel (Tierparks)Wildvögel
Baden-Württemberg235
Bayern8045
Berlin1014
Brandenburg11055
Bremen005
Hamburg0031
Hessen0145
Mecklenburg-Vorpommern241125
Niedersachsen66094
Nordrhein-Westfalen7014
Rheinland-Pfalz011
Saarland000
Sachsen3160
Sachsen-Anhalt207
Schleswig-Holstein100548
Thüringen203
13671052
Tabelle: Roland Kübelböck, Fachtierarzt, Geflügelgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse
Quelle: FLI 

7 Hygieneregeln

Hier noch einmal Informationen, die dazu dienen sollen, die eigene Haltungshygiene und die seuchenhygienische Abschirmung zu überprüfen und vorhandene Defizite zu erkennen und zu beseitigen.

1. Stallumgebung

Eine gute Hygiene beginnt bereits im Umfeld des Stalles. Die Umgebung der Ställe sollte aufgeräumt sein und nicht als Lagerplatz dienen. Dort abgelagerte Materialien, wie Holz und Baustoffe, aber auch dichter Bewuchs mit Gestrüpp machen das Gebiet um die Ställe für Schadnager attraktiv und dienen ihnen als Deckung und Nistplatz. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Schadnager einen Zugang in den Stall verschaffen und somit auch Krankheitserreger eintragen können.                                                               

Befestigte Bereiche (Betonplatten) vor den Eingängen ermöglichen eine wirkungsvolle Reinigung und Desinfektion, sodass weniger Dreck in die Ställe gelangt. Ställe sind verschlossen zu halten, um das Eindringen von Unbefugten zu verhindern.

2. Stallvorraum dient als Hygieneschleuse

Falls ein Vorraum vorhanden ist, sollte dieser als „Hygieneschleuse“ dienen und nur Gegenstände enthalten, die für die Betreuung des Stalles nötig sind. Der Vorraum sollte unterteilt werden, um eine deutliche Trennung zwischen dem Schwarzbereich zu erreichen, der mit Straßenschuhen betreten werden kann und dem Weißbereich, der nur mit Stallschuhen betreten werden darf (z. B. Abtrennung einer Fläche vor der Stalltür durch einen Rahmen, in dem die Stallschuhe stehen). Für den Aufenthalt im Stall sollte auch stalleigene Kleidung verwendet werden.

Falls im Stallgebäude ein Handwaschbecken vorhanden ist, sollte dieses auch genutzt werden. Immer daran denken, vor dem Betreten und nach dem Verlassen des Stalles die Hände mit Seife waschen. Sollte die Bedrohung durch die Geflügelpest steigen, empfiehlt es sich, eine Desinfektionswanne am Eingang aufzustellen. Sie sollte so platziert werden, dass sie nicht übersehen werden kann. Diese ist bei Verschmutzung zu reinigen und mit einem geeigneten Desinfektionsmittel (Venno Vet super, Wofasteril usw.) in wirksamer Konzentration neu zu befüllen. Nur saubere Desinfektionswannen sind funktionstüchtig!

3. Personalhygiene: Virus nicht durch Menschen weitertragen

Um die Gefahr des Viruseintrags durch Personen zu minimieren, ist unbefugten Personen der Zugang zu den Ställen zu verwehren und kann durch Schilder „Wertvoller Tierbestand – Unbefugten Personen ist der Eintritt verboten“ gekennzeichnet werden.

In jedem Bereich sind stalleigene Schutzkleidung und Schuhe zu tragen (siehe Hygieneschleuse). Bei der Haltung verschiedener Tierarten, wie zum Beispiel Legehennen, Enten usw., ist – wenn möglich- auf eine strikte Trennung der betreuenden Personen je Tierart zu achten. Bitte auch die Familienmitglieder über die Bedeutung der Maßnahmen informieren. Personalhygiene gilt für alle! Betriebsfremde Personen, die den Stall betreten müssen, wie zum Beispiel der betreuende Tierarzt, müssen Schutzkleidung anlegen und sich in eine Besucherliste eintragen.

