Ostdeutsche Bundesländer weisen einen niedrigen Stickstoff-Überschuss auf. (c) Sabine Rübensaat

Nitrat-Bericht 2024: Stickstoff-Überschuss nimmt ab


Die Nitrat-Belastung des Grundwassers ist in Deutschland erneut leicht zurückgegangen. Immer mehr Messstellen erfüllen den Grenzwert von <50 mg Nitrat pro Liter. Insbesondere im Osten sind die Stickstoffüberschüsse auf landwirtschaftlichen Flächen besonders gering.

Von Ralf Stephan

Als Rückenwind für verursachergerechtere Düngeregeln wertet Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) den Nitrat-Bericht 2024, den das Umweltbundesamt (UBA) am Donnerstag voriger Woche (4.7.) veröffentlichte. „Der Nitratbericht zeigt: Politik wirkt“, kommentierte Özdemir den ausgewiesenen leichten Rückgang der Nitratbelastung im Grundwasser. Jedoch überschreitet noch etwa ein Viertel der Messstellen den geforderten Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter. Besonders für viehdichte Regionen und in Gebieten mit Gemüseanbau weist der Bericht eine überdurchschnittliche Belastung aus.

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Nitrat-Bericht 2024: Nitrat-Fracht im Wasser weiter zu hoch

Nur noch rund ein viertel (25,6 %) der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes stellten im Berichtszeitraum 2020–2022 eine Konzentrationen von im Mittel mehr als 50  mg/l fest. Im vorherigen Berichtszeitraum (2016–2018) betrug dieser Anteil 26,7  %. Damit setzt sich der Trend leicht sinkender Nitratkonzentrationen im Grundwasser an überwiegend landwirtschaftlich beeinflussten Messstellen fort.


Insgesamt sei aber die Nitratbelastung des Grundwassers an den Messstellen laut Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) weiterhin zu hoch. Dies werde durch das mit der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Gebietsabgrenzung (AVV) herangezogene Ausweisungsmessnetz bestätigt, das deutlich mehr Messstellen umfasse.
Allerdings gibt es für das AVV-Messnetz keine Vergleichszahlen, da es zum ersten Mal einbezogen wurde.

Küstengebiete an Nord- und Ostsee in schlechtem Zustand

Weiterhin in schlechtem Zustand sind laut Nitrat-Bericht 2024 trotz leichter Verbesserungen bei einzelnen Parametern die deutschen Küsten- und Meeresgewässer in Nord- und Ostsee. Die Küstengewässer verfehlten erneut den guten ökologischen Zustand. Als Hauptursache werden Eutrophierungseffekte durch Phosphor genannt. Alle deutschen Meeresgewässer der Ostsee und 87  % der Nordseegewässer werden als eutrophiert eingestuft.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne), die für das UBA zuständig ist, stellte fest, angesichts der Eutrophierung der Küsten- und Meeresgewässer bestehe Handlungsbedarf.

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Übersicht nach Bundesländern: Stickstoff-Überschüsse nehmen ab

Wie es um die Nitratbelastung in den Bundesländern steht, lässt sich aus dem UBA-Bericht nicht ablesen. Allgemeine Rückschlüsse lassen die Angaben zu Stickstoffüberschüssen auf landwirtschaftlichen Flächen im Ländervergleich seit 2008 zu. Damals wiesen die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen mit 104 kg/ha die höchsten Überschüsse aus, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (91  kg), Niedersachsen (90  kg) und Schleswig-Holstein (85  kg).

Die geringsten Überschüsse wurden in Sachsen-Anhalt (46  kg), Brandenburg und MV (je 47  kg) sowie Thüringen (49  kg) erfasst. Von den ostdeutschen Ländern lag nur Sachsen mit 52  kg leicht über der kritischen Marke, vergleichbar mit Rheinland-Pfalz (52  kg) und dem Saarland (54  kg).

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Im Jahr 2021 wiesen die Stadtstaaten noch jeweils einen Überschuss von 65  kg/ha aus. NRW konnte ihn auf 65, Niedersachsen auf 61 und Schleswig-Holstein auf 57  kg/ha senken. Mit 23  kg mehr als halbiert war der Bilanzüberschuss bis dahin in Thüringen. Mecklenburg-Vorpommern (26  kg) sowie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg (29  kg) waren ebenfalls weit vom 50-kg-Grenzwert entfernt.

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Auf Anfrage bestätigten die ostdeutschen Länderbehörden, dass sich hier im Wesentlichen der gleiche Trend wie im UBA-Bericht zeigt: Der Anteil der Messstellen mit niedrigen Nitratgehalten (Klasse  1, 25  mg/l und weniger) nimmt zu, während der Anteil der Klasse 4 (über 50  mg/l) abnimmt.

Auch der Anteil der kritischen Messstellen sei vergleichbar. Wie viele der ostdeutschen Messstellen in den Bericht einflossen, ist nicht erkennbar. Dem UBA standen bundesweit die Daten aus dem EU-Nitrat-Messnetz (621 Messstellen) und dem AVV-Messnetz (8.225 Messstellen) zur Verfügung. Die vier „südlichen“ Ostländer – für MV lagen die Zahlen bei Veröffentlichung nicht vor – lieferten Angaben aus 168 EU-Messstellen und mehr als 3.100 AVV-Messstellen.

Westen und Osten unterscheiden sich zwar erkennbar, trotzdem nehmen im gesamten Bundesgebiet die Stickstoffüberschüsse ab.

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