(c) Frank Hartmann

Streifenbearbeitung: Versuch macht klug

In Thüringen wollen acht Betriebe wissen, ob und wie ihnen das Verfahren der Streifenbearbeitung Vorteile bringen kann. Jeder von ihnen bewirtschaftet so in den nächsten drei Jahren 100 Hektar Ackerland.

Von Frank Hartmann

Acht Thüringer Betriebe haben sich im vorigen Jahr aufgemacht, das Ackerbausystem der Streifenbearbeitung (Strip Till) in der Praxis kennenzulernen. Zwar gibt es in Deutschland einige Betriebe, die ihre Flächen seit Jahren konsequent per Strip-Till-Verfahren bewirtschaften. Weit verbreitet indes ist es nicht, stellt auch das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft in seiner jüngsten KTBL-Schrift 521 (Streifenbodenbearbeitung: Eine Bestandsaufnahme aus Forschung und Beratung) fest.

STRIP-TILL-KOOPERATION
Agrargenossenschaft Großrudestedt eG (Mittelthüringen): Toniger Lehm, geringer Steinbesatz, Ø 50 Bodenpunkte (BP), 120 m über NN, langjähriges Niederschlagsmittel (NS) liegt bei 450 mm;
Agrarunternehmen Pfersdorf eG (Süd): Lehmiger Ton auf Muschelkalkverwitterung mit mittleren Steingehalt, 25 BP, 400 m über NN, 680 mm (NS);
Rhönland eG Dermbach (Süd): Sandiger Lehm bis stark lehmiger Sand mit mittleren bis hohem Steinbesatz, 30 BP, 360–420 m über NN, 600 mm NS, erosionsgefährdete Flächen;
Pahren Agrar (Ost): vorwiegend Braunerde aus Schieferverwitterung als sandiger Lehm, 40 BP, 400 m über NN, 566 mm NS;
Landgenossenschaft Dittersdorf (Ost): Sandiger Lehm auf Basis Schieferverwitterung mit Steinbesatz bis 25 %, 32–38 BP; 425 m–473 m über NN; 630 mm NS;
Agrarproduktion Zorgeland GmbH Windehausen (Nord): Lehmige Aueböden mit 73 BP, 160 m über NN, 510 mm NS;
LZ „Hörseltal“eG, Mechterstädt (West): Sandige Lehme bis Tonboden, bis zu 25 % Steinbesatz, 36–54 BP, 270–380 m über NN, langjähriges Mittel 600 mm NS, letzte drei Jahre noch 480 mm NS;
Agrar GmbH Oldisleben (Nord): Riedboden und Schwarzerden, 85 BP, 130 m über NN, 490 mm NS.

Interesse aus meheren perspektiven

Die Thüringer schlossen sich in einem Strip-Till-Projekt zusammen, das von der Deutschland-Vertretung des polnischen Maschinenherstellers Mzuri initiiert wurde. Jeder Betrieb wird in den nächsten drei Jahren auf mehreren Schlägen jeweils 100 ha per Streifenbearbeitung bewirtschaften.

Als einzige Bodenbearbeitung kommt das Striegeln und gegebenenfalls Mulchen infrage. Der Schlepper und die Saatmaschine, beides Leihgeräte, werden gestellt, was die Betriebe rund 80 €/ha kostet. Wolfgang Nürnberger, der die Fäden im Projekt zieht, und die Betriebe hoffen, dass ein Antrag im Rahmen der Innovationsförderung positiv beschieden wird, damit nicht nur die finanzielle, sondern auch die wissenschaftliche Begleitung gesichert werden kann. Bislang schoss das Thüringer Umweltministerium einmalig 60.000 Euro zu.

Zur Feldbegehung in der Pahren Agrar Kooperation, die seit Jahrzehnten mit Praxisversuchen ihre Neugier stillt, begründete René Kolbe ein Interesse an der Streifenbearbeitung gleich aus mehreren Erwägungen heraus: neue gesellschaftliche Erwartungen an die Lebensmittelproduktion, Klimawandel, Erosionsschutz und Arbeitswirtschaftlichkeit. Letzteres, um einerseits Arbeitsgänge zu vermeiden, was den Verkehr in Dörfern entlastet und die Akzeptanz in Zeiten von Arbeitsspitzen verbessert. Und anderseits, weil er nach Einsparungen bei den direkten Kosten sucht und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften bereits ein Problem darstellt. Ganz neu sei das Verfahren nicht für den Betrieb, der Anfang der 2000er-Jahre mit der Direktsaat experimentierte.