4. Schadnagerbekämpfung

Schadnager stellen ein hohes Risiko für die Verschleppung verschiedener Krankheitserreger dar. Alle Öffnungen und Ritzen, durch die Mäuse in den Stall eindringen können, sind zu verschließen und Rückzugsgebiete auf dem Betriebsgelände (siehe Stallumgebung) zu beseitigen. Die Schadnagerbekämpfung ist konsequent durchzuführen und sollte bei Bedarf einem Spezialisten übertragen werden. Zu einer professionellen Schadnagerbekämpfung gehört eine ausreichende Anzahl von Köderboxen und deren regelmäßige Kontrolle.

Zur Übersicht sollten die Kontrollen und die Bekämpfung dokumentiert werden. Zu beachten ist auch, dass Mäuse den Raum dreidimensional nutzen. Deshalb ist es sinnvoll, Köder auch auf Balken oder Simsen an den Wänden auszubringen. Eine Rattenbekämpfung sollte mit den angrenzenden Tierhaltern abgesprochen werden, da Ratten im Gegensatz zu Mäusen zwischen den Haltungen wandern. 

5. Tränk- und Futterhygiene

Futter ist so zu lagern, dass eine Kontamination durch Wildvögel oder Schadnager ausgeschlossen werden kann. Wird Futter lose oder in Futtersäcken gelagert, ist es in einer geschlossenen Kammer aufzubewahren. Vermeiden Sie verstreute Futterreste auf dem Gelände, die Wildvögel anlocken würden.

6. Ausläufe: Wildvögel nicht durch Futter anlocken

Bei der Freilandhaltung besteht durch den Auslauf, in dem sich auch Wildvögel und andere Tiere aufhalten können, ein besonderes Gefährdungspotenzial für Infektionen mit dem Geflügelpest-Erreger. In Ausläufen darf kein Futter angeboten werden, damit keine Wildvögel angelockt werden. Vertiefungen, in denen sich Oberflächenwasser sammeln kann, müssen aufgefüllt werden. Falls keine separaten Auslaufluken vorhanden sind und die Tiere nur durch geöffnete Türen in den Auslauf können, sind diese durch Planen bis auf 40 Zentimeter über dem Boden abzuhängen, um das Einfliegen von Wildvögeln in den Stall zu vermeiden.

Sollte eine Aufstallungspflicht erlassen werden, muss man sich an den Vorgaben des Erlasses orientieren. Die Volieren sind abzudecken, damit es keine Kontamination durch herabfallenden Vogelkot geben kann. Der Zaun muss vogeldicht sein.

7. Sonstige Hygienemaßnahmen

Tote Tiere sind sofort zu entsorgen, so dass kein Raubwild die Tierkadaver verschleppen kann. Lagern Sie das Einstreumaterial so, dass keine Kontamination durch Wildvögel, Schadnager oder Haustiere erfolgt.


Maßnahmen bei erhöhten Verlusten (Geflügelpest-Verordnung)

Treten innerhalb von 24 Stunden in einem Geflügelbestand Verluste von 


  1. mindestens drei Tieren bei einem Bestandsgröße von bis zu 100 Tieren oder
  2. mehr als 2 Prozent der Tiere des Bestandes bei einer Bestandsgröße von mehr als 100 Tieren

auf oder kommt es zu einer erheblichen Veränderung der Legeleistung oder der Gewichtszunahme, so hat der Tierhalter unverzüglich das Veterinäramt zu informieren und durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit einem hoch- oder niedrigpathogenen AI Virus ausschließen zu lassen.

Treten bei Beständen mit Enten und Gänsen über einen Zeitraum von mehr als 4 Tagen


  1. Verluste von mehr als der dreifach üblichen Sterblichkeit der Tiere des Bestandes oder
  2. eine Abnahme der üblichen Gewichtszunahme oder Legeleistung von mehr als 5 Prozent ein,

so hat der Tierhalter unverzüglich das Veterinäramt zu informieren und durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit einem hoch- oder niedrigpathogenen AI Virus ausschließen zu lassen.

All diese Maßnahmen dienen dazu, die Haltungs- und die Seuchenhygiene zu optimieren, um somit die Gefahr eines Eintrags von Aviären Influenzaviren oder anderen Krankheitserregern in die Tierhaltung zu minimieren. Unabhängig von den aufgeführten Empfehlungen sind die Vorgaben der geltenden Geflügelpest-Verordnung einzuhalten. Weitere Informationen zu Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe und aktuelle Meldungen zur Aviären Influenza erhalten Sie über die Internetseiten des FLI (hier und hier), die Risikoampel der Uni Vechta, und Ihre zuständigen Behörden.


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