Rapsextraktionsschrot (RES) wird durch Extraktion des Rapsöls aus der Rapssaat gewonnen. ©Sabine Rübensaat

Rapsextraktionsschrot: Wertvolles Futter

Die Ergebnisse eines deutschlandweiten Monitorings zeigen: Rapsextraktionsschrot beweist eine hohe Qualität und ist kostbar für die Ernährung – sowohl von Rindern als auch von Schweinen.

Von Dr. Manfred Weber

Winterraps hat eine große Bedeutung für den Ackerbau. Und das, obwohl witterungsbedingt der Anbau zum Erntejahr 2019 deutlich reduziert werden musste. Nach Schätzungen der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) wurden 2018 nur rund 1 Mio. ha Raps deutschlandweit angebaut. Das ist ein Minus von 18 % gegenüber dem Vorjahr. Davon abzuziehen sind noch die Umbrüche von rund 115.000 ha. Als wesentlicher Grund für diese Entwicklung nannten befragte Landwirte den fehlenden Regen, der die Aussaat 2018 nicht oder nur eingeschränkt möglich machte beziehungsweise das Auflaufen der Rapspflanzen verhinderte.  

Das Dürrejahr 2018 überlagert so alle anderen Effekte. Einige Bundesländer waren von den negativen Bedingungen besonders betroffen. Beispielsweise ging die Aussaatfläche in Sachsen-Anhalt um mehr als 34 % zurück. Insgesamt könnte sich die Erntefläche bundesweit noch bis unter 900.000 ha reduzieren. 

Rapsextraktionsschrot stark nachgefragt  

Die Nachfrage nach Rapsextraktionsschrot (RES) in der Fütterung ist dagegen in den letzten Jahren stark gestiegen. Abbildung 1 verdeutlicht, dass sich die als Futtermittel verwendete Menge an RES von 2009 bis 2017 um gute 40 % erhöhte. Gedeckt wird dieser Bedarf zum größten Teil aus deutschen Ölmühlen, die mittlerweile eine Verarbeitungskapazität von 9,6 Mio. t Raps pro Jahr haben. 2017 stand aufgrund einer ebenfalls schlechten Ernte eine Eigenerzeugung von 4,3 Mio. t Raps einem Import von 5,7 Mio. t Raps gegenüber. 2018 wird sich dieses Verhältnis noch weiter zugunsten des Imports verschoben haben, da in Deutschland dürrebedingt nur etwa 3,3 Mio. t Raps erzeugt werden konnten.  

Der stark vermehrte Einsatz von RES lässt erkennen, dass vor allem Rinderhalter es schon seit Längerem als Alternative zum Sojaextraktionsschrot (SES) akzeptieren. Die wesentliche Grundlage dafür legten umfangreiche Fütterungsversuche, die in Koordination zwischen mehreren Landesversuchseinrichtungen und mit maßgeblicher Unterstützung der UFOP durchgeführt wurden. 

Die Versuche zeigen, dass Milchkuhrationen auch im Hochleistungsbereich ganz ohne Sojaextraktionsschrot machbar sind. Damit wird die mittlerweile nahezu als Standard geforderte Gentechnikfreiheit der Futtermittel gewährleistet. Aber auch im Bereich der Schweinefütterung beginnt ein Umdenken. Nachdem Untersuchungen der letzten Jahre deutlich gezeigt haben, dass bei Einhaltung der Empfehlungen für die Gesamtration ohne Probleme bis zu 15 % RES in der Mastschweineration eingesetzt werden können, hat sich der Einsatz im Schweinefutter deutlich erhöht. Interessant ist es immer dann, wenn sich eine Preisrelation von unter 65–68 % zum Preis von Sojaextraktionsschrot (SES) ergibt.  

Stickstoff und Phosphor im Futter reduzieren 

Die neue Düngegesetzgebung schreibt vor, Phophor (P) in der Düngung deutlich zu reduzieren. Daher ist es auch in der Fütterung notwendig geworden, Strategien zu entwickeln, die sowohl Stickstoff (N) als auch P sparen. Darum lag beim durch die UFOP geförderten RES-Monitoring 2018 ein Schwerpunkt im Bereich Mineralstoffe. Insbesondere beim P-Gehalt sollten deutschlandweit Schwankungsbreiten ermittelt werden. Der P-Gehalt ist im RES deutlich höher als beim SES.  

Dafür zogen die Landesfütterungsreferenten 67 RES-Proben, die bei der Landwirtschaftlichen Kommunikations- und Servicegesellschaft (LKS) mbH Lichtenwalde auf Inhaltsstoffe untersucht wurden. Damit schließt das Monitoring an die Untersuchungen vor 2015 an, nachdem in den letzten drei Jahren der Fokus des UFOP-Monitorings bei den Körnerleguminosen lag. Ähnlich diesen Ergebnissen, zeigte RES auch 2018 eine durchgehend gleichmäßig hohe Qualität (Tabellen 1 und 2).  

Eiweißgehalt bei 34 Prozent

Mit einer mittleren Trockenmasse von 89,1 % waren optimale Voraussetzungen für die Lagerung vorhanden. Der Rohfasergehalt bewegt sich im Rahmen der Vorjahre bei 12 %. Der Fettgehalt liegt mit 3,6 % gegenüber den letzten Jahren leicht höher und der Eiweißgehalt wie immer durchschnittlich bei rund 34 %. Alles dies hat keine Auswirkungen auf den Energiegehalt, der  2018 mit 6,4 MJNEL für das Rind und 9,9 MJME für das Schwein im Mittel der letzten Untersuchungen lag. Der Energiewert für das Geflügel liegt mit durchschnittlich 7,6 MJME im Bereich der Tabellenwerte.  

Sowohl die nXP-Werte (224 g) als auch die RNB-Werte (19 g) lagen auf dem Niveau der Werte des letzten Zeitraums. Der Lysingehalt befindet sich 2018 mit 18,3 g/kg etwas niedriger als der Schnitt von 2005–2014. Bei der Untersuchung auf Mengen- und Spurenelemente zeigte sich auch 2018, dass die tabellierten Werte in etwa erreicht wurden. Der besonders interessante P-Gehalt lag in diesem Jahr leicht unter dem Mittelwert der vorhergegangenen Jahre. Man erkennt eine Streuung der Werte, die Abweichungen von gut 20 % nach oben und unten ausweisen. Da wir aber dabei noch im Bereich des Analysenfehlers bleiben, kann man von einer recht niedrigen Streuung sprechen. 

Beim Schwefel liegen die Ana-lysewerte analog der Jahre vor 2015 deutlich niedriger. Hier ist eine Anpassung der Tabellen notwendig. Berechnet man aus den Werten für Kalium, Natrium, Chlor und Schwefel das Kationen-Anionen-Verhältnis (DCAB), das für die Beurteilung einer eventuell bestehenden Milchfiebergefahr in der Vorbereitungsfütterung bei Milchkühen von Bedeutung ist, erhält man hier Werte von durchschnittlich -94 meq/kg. Damit ergibt sich ein Wert, der gegenüber den Vorjahren deutlich tiefer liegt.  

Deklarationen wurden eingehalten 

Im Zuge des Monitorings überprüften Experten die Angaben der Hersteller beziehungsweise Verkäufer von RES in Bezug auf die Rohproteinwerte. Abbildung 2 stellt die Abweichungen für jede einzelne Partie dar. Abweichungen nach oben sagen aus, dass bei den Analysen mehr Rohprotein gefunden wurde als deklariert war. Bei nach unten abweichenden Werten lagen die deklarierten Werte höher als die Analysewerte. Bezieht man die Toleranzen mit ein, haben in diesem Jahr alle bis auf ein untersuchtes RES die deklarierten Rohproteinwerte eingehalten. Die Auswertung zeigt also, dass bei Rationsberechnungen der vom Verkäufer deklarierte Rohproteinwert angesetzt werden kann und sollte.

FAZIT

Rapsextraktionsschrot ist sowohl in der Rinder- als auch in der Schweinefütterung interessant geworden. Das Futtermittel wird als Alternative zum Sojaextraktionsschrot akzeptiert. Damit wird auch die geforderte Gentechnikfreiheit gewährleistet. Ergebnisse des von der UFOP unterstützten Rapsschrotmonitorings ergaben gleichmäßig hohe Qualitäten des Futtermittels.

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