Streifenbearbeitung: Für zwischenfrüchte kein hindernis

Seit 1998 wird auf den rund 3.000 ha Ackerfläche, davon heute die Hälfte ökologisch, pfluglos gewirtschaftet. Frühjahrs- und/oder Vorsommertrockenheit sind eher die Regel als die Ausnahme. Zwischenfrüchte finden sich auf allen Flächen, wo es geht. Sommerkulturen machen gut 50 Prozent des Anbaus aus. Für die Streifenbearbeitung stellten die Zwischenfrüchte kein Hindernis dar. Und mit dem Striegeln habe man längst gute Erfahrungen gesammelt.

Diese kamen als einzige Maßnahme auf den Strip-Till-Flächen vor Winterraps (Vorfrucht: Wintergerste), Wintergerste (Erbsen) und Winterweizen (Raps) zum Einsatz. Vor Hafer (Mais) und Erbsen (Mais) wurde gemulcht. Die ersten Winterkulturen, so schätzt es Kolbe ein, machen einen vitalen Eindruck. Angst vor einem großen Unkrautdruck habe er nicht. Eine Antwort darauf seien nicht zuletzt die weiten Fruchtfolgen (15 Kulturen konventionell; 12 ökologisch).

Wie in Pahren gehört die Mulchsaat auf den 1.300 ha Ackerland der Agrargenossenschaft Großrudestedt bei Sömmerda schon lange zum Standard. Und wie bei den Ostthüringer Kollegen befördert dies die Feldmäuse. Wie Pflanzenbauleiterin Stefanie Lindner bei der Feldbegehung in Großrudestedt berichten musste, fiel eines der beiden Rapsfeldstücke des Strip-Till-Projektes den Mäusen zum Opfer. Dabei waren der Winterraps und auch die Wintergerste sehr gut aufgelaufen. Vergleichsschläge, die zeitgleich gedrillt worden waren, zeigten einen fast sieben Tage späteren Auflauf. Hier, so Lindners Vermutung, habe die Streifenbearbeitung samt der minimalen Bodenbearbeitung mit Striegeln bzw. dem Mulcher bereits Wirkung gezeigt.

Denn zum Zeitpunkt der Aussaat der Wintergerste am 23./24. September herrschte bereits wieder Trockenheit. Letzteres sei auch die Motivation für die Teilnahme an dem Projekt. Denn von der Streifenbearbeitung verspreche man sich gerade unter trockenen Bedingungen einen Vorteil. Lindner freut sich, dass der Betrieb im Rahmen des Projektes eine Maschine samt Verfahren ausführlich testen könne. Dies sei in der Regel so nicht möglich, im besten Fall gebe es eine Vorführung.

Glyphosat und umweltschutz

Im Herbst und im Frühjahr habe es jeweils eine Herbizidanwendung im Getreide gegeben. Unkräuter wie Trespe oder Ackerfuchsschwanz sind auf den vier Projektflächen kein Thema, weil man extra dafür Problemflächen ausgelassen hat.

Ob zur nächsten Aussaat Glyphosat auf der Rapsstoppel zur Anwendung kommt, vermag die Großrudestedter Pflanzenbauleiterin noch nicht zu sagen. Unter „normalen“ Umständen sollte das zweimalige Striegeln genügen. Am Ende würden die Witterung und der Auflauf des Ausfallrapses darüber entscheiden. Gleichwohl sieht Lindner das bevorstehende Glyphosatverbot in Einzelfällen durchaus problematisch, um das Strip-Till-System zur Gänze etablieren zu können. Gut 100 ha Luzerne baut der Betrieb an. Eine Nachfolgekultur ohne Glyphosat zu etablieren, könnte sich als schwierig erweisen.

Ihr Pahrener Kollege René Kolbe plädiert dafür, dass in Ackerbauverfahren wie Strip Till eine Ausnahme vom Anwendungsverbot auch nach 2023 Bestand haben muss. Ein ohnehin begrenzter Glyphosat-Einsatz, etwa auf der Stoppel oder im Zwischenfruchtanbau, sollte möglich sein, bis man derartige Verfahren beherrsche. Anderenfalls bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass andere Herbizide als Ausweg herangezogen werden könnten. Und das müsse dem Umweltschutz nicht unbedingt förderlich sein.


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