(c) Sabine Rübensaat

Schichtpläne: Für das Wohl der Angestellten

Eine Arbeitseinteilung im Milchviehbetrieb, die den Mitarbeitern genügend Freizeit zur Erholung bietet, ist wichtig. Dafür bieten sich verschiedene Schichtsysteme an.

Von Sabrina Diestelow, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Zunehmend beklagen sich Beschäftigte auf landwirtschaftlichen Betrieben über zu lange Arbeitszeiten. Auch die junge Generation der Betriebsleiter sieht den persönlichen Mehrwert in der Lebensqualität, die sich außerhalb des Betriebes bietet. Doch wie schaffen es Milchviehbetriebe, die Arbeitszeiten zu reduzieren und so mehr Zufriedenheit bei der täglichen Arbeit zu erreichen? Die gezielte Planung von freien Tagen und eine gute Organisation der Abläufe können hierbei helfen.

Im Schnitt arbeiten Mitarbeiter auf Milchviehbetrieben acht bis zehn Stunden pro Tag in einem Wochensystem von zwölf Tagen und zwei darauffolgenden freien Tagen. Somit kommen schnell 60 Stunden pro Woche zusammen, auf den Monat hochgerechnet sind es dann über 240 Stunden. Das Arbeitszeitgesetz sieht jedoch in der Woche maximal 48 Arbeitsstunden vor und gibt Vorgaben zu den nötigen Ruhepausen. Nur in Ausnahmefällen dürfen diese Regelungen überschritten werden. In der Landwirtschaft werden hierzu ausdrücklich die Bestellungs- und Erntezeit genannt, um die Arbeitszeit den durch die Witterung bedingten Arbeitsspitzen anzupassen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die allgemeine tägliche Versorgung der Tiere im Rahmen der 48 Wochenstunden erfolgen muss.

Entspannung durch Schichtplanung

Landwirtschaftlichen Sozialversicherung zeigen, dass ab der neunten Arbeitsstunde das Unfallrisiko sowie das Risiko für Fehlhandlungen deutlich ansteigen. Auf dem Betrieb kann es dann gefährlich werden, wenn beim Umgang mit Rindern oder Maschinen die Reaktionsfähigkeit nicht mehr uneingeschränkt vorhanden ist. Ab der 17. Stunde ohne Schlaf verhält es sich mit der Leistungsfähigkeit wie bei einem Blutalkoholgehalt von 0,5 Promille. Gerade bei geteilten Schichten kann dies zum Problem werden, da die eigentliche Arbeitszeit die acht Stunden nicht übersteigt, jedoch kann es passieren, dass der Mitarbeiter von früh bis spät auf den Beinen ist und sich nicht genügend erholen kann in den Pausenzeiten.

Beispielhafter Arbeitsplan in einem Milchviehbetrieb.
Beispielhafter Arbeitsplan in einem Milchviehbetrieb.

Hier wäre zu überlegen, ob im Betrieb die Möglichkeit besteht, dass ein Schichtsystem mit vollen Schichten eingeführt werden kann. Vorteil für den Angestellten ist, dass er nur einmal am Tag zum Betrieb fahren muss und neben dem Melken oder Füttern auch weitere Aufgabenbereiche von ihm übernommen werden können. Besonders bei mittelgroßen Betrieben kann dies sehr viel Unterstützung in den täglichen Aufgaben bringen. Eine Möglichkeit wäre es in dem Fall, dass die zweite Melkschicht von einer 450-Euro-Kraft übernommen wird.

Das Schichtsystem kann auch wochenweise variieren, sodass auf Frühschichtwochen auch eine Spätschichtwoche folgt. Je mehr Mitarbeiter auf dem Betrieb beschäftigt sind, desto eher bietet sich der Einsatz von Arbeitsschichten an. Wichtig ist dabei jedoch, dass auf keinen Fall willkürlich zwischen den Schichten gesprungen werden sollte. Es empfiehlt sich, angepasst an den natürlichen Biorhythmus ein vorwärts rotierendes System zu nutzen. Gehören auch Nachtschichten zu den Diensten, sollte die Abfolge immer Früh-, Spät-, Nachtschicht sein, wobei nach einer Nachtschicht mindestens drei freie Tage angelegt werden sollten für die ausreichende Erholung und Umstellung. Durch diese Abfolge wird auf die innere Uhr Rücksicht genommen, da sie sich bei jedem Schichtwechsel zusätzlich umstellen muss.

