Udo und Andrea Feldmann in ihrem Hofladen in Klein Wokern.

Wagyus statt Milchkühe in Mecklenburg-Vorpommern

In Klein Wokern haben Udo und Andrea Feldmann eine Wagyuzucht aufgebaut. Das wohlschmeckende Fleisch der berühmten japanischen Edelrinder vermarkten sie in ihrem Hofladen und online.

Von Gerd Rinas

Viele Jahre waren Milchkühe die Leidenschaft von Udo Feldmann. Die neugebauten Ställe und eine leistungsstarke Milchviehherde waren Markenzeichen des Gutshofes Klein Wokern, den Vater Ludwig Feldmann seit 1992 und Udo Feldmann nach seiner Ausbildung ab 1996 aufgebaut haben. „Doch irgendwann ist die Leidenschaft verloren gegangen“, gesteht der Landwirt.

Im Oktober 2021 hat Udo Feldmann die Milchproduktion eingestellt. „Milchbauern werden gefordert, aber nicht belohnt. Milch ist für Verbraucher selbstverständlich, ihr Wert wird nicht geschätzt“, lautet das Resümee des Landwirts nach 25 Jahren Milchkühen auf dem Hof.

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Wagyu in Klein Wokern: Die Kunden brauchen Beratung

Mit einem anderen Produkt machen Udo Feldmann und seine Ehefrau Andrea seit einiger Zeit bessere Erfahrungen. Seit 2016 züchten sie in Klein Wokern Wagyus. Die japanischen Edelrinder sind für ihr exzellentes, fein marmoriertes und ölsäurereiches Fleisch berühmt. Feldmanns kauften 2015 ihr erstes Wagyu-Rind, ein Jahr später folgten drei weitere. Udo Feldmann informierte sich bei Züchterkollegen und fand die seltene Rasse aus Fernost immer interessanter.

Die hohen Anschaffungspreise der Rinder setzten dem raschen Aufbau einer Herde aber Grenzen. Zuchttiere kosteten vor einigen Jahren noch 10.000 Euro, mittlerweile werden 5.000 bis 7.000 Euro aufgerufen. Feldmanns nutzen für den Herdenaufbau auch den Embryotransfer. Schwarzbunte Jungrinder bringen reinrassige Wagyus zur Welt. Ihr Bestand ist auf 120 Rinder angewachsen. „2019 haben wir die ersten Tiere geschlachtet“, berichtet Udo Feldmann.

Sein Plan, das Fleisch in Fleischereien in Berlin und Hamburg zu vermarkten, ging nicht auf. Wagyu-Fleisch ist eine Delikatesse, die hat aber ihren Preis: „Ein Kilo Hackfleisch kostet 35 Euro, Filet 220 Euro, alles andere liegt dazwischen.“ Edelfleisch wertgerecht zu verkaufen, verlangt Know-how. „Man kann es nicht einfach in die Fleischtheke legen, Kunden brauchen Beratung“, ist Feldmanns Erfahrung, seitdem er und seine Frau 2020 in Klein Wokern einen eigenen Hofladen eröffnet haben.

Im Sommer stehen die Wagyus auf der Weide, im Winter auf Stroh im Stall  mit Auslauf ins Freie.
Im Sommer stehen die Wagyus auf der Weide, im Winter auf Stroh im Stall mit Auslauf ins Freie. (c) Gerd Rinas

Fleischangebot im Hofladen

Alle vier bis sechs Wochen werden zwei Rinder geschlachtet. Neben reinrassigen Wagyus bieten Feldmanns in Klein Wokern auch Fleisch von Tieren an, die mit Milchrindern gekreuzt wurden. Diese ebenfalls hochwertige Ware kostet rund 40 % weniger. „Die meisten Kunden wollen aber das Original“, hat Udo Feldmann herausgefunden.

Japanisches Rind
Wagyu heißt übersetzt „japanisches Rind“ und steht für vier besondere Rinderrassen japanischen Ursprungs: Kuroge (schwarz), Akaushi (rot/braun), Shorthorn und Polled. Nur die beiden erstgenannten Rassen haben Japan verlassen. Oftmals ist Wagyu als „Kobe-Rind“ bekannt. Dieser Name unterliegt einem Gebietsschutz, der sich auf die Region Kobe in der Präfektur Hyogo bezieht. Nur Wagyurinder, die in dieser Region geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet wurden, dürfen den berühmten Namen „Kobe“ tragen.
QUELLE: WAGYU-VERBAND DEUTSCHLAND

Als Partner für das Schlachten, Zerlegen und Verarbeiten haben Feldmanns einen Metzger und Fleischsommelier aus Schwerin gewonnen. „Der Mann hat eine Leidenschaft für Fleisch“, so der Landwirt. In ihrem Laden finden Kunden Steaks aus Schulter oder Oberschale, ebenso Rib-Eye- und Filetsteaks für höchste Ansprüche. Renner im Angebot sind günstigere Burger, aber auch hochpreisigere Produkte werden stark nachgefragt.

Zum Angebot im Hofladen gehört auch ein Wurstsortiment mit Salami und Kraftfleisch. Interessenten finden hier zudem Gewürze und viele nützliche Dinge für den perfekten Wagyu-Genuss.

Wagyuhaltung: Es muss funktionieren

Die Kunden kommen von überall, aus Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. Viele, die auf der B 104 zwischen Güstrow und Teterow unterwegs sind, machen am Abzweig nach Klein Wokern gern einen Abstecher in den Hofladen. Auf der neuen Website bestellen Urlauber Produkte nach, die sie bei ihrem Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern kennengelernt haben. Im Newsletter erfahren Interessenten, wann neue Ware eintrifft.

Udo Feldmann engagiert sich im Wagyu-Verband Deutschland, der nächste Verbandstag soll, wenn Corona es zulässt, in Klein Wokern stattfinden. Mittlerweile kann er sich die Wagyuhaltung neben dem Ackerbau und der Produktion von erneuerbarer Energie als Betriebszweig vorstellen. Einer der ehemaligen Milchviehställe soll wagyugerecht umgebaut werden.

Langfristig will der Landwirt den größeren Teil des Fleisches über den Großhandel bzw. spezialisierte Metzger vermarkten. Die Sorge, dass die Wagyuhaltung aus der Nische herauswächst, treibt Udo Feldmann nicht um. „Wenn der Verbraucher einhält, was er erzählt, also weniger Fleisch isst und dafür hochwertiges aus der Region, muss es funktionieren.“

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