Schafe lassen sich in Ackerbausysteme integrieren. (c) Erik Pilgermann

Besser Kreise schließen, statt in ihnen zu laufen

Nach Jahrzehnten der immer stärkeren Vereinfachungen in der Pflanzenproduktion brechen neue Zeiten an. Jetzt ist die Gelegenheit, das System Boden/Pflanze/Tier neu zu entdecken.

Von Erik Pilgermann

Mit Schafen gegen Schimmel, so lautete meine Überschrift zu einem Beitrag im Februar 2015. Der Ansatz, Wintersaaten zu hüten, ist sehr alt. Lange war er aus der Mode gekommen, doch bereits 2015 wagten zwei Männer, Landwirt Frank Bartsch und Schäfermeister Ronald Rocher, dieses Experiment. Sie rückten im verschneiten Februar dreißig Hektar Wintergerste mit dreihundert Schafen zu Leibe.

Die Aufgabe für die Schafe lautete damals, im überwachsenen Wintergerstenbestand für Ordnung zu sorgen. Ronald Rocher und Frank Bartsch arbeiteten zusammen und wollten der Pilzbrut in überwachsener Wintergerste das Leben schwerer machen. „Jetzt erntet der Schäfer. Wir sind hoffentlich im Sommer dran.“ So fasste Landwirt Frank Bartsch die Situation auf seiner Wintergerstenfläche zusammen, als wir ihn im Februar 2015 erstmals besuchten.

Der Sommer kam dann früher als erwartet, zumindest was die Trockenheit betrifft. Zwischendurch hielten viele Landwirte den Atem an, denn der Wassermangel fiel genau in die Kornfüllungsphase bei Gerste und Roggen. Erinnern Sie sich noch an unsere Ertragsschätzungen von Mitte Mai (Bauernzeitung 20/2015, S. 22–23)? Für die zweizeilige Wintergerste Campanile prognostizierten wir damals mindestens 57 dt/ha bei einem durchschnittlichen TKG. Die Trockenheit danach ließ unseren Mut ziemlich sinken, denn deutliche Ertragseinbußen zeichneten sich ab.


Starkes Team: Anke Buley und Ronald Rocher, umringt von den Söhnen Georg, Hannes, Willi und Max sowie Jannis, ein Freund und Nachbarsjunge.
(c) Sabine Rübensaat

Schafhaltung: Familiäre Leidenschaft

Mit Energie, Herz und Humor widmet sich Ronald Rocher aus dem brandenburgischen Möllendorf der Schafhaltung. Seine Frau und ihre vier Söhne stehen ihm fest zur Seite. mehr


Erfolg trotz Dürre

Am 13. Juli war endlich auch unsere Schafsgerste dran. Frank Bartsch dazu: „Das Korn war erntereif und musste vom Feld. Leider war das Stroh noch nicht überall soweit, sodass die Schafsgerste ziemlich schwer zu dreschen war.“ Wäre seinerzeit nicht der Regen dazwischen gekommen, unser Schlag wäre in anderthalb Tagen beerntet gewesen. So allerdings mussten die letzten zweieinhalb Hektar Campanile bis zum 18. Juli auf den Drescher warten.

Mit Spannung lauerten alle auf den letzten Wiegeschein, der dann für eine angenehme Überraschung sorgte. Die Schafsgerste erbrachte nämlich deutlich über 70 dt/ha. Viel mehr also, als wir Mitte Mai schätzten und es die zwischenzeitliche Dürre hätte vermuten lassen. Ein Auge lachte damals, das andere weinte, denn einerseits war es trotz allem ein erfolgreicher Zieleinlauf unserer Schafsgerste. Andererseits war damit auch die Reise mit Schafen, Schäfer und Landwirt zu Ende. So dachten wir es zumindest (Bauernzeitung 31/2015, S. 22–23). Doch es mussten noch ein paar Jahre vergehen, bis auch die Wissenschaft wieder die Gelegenheit bekam, sich mit der uralten Einheit aus Boden, Pflanze und Tier wieder gezielt auseinanderzusetzen.

System Boden/Pflanze/Tier: Den Kreis schließen

Mit erfreutem Staunen las ich das Motto der 63. Jahrestagung der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften, die im September in Rostock stattfand. Closing the Cycle – Pflanze und Tier im Agrarsystem, so heißt es.

Herrlich, der Ansatz, das Säen und Ernten, das Wachsen und Gedeihen als System oder noch besser als Kreislauf zu betrachten. Noch besser, wenn das Thema praxisnah erforscht wird. So zum Beispiel der Ackerbau mit ganzjähriger Bodenbedeckung und Schafhaltung.

