Holger Brandt, Landwirt im Nebenerwerb. (c) Heike Mildner

Nebenerwerb: 50 Hektar wie tausend

Holger Brandt aus Heckelberg in Brandenburg baut Raps und Getreide an und verkauft sie mithilfe der Börse. Marktfruchtanbau in Eigenregie mit eigener Technik sind sinnvoller Ausgleich zur Arbeit – und Familientradition.

Von Heike Mildner

Abends gegen Acht wird Holger Brandt auf dem Schlepper sitzen: vorn die Sonne und den Roggen im Blick, hinten die Spritze, die in Fungizid ausbringt. Das Handyfoto, das er schickt, ist das Aufmacherfoto für diesen Beitrag. Denn es zeigt, was für den Landwirtschaftsmeister aus Heckelberg im Landkreis Märkisch-Oderland, 45 km nordöstlich vom Berliner Alexanderplatz, das Ackern im Nebenerwerb erstrebenswert macht. Ackern zu lassen, käme für Holger Brandt nicht infrage, selbst wenn er auch im Haupterwerb alle Hände voll zu tun hat.

Nebenerwerbslandwirt Holger Brandt aus Brandenburg baut Raps und Getreide an ⬇️

Nebenerwerbslandwirt Holger Brandt aus Brandenburg baut Raps und Getreide an. Marktfruchtanbau mit eigener Technik sind sinnvoller Ausgleich zur Arbeit – und Familientradition. ⬇️

Gepostet von Bauernzeitung am Donnerstag, 18. Juni 2020

2012 übergaben ihm seine Eltern die 50 Hektar, die sie 1990 aus der Genossenschaft gelöst hatten, samt Hof und Technik, die Schwester wurde ausgezahlt. Damals arbeitete der gelernte Automobilmechaniker im Hauptberuf bei der Hoffnungstaler Stiftung in Lobetal in der Landwirtschaft. Obwohl ihm die Arbeit mit den behinderten Mitarbeitern Spaß machte, sah er keine großen Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Das änderte sich massiv, als er sich vor dreieinhalb Jahren bei der Vereinigten Hagelversicherung auf eine Inspektorenstelle bewarb und prompt genommen wurde. Auflage bei der Einstellung: sich zum Landwirtschaftsmeister zu qualifizieren.

Vorn die Sonne und den Roggen im Blick, hinten die Spritze. (c) Holger Brandt

Trotz Nebenerwerb: Ackern mit Meisterbrief

Gern hätte Holger Brandt seinen Meister an der Landwirtschaftsschule Seelow unter 1,5 abgeschlossen. Dass er knapp darüber lag, zählt mehr als die hervorragende Leistung. Den Ehrgeiz habe er von seiner Mutter, sagt er, genau wie den Hang zur Perfektion. Die  jüngste Anschaffung, eine neue Drille, musste sein, weil er sich über das ungleichmäßige Saatbild geärgert hatte. Mit der neuen Amazone-Drille kann Brandt die Aussaatstärke über die Bordtechnik seines Deutz-Fahr-Schleppers mit der Schlagdatei abgleichen und entsprechend der Bodenqualität mehr oder weniger Saatgut drillen. Auf der ökologischen Vorrangfläche, die Brandt mit Phacelia bestellt hat, war sie zum ersten Mal im Einsatz. Das brummende lila Blütenmeer könnte kaum gleichmäßiger blühen.

Phacelia, die mit der neuen Drillmaschine ausgebracht wurde. (c) Heike Mildner

Mit durchschnittlich 40 Bodenpunkten hat Brandt den besten Boden auf der Barnimer Platte. 2013 hat er die 50 Hektar ausgiebig beproben lassen. Jetzt weiß er genau, wo die Sandlinsen liegen, satellitengestützt weiß es auch die Bordtechnik, die dann Drille oder Düngerstreuer ansteuert: Precision Farming im Nebenerwerb.

Warum? Der Einstieg habe einen sehr praktischen Grund: Um Dünger zu kaufen, muss er 27 km bis nach Wriezen fahren. Wenn dann 800 kg fehlen, weil man an einer Stelle zu großzügig war, sei das ärgerlich, sagt Holger Brandt. Anders als mehr und mehr Profis setzt er noch aufs Pflügen. Unter anderem, weil die Technik dafür bereitsteht.

Bei Brandt wird gepflügt

Belarus mit Wasserfass für den Brandfall. (c) Heike Mildner

Außerdem: „Welche Alternative gibt es, wenn Glyphosat nicht mehr zur Verfügung steht?“, fragt Brandt und gibt sich mit dem Beharren auf dem Pflügen selbst die Antwort. Und überhaupt, die Technik: Fast alles, was er braucht, steht in der Scheune. „Ein Nebenerwerbslandwirt hat wenig Zeit, meist nur am Wochenende und im Urlaub. Da muss man schlagkräftig sein“, sagt Brandt. In der Ernte tut ein Nachwende-Massey-Ferguson Dienst. Die Anhänger hat Brandt teilweise selbst aufgebaut – dem Scheuneninhalt sieht man seine berufliche Vergangenheit an. Alles steht sauber, gut geschmiert und überdacht für den nächsten Einsatz parat.

Nur ein alter Belarus mit dem Wasserfass dahinter muss draußen bleiben. Er steht abfahrbereit auf dem Hof. Es ist heiß und regnet selten: Man weiß ja nie. Im vergangenen Jahr sind dem Landwirt 2,8 Hektar Roggen abgebrannt. Verkauft wird direkt vom Feld, eine Lagermöglichkeit hat Holger Brandt nicht. Die diesjährige Roggenernte hat er schon im vergangenen Jahr verkauft – die Börsenseiten im Internet täglich im Blick. Auch den Dünger kauft er möglichst dann, wenn der Preis niedrig ist.

Eruca-Raps nach Fläche

Für den Raps hat Brandt einen Vertrag auf die Fläche, es ist Eruca-Raps. Der steht brusthoch und sieht richtig gut aus. Eine neue Sorte, die Brandt da ausprobiert. Der Raps wird wegen der Eruca-Säure angebaut, die beispielsweise in Waschmitteln dafür sorgt, dass nicht zu viel Schaum entsteht, erzählt Brandt, der immer für Innovationen offen ist.


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Die Meisterausbildung mit zusammengerechnet 390 Unterrichtseinheiten zur Produktions- und Verfahrenstechnik, 270 Unterrichtseinheiten zur Betriebs- und Unternehmensführung und 120 Unterrichtseinheiten zu Berufsbild und Mitarbeiterführung hat nicht nur sein berufliches Vorankommen gesichert, sondern auch die Landwirtschaft im Nebenerwerb erneuert. Betriebswirtschaftlich wisse er jetzt vieles, was er bis dahin instinktiv richtig gemacht hat. Und auch praktisch hat sich seine Arbeit auf dem Acker verändert. Brandt hat im dritten Jahr stabilisierten Stickstoff ausgebracht: „Den streue ich Ende Februar, spätestens bis zum 5. März. Wenn die Trockenheit kommt, ist der Dünger auf jeden Fall schon im Boden gelöst“, sagt Brandt, außerdem müsse er nur einmal fahren.

Nebenerwerb – Der perfekte Ausgleich

Und auch sein Arbeitsprojekt an der Meisterschule hat Spuren hinterlassen: Brandt hatte sich mit dem Zusatz von pH-Wert-Senkern beschäftigt und konnte die Einsatzmenge bei Wachsumsreglern halbieren. Innovation macht Holger Brandt eben genauso Spaß, wie auf dem Schlepper dem Sonnenuntergang entgegenzufahren: Für ihn der perfekte Ausgleich zu jährlich 30.000 Kilometer zum Kunden und Corona-Homeoffice.

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