Zwei oder vier Tage Auszeit

Kühe im Melkstand.
Symbolfoto (c) imago images / Christian Thiel

Weiterhin sollte ein Augenmerk auf die wöchentlichen Arbeitstage gelegt werden. Dass bei zwölf Tagen Arbeit und zwei freien Tagen keine ausreichende Erholung stattfinden kann, haben unterschiedliche Untersuchungen gezeigt. Zusätzlich steigen Stresssymptome und allgemeine Erschöpfungsanzeichen bereits ab einer Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden an. Ähnliches zeigt sich, wenn die Arbeitsperiode mehr als sieben Tage in Folge aufweist. Da in der Milchviehhaltung die Tiere auch an Sams- und Sonntagen gemolken und gefüttert werden müssen, ist Wochenendarbeit für die Mitarbeiter nicht auszuschließen. Hier können individuell an den Betrieb angepasste Wochenlängen sowohl zur genügenden Freizeit des Mitarbeiters, aber auch zur Entlastung der Familienarbeitskräfte beitragen.

Bei zehn Arbeitstagen und vier freien Tagen ist die Erholungsphase bereits deutlich besser. Zusätzlich sind in den ersten Tagen der Woche alle Beschäftigten des Betriebes anwesend und an diesen Tagen können größere Arbeiten wie Ausmisten und Aufräumen an den Siloanlagen fest geplant werden. Auch Sonderaufgaben, die nur sehr unregelmäßig anfallen wie Baumaßnahmen oder der Umbau von Liegeboxen können auf diese Tage gelegt werden. Wichtig ist hierbei, dass sowohl die Arbeitstage als auch die anfallenden Arbeiten im Voraus geplant werden.

Weitere Möglichkeiten bestehen bei einem Schichtsystem von sechs Arbeitstagen gefolgt von zwei Erholungstagen. Oder einer Kombination aus fünf Arbeitstagen, zwei freien Tagen gefolgt von sechs Arbeitstagen und drei freien Tagen. Um hier der Betriebsleiterfamilie auch geregelte freie Tage einzuräumen, sollte an den Wochenenden zusätzliche Unterstützung über Teilzeitkräfte aktiviert werden, sodass die permanent anstehenden Arbeiten abgedeckt werden. Wichtig ist hier, dass jeder Betrieb seinen eigenen Rhythmus findet, mit dem die Mitarbeiter und die Betriebsleiter zufrieden sind.

Die erste Gestaltung eines Arbeitsplanes benötigt sehr viel Zeit. Ist das System im Betrieb integriert, können die Mitarbeiter sich ihre freien Tage im Voraus einplanen und müssen weniger private Termine in die Arbeitszeit legen.

Melkerin im Melkstand.
Symbolfoto (c) imago images / Christian Thiel

Pausen sind wichtig für die Mitarbeiter

Bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als sechs und weniger als neun Stunden muss der Mitarbeiter eine Pause von mindestens 30 Minuten einlegen. Dies regelt das Arbeitszeitgesetz. Auf kleineren Familienbetrieben wird die Pause teilweise im Rahmen der Familie verbracht. Der Auszubildende hat in dem Fall meistens ein Zimmer, in das er sich zurückziehen kann. Laut Gesetz muss ein Pausenraum eingerichtet werden, sobald mehr als zehn Beschäftigte im Betrieb arbeiten.

Aber gerade bei einem landwirtschaftlichen Betrieb, wo oft der Pausenraum noch die Wohnküche ist, sollten sich Gedanken darüber gemacht werden, ob für die Mitarbeiter ein separater Raum zur Verfügung gestellt werden kann, vor allem bei steigender Mitarbeiterzahl. Zum einen haben die Angestellten nicht das Gefühl, in die Privatsphäre der Betriebsleiterfamilie einzudringen, und zum anderen kann so eine Trennung von Betriebsund Privatleben für den Betriebsleiter erreicht werden. Es profitieren also beide Seiten von der Einrichtung eines Pausenraumes.


FAZIT:

Arbeiten die Beschäftigten permanent zu viele Stunden, steigt das Erschöpfungsrisiko an und es werden vermehrt Fehler gemacht. Dadurch verschlechtert sich schleichend das Betriebsergebnis. Auch hohe Ausfallquoten sind eine drohende Folge. Wer bereits bei der Arbeit überlastet ist, kann die Arbeit von ausfallenden Kollegen nicht mehr auffangen. Aus diesen Gründen ist eine sinnvolle Arbeitseinteilung im Betrieb angeraten, die genügend Freizeit zur Erholung bietet. Im Kampf um das kostbare Gut „Mitarbeiter“ können gut strukturierte Betriebe klar punkten. Sicherlich ist es bei größeren Betrieben einfacher ein Schichtsystem einzuführen, jedoch kann auch der kleine Betrieb seinen Beitrag leisten, indem er sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzt und einen maßgeschneiderten Arbeitsplan erstellt.

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