Qualitätsverluste erlitten die Kriebitzscher Landwirte bei der Gerste. © Mario Jahn

Ramularia in Thüringen: Ist Gerste noch rentabel?

Die Pilzerkrankung Ramularia collo-cygni setzt der Gerste in Ostthüringen zu. Landwirte fordern nun für die nächste Saison die Notfallzulassung eines Pflanzenschutzmittels.

Bei vielen Landwirten macht sich Ernüchterung breit. Optisch gute Gersten- und Rapsbestände zeigen nach der Mahd ein nur mäßiges Ergebnis. Niederschläge sorgten mit dafür, dass sich die Kulturen in den meisten Thüringer Regionen gut entwickeln konnten. Nunmehr muss die Ernte regelmäßig unterbrochen werden. Mit jeder Verzögerung richtet sich zunehmend der Blick auf die Qualität des Winterweizens.

So war es zu Wochenbeginn bei der Agrar T & P GmbH Mockzig, die vor dem Start der Weizenernte stand. Der Winterraps war gedroschen. Mit knapp über 40 dt/ha kann Pflanzenbauchef Tom Bauch für den Betrieb nur einen unterdurchschnittlichen Ertrag bilanzieren. Mit der Wintergerste gibt sich Bauch ebenso nicht zufrieden, gleichwohl es andere Kollegen im Altenburger Land schwerer getroffen hat. In vielen Regionen des Landes hat sich in dieser Saison Ramularia collo-cygni in der Gerste ausgebreitet. Die Pilzkrankheit ist Bauch zufolge wesentliche Ursache für Ertragseinbußen und Qualitätsverluste.

Mähdrescher bei der Ernte von Weizen
Bei der Kriebitzscher Agrar eG wurde bereits der erste Weizen gedroschen. © Kriebitzscher Agrar eG

Hektolitergewicht der Gerste: 10 kG zu wenig

So berichtet sein Kollege Christian Schellenberg, Leiter der Pflanzenproduktion der Agrargenossenschaft Gerstenberg, dass die Wintergerste im Unternehmen im Durchschnitt ein Hektolitergewicht von 52 kg/hl aufweist. „Das sind 10 kg/hl weniger, als der Handel fordert. Die damit verbundene Preisreduzierung und der Ertragsausfall wirken sich signifikant auf die Rentabilität der Kultur aus.“ Er befürchtet, dass sich das vor allem auf die Braugerstenproduktion auswirken kann, da die Qualitätsanforderungen der Mälzereien noch höher seien.

Unmittelbar nach der Wintergerste holte die Kriebitzscher Agrargenossenschaft bereits die Sommerbraugerste vom Halm. Beide Kulturen, so berichtet Pflanzenbauvorstand Denis Fischer, waren durch Ramularia geschädigt, die späten Wintergerstensorten sogar extrem. Je nach Standort – der Betrieb bewirtschaftet etwa 40 % Kippenflächen – bewegt sich das Hektolitergewicht zwischen 52 und 58 kg. Der Ertrag lag im Mittel knapp über 90 dt/ha. Bei der Sommergerste erreichte man einen Ertrag von rund 70 dt/ha und gute Eiweißwerte. Einen deutlichen Qualitätsverlust bedeuten aber die 60 kg/hl. Zu Wochenbeginn hatten die Kriebitzscher den Raps auf den Kippenböden beerntet. Ein Ertrag leicht über 40 dt/ha sei auf diesen Standorten überdurchschnittlich, so Fischer.

WIRKSAME PflanzenschutzMITTEL GEGEN RAMULARIA in Gerste FEHLEN

Tom Bauch, der seit Kurzem dem Kreisbauernverband (KBV) Altenburger Land vorsteht, weist darauf hin, dass seit dieser Saison kein wirksames Pflanzenschutzmittel gegen die Pilzkrankheit mehr zur Verfügung steht. Wohlgemerkt in Deutschland nicht. Dies schaffe abermals ein Ungleichgewicht im Wettbewerb auf dem europäischen Markt.

Bauch fordert daher, dass den Thüringer Landwirten im kommenden Jahr Pflanzenschutzmittel über eine Notfallzulassung zur Verfügung stehen. In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gab es in dieser Saison frühzeitig eine solche Ausnahmeregelung. Derzeit laufen für zwei neue Pflanzenschutzmittel Zulassungsverfahren. Ob und wann die Genehmigung erfolgt, ist offen. fh

Weizen: Start des Fusarien-Monitorings

Jena. Das Landesamt für Landwirtschaft (TLLLR) hat vorige Woche das Fusarien- Monitoring für Winterweizen gestartet. Regional sei ein erhöhter Pilzbefall erkennbar, was darauf schließen lasse, dass in diesem Erntejahr mit einem erhöhten Besatz an Fusarien zu rechnen ist. Das befallene Getreide könne dadurch für die Futter- oder Lebensmittelproduktion unbrauchbar werden.

Die Probenahme erfolge sieben bis zehn Tage vor der Ernte und zusätzlich noch einmal während der Ernte. Landwirte, aus Regionen mit witterungsbedingter, erhöhter Fusariengefährdung können sich telefonisch oder per E-Mail bei den zuständigen Außendienstmitarbeitern des TLLLR oder direkt bei Sabine Wagner melden:
Tel. (03 61) 57 40 41-421 oder per
E-Mail an sabine.wagner@tlllr.thueringen.de.

Die Monitoringergebnisse werden zeitnah auf der Homepage des TLLLR veröffentlicht, um den Landwirten Hilfestellung für die Ernte und die Vermarktung des geernteten Getreides zu geben sowie einen Beitrag zum Verbraucherschutz zu leisten. red




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