Ein Forschungsteam um Dr. Joachim Bischoff von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Bernburg und Prof. Dr. Miriam Athmann von der Universität Kassel möchte den aktuellen Herausforderungen in der Landwirtschaft statt mit getrennten Strategien mit einer Kombination von Ackerbau, Nutztierhaltung und Grünland als komplexes System begegnen. In einem seit 25 Jahren laufenden Langzeit-Praxisfeldversuch zum Vergleich verschiedener Bodenbearbeitungssysteme in Strenzfeld wurde im Jahr 2020 ein Anbausystem mit Schafhaltung etabliert.

Hierzu wurde eine bisher übliche Vierfelderfruchtfolge mit 1 x Blattfrucht, 3 x Halmfrucht und Sommerzwischenfrucht durch Luzerneanbau zu einer Siebenfelderfruchtfolge erweitert. In jährlicher Abfolge stehen:


  • Winterweizen/Luzerne (2016)
  • Luzerne (2017)
  • Luzerne (2018)
  • Hafer-Luzerne-Mischkultur (2019)
  • Sommerweizen/Sommerzwischenfrucht 2020)
  • Mais/ Futterroggen (2021).

Die Bewirtschaftung erfolgte seit 2016 nach den Regelungen der EG-Öko-Basisverordnung.

Schäferin mit Ideen

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Fehlen noch die Schäferin und ihre Tiere. Ulrike Wehrspohn, eigentlich aus Thüringen stammend, übernahm 2018 die Schäferei in Strenzfeld und arbeitet seitdem mit der Landesanstalt und Dr. Bischoff zusammen (Bauernzeitung 52/2020, S. 24–26).

Der Versuchsstandort Bernburg-Strenzfeld befindet sich am Südrand der Magdeburger Börde im nordöstlichen Regenschattengebiet des Harzes. Die klimatologischen Durchschnittswerte von 1981 – 2010 betragen in Bernburg-Strenzfeld 511 mm Jahresniederschlag und 9,7 °C Jahresdurchschnittstemperatur. Der Boden am Versuchsstandort ist eine Löss-Schwarzerde aus stark tonigem Schluff (Normtschernosem).

In die Auswertung wurden drei Bodenbearbeitungsvarianten einbezogen, und in Pflug- und der Direktsaatvariante wurde zusätzlich der Einfluss der Schafbeweidung ausgewertet. Die Schafweide erfolgte auf dem Ackerland von Mitte Oktober 2020 bis Anfang Januar 2021 auf 2.500–3.600 m2 abgezäunten Koppeln.

System Boden, Pflanze, Tier: Seit Langem erstmals wieder beschäftigen sich Praxis und Forschung mit dem Thema; Ulrike Wehrspohn und Dr. Joachim Bischoff
Seit Langem erstmals wieder beschäftigen sich Praxis und Forschung mit dem Thema; Ulrike Wehrspohn und Dr. Joachim Bischoff. (c) Erik Pilgermann

Erste Erfahrungen

Geprüft wurden der Einfluss der Bodenbearbeitung und der Beweidung auf ausgewählte bodenbiologische, -chemische und -physikalische Parameter sowie auf die Ackerbegleitflora und den Ertrag der Folgekultur. Erste Erfahrungen sind inzwischen gesammelt und werden anlässlich der nächsten Ackerbautagung am 24. und 25. November in Bernburg und Iden präsentiert. Viele weitere Facetten der Kombination von Ackerbau und Nutztierhaltung werden von Fachleuten beleuchtet. Ich kann Ihnen die Veranstaltung nur wärmstens empfehlen. Beachten Sie bitte, dass die Tagung unter Beachtung der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen stattfindet. Es gilt die 2G-Regel. Eine Online-Anmeldung bis zum 22. November ist erforderlich.

System Boden/Pflanze/Tier: FAZIT

Altes Wissen gewinnt an Fahrt. Forschung und Wissenschaft bearbeitet in Zukunft stärker das weite Feld der Kombination von Boden, Pflanze und Tier. Wir werden uns in der Bauernzeitung zukünftig im Acker- und Pflanzenbau auch verstärkt mit dem Kreislaufgedanken auseinandersetzen. Es ist Zeit, sich auf die Stärken des Systems zu besinnen, um seinen Schwächen erfolgreich zu begegnen. Ich hoffe, wir sehen uns